Gegen Rechte Reden

Ersatzreligion und Kult (Bildfeld (Rahmung))

Beschreibung

Politik wird als Glaubenssystem gerahmt: -religion, -kult, Propheten, Ablasshandel, Erlösung. Der Frame entzieht der Gegenseite den Anspruch auf Rationalität und Wissenschaftlichkeit — Gläubigen muss man nichts beweisen.

Formulierungen, die Politik zum Glauben machen — Gläubigen muss man nichts beweisen

Erkennungsmerkmale

religiöses Vokabular (Religion, Kult, Sekte, Prophet, Dogma, Ablass, Messias, Altar, Klerus) auf säkulare Politik angewandt

Was der Rahmen hervorhebt

Die Innigkeit einer Überzeugung. Wer mit Hingabe für etwas eintritt, erscheint im Glaubens-Bild als Gläubiger — und was geglaubt wird, ist damit schon nicht mehr geprüft.

Was er ausblendet

Die Evidenzbasis — das Glaubens-Etikett verwandelt belegtes Wissen in bloße Meinung, über die man nicht streiten muss.

Das Kalkül

Das Glaubens-Vokabular erklärt die Gegenposition zur Sache des Herzens statt des Kopfes und erspart damit ihre Prüfung — Gläubigen muss man nichts beweisen. Es hebt die Hingabe hervor und blendet die Beleglage aus; es entmächtigt, weil es die Zuhörenden von der Pflicht befreit, selbst nachzuschauen, was tatsächlich belegt ist.

Funktion

Gegenstrategie

Nicht das Etikett dementieren, sondern die Unterscheidung anbieten: Was hier ist belegt, was geglaubt? Die Beleglage zeigen statt über »Religion« zu streiten.

Neu-Rahmung

Der Gegen-Rahmen bietet dieselbe beruhigende Klarheit mit einem eigenen Bild: »Was stimmt, lässt sich nachschauen.« Im Nachschlagewerk, in dem jeder selbst blättert, ersetzt eine Handlung den Glauben-Wissen-Gegensatz — die Prüfmöglichkeit, die das Etikett verschluckt hat, ist wieder da.

Konter-Evidenz

eigenuebertrag

Beleg

Wehling, »Politisches Framing« (2016), Kap. 3: Abstrakte politische Sachverhalte werden zwingend über Metaphern gedacht, und die Metapher liefert ihre Schlussfolgerungen gleich mit — das Bild wirkt, bevor ein Argument gebaut ist. Die Zuschreibung von Glaube, Sekte und Kult entzieht der Gegenposition den Anspruch auf Rationalität, ohne ihn widerlegen zu müssen — eine Prädikationsstrategie im Sinne von Reisigl/Wodak (»Discourse and Discrimination«, 2001, Kap. 2).

Hier trainierst du die Gegenrede dagegen

Interaktive Übungseinheiten dieser Website (die Szenen sind fiktiv, die Zitate belegt):

Alle Manipulationsmittel im Überblick