Heimat und Boden
Beschreibung
Heimat, Boden, Verwurzelung und »unser Volk« als exklusiv besetzter Bezugswert der eigenen Seite.
Formulierungen, die Zugehörigkeit an Herkunft und Boden binden — Heimat wird zum Besitz einer Seite
Erkennungsmerkmale
Heimat, Boden, Scholle, Verwurzelung, gewachsen, angestammt, unser Volk, Landeskinder, Identität
Was der Rahmen hervorhebt
Die Bindung an einen Ort. Verwurzelung, Gewachsensein, ein Zuhause, das man verteidigt — Zugehörigkeit erscheint als etwas, das man mitbringt, nicht als etwas, das man lebt.
Was er ausblendet
Alle, die hier leben, ohne von hier zu stammen — und dass Heimat auch entsteht: durch Arbeit, Nachbarschaft und Zeit. Wer die Politik kritisiert, liebt im Bild die Heimat nicht; wer nicht dazugehören soll, wird aus ihr herausdefiniert.
Das Kalkül
Das Bild hebt die Bindung an Herkunft und Boden hervor — Zugehörigkeit als etwas, das man mitbringt, nicht als etwas, das man lebt. Es blendet aus, dass Heimat auch entsteht (Arbeit, Nachbarschaft, Zeit), und definiert exklusiv, wer dazugehört. Es entmächtigt, indem es die Zugehörigkeits-Entscheidung dem Sprecher zuschanzt: Wer 'Heimat' sagt, sagt zugleich, wer keine hat, und Widerspruch erscheint als Angriff auf die Heimat selbst, nicht als andere Definition von ihr.
Funktion
- F3
- Selbst mit korrigierten Fakten bliebe das Bedürfnis nach einem Zuhause, einem Ort ungebrochener Zugehörigkeit, unadressiert — Heimat verspricht nicht nur Information, sondern ontologische Sicherheit (Kinnvall) und ein Wir, das mehr ist als eine Meinung.
Gegenstrategie
Heimat nicht räumen: Heimat ist der gelebte Ort ALLER, die hier wohnen, arbeiten, Vereine tragen — konkret erzählen statt abstrakt bekennen. Die Exklusiv-Setzung benennen: Wer entscheidet, wessen Heimat das ist?
Neu-Rahmung
Der Gegen-Rahmen stiftet dieselbe Verbundenheit redlich: »Heimat ist, wo man mit anpackt — nicht, wo man herkommt.« Über den gelebten Ort statt den ererbten Boden gehören alle dazu, die hier mittun — die Wahl zwischen Verteidigung und Verrat entfällt.
Konter-Evidenz
eigenuebertrag
Beleg
Wehling (ARD-Framing-Manual, S. 7–9) begründet das moralische Framing: Fakten wirken nur innerhalb eines Wertrahmens, weshalb die positive Selbstdarstellung der halbe Wirkungsanteil politischer Sprache ist. Diese Achse hält fest, welchen Wert die Gegenseite für sich reklamiert — und damit, welcher Wert zurückzuerobern wäre. Wodak (2015, Kap. 1–2) analysiert die Konstruktion eines homogenen »Volkes« als konstitutiv für rechtspopulistische Rhetorik — Zugehörigkeit wird zur Ressource, über die der Sprecher verfügt.