Gegen Rechte Reden

Wir und die Anderen (Bildfeld (Rahmung))

Beschreibung

Einzelne verschwinden in einer homogenen, abwertend benannten Gruppe: die 68er, Ausländerkinder, Klimakleber. Der Frame macht Individuen zu Exemplaren — was einem zugeschrieben wird, gilt allen.

Formulierungen, die Einzelne in einer abwertend benannten Gruppe verschwinden lassen — was einem gilt, gilt allen

Erkennungsmerkmale

Sammel-Etiketten für heterogene Personengruppen; Funktion beschreibt Pauschalisierung/Homogenisierung

Was der Rahmen hervorhebt

Die Zugehörigkeit. Das Bild zieht eine Linie zwischen einem Wir und einem Die, und an dieser Linie entscheidet sich, was über einen Menschen gesagt werden darf.

Was er ausblendet

Die Individuen — das Kollektiv-Etikett ist die Vorbedingung jeder weiteren Abwertung: Wo kein Einzelner mehr vorkommt, muss man keinen mehr schonen.

Das Kalkül

Das Kollektiv-Etikett löscht Einzelne zugunsten einer homogenen Gruppe, an deren Grenze entschieden wird, was über einen Menschen gesagt werden darf. Es hebt die Zugehörigkeitslinie (Wir/Die) hervor und blendet Individuen, ihre Namen und Geschichten aus; es entmächtigt, weil es jede Einzelfall-Rücksicht erübrigt — wo niemand mehr als Einzelner vorkommt, muss auch niemand mehr geschont werden.

Funktion

Gegenstrategie

Das »die« auflösen und einen Menschen erzählen — Name, Ort, Geschichte. Konkretion ist das Gegengift der Kollektivierung.

Neu-Rahmung

Der Gegen-Rahmen bedient dieselbe Zugehörigkeits-Sorge mit einem eigenen Bild: »›Wir‹ sind mehr als ein Stempel.« Und er hat einen Beweis: Dieser Ort hat Fremde schon oft zu ›uns‹ gemacht — Vertriebene nach dem Krieg, Spätaussiedler. Die Türen gingen damals oft widerwillig auf — und trotzdem wurde aus den Fremden ›wir‹. Zugehörigkeit ist keine Eigenschaft, sondern ein Ergebnis; die Tür zu öffnen bleibt die bewährte Praxis des Ortes, auch wenn sie nie leichtfiel.

Konter-Evidenz

praxiswissen

Beleg

Wehling, »Politisches Framing« (2016), Kap. 3: Abstrakte politische Sachverhalte werden zwingend über Metaphern gedacht, und die Metapher liefert ihre Schlussfolgerungen gleich mit — das Bild wirkt, bevor ein Argument gebaut ist. Reisigl/Wodak (2001, Kap. 2, S. 45–48) führen Kollektivierung und Genericisierung als Referenzstrategien: Menschen erscheinen nur noch als Menge, nicht als Einzelne — die Voraussetzung dafür, dass ihnen Gefühle und Individualität abgesprochen werden können. Kultur-Referenz: Wilfried Schmickler, »Wir sind wir« (Kabarett-Gedicht) — führt den Wir/Die-Rahmen in Reinform vor: reine Deixis (hier/da, wir/die) ohne jeden Inhalt; die Zugehörigkeits-Begründung ist zirkulär (wir sind wir, weil wir nicht die sind), selbst Angleichung bleibt grundlos ausgeschlossen, und der Schluss — alles bleibt, wie es war — zeigt die Entmächtigung als Stillstand. Wirkmechanismus: Publikumsinokulation durch Überdehnung (Bühnenform; als eigener Sprech-Zug nur dosiert — Beschämungs-Risiko, KONZEPT C3). Text urheberrechtlich geschützt: referenzieren/verlinken, nie in Produkte übernehmen.

Hier trainierst du die Gegenrede dagegen

Interaktive Übungseinheiten dieser Website (die Szenen sind fiktiv, die Zitate belegt):

Alle Manipulationsmittel im Überblick