Recht und Verbrechen
Beschreibung
Gruppen oder Bewegungen werden pauschal in die Nähe von Straftat und Terror gerückt: -extremisten, -täter, Banden, kriminell als Gruppenmerkmal. Der Frame verschiebt von der Tat Einzelner zur Gefährlichkeit aller.
Formulierungen, die ganze Gruppen in die Nähe von Straftat und Terror rücken
Erkennungsmerkmale
kriminell/extremist/terror/banden/täter als pauschales Gruppen-Etikett
Was der Rahmen hervorhebt
Die Gefahr. Das Bild zeigt die Tat und alles, was ihr ähnelt; die Gruppe nimmt den Umriss des Täters an, ehe von Schuld überhaupt die Rede ist.
Was er ausblendet
Unschuldsvermutung, Rechtslage und die Unterscheidung zwischen Tätern und einer Gruppe — die Kriminalitäts-Zuschreibung springt vom Fall aufs Kollektiv.
Das Kalkül
Das Kriminalitäts-Etikett verschiebt die Tat Einzelner auf die Gefährlichkeit einer ganzen Gruppe und macht jeden Fall zum Beleg für alle. Es hebt die Gefahr hervor und blendet Unschuldsvermutung, Rechtslage und die Fall-für-Fall-Prüfung aus; es entmächtigt, weil es die differenzierte Prüfung durch ein Pauschal-Alarmsignal ersetzt, dem man nur ausweichen oder das man nur abwehren kann.
Funktion
- F1
- Eine korrekte, bezugsgrößen-versehene Kriminalstatistik stillt nicht das Sicherheitsbedürfnis gegenüber einer als bedrohlich erlebten Gruppe — dieses Gefühl braucht Handhabbarkeit, keine Zahlenkorrektur.
Gegenstrategie
Vom Kollektiv zu den Fällen: Wer genau hat was getan, was sagt die Statistik mit Bezugsgröße — und warum haftet die Tat der Gruppe an statt den Tätern?
Neu-Rahmung
Der Gegen-Rahmen bedient dieselbe Sicherheits-Sorge mit einem eigenen Bild: »Sicherheit entsteht, wo jede Tat verfolgt wird — jede einzelne, egal von wem.« Die Akte mit Namen und Datum ersetzt die Gruppen-Silhouette durch etwas, das tatsächlich greifbar ist.
Konter-Evidenz
argumentationstheoretisch
Beleg
Wehling, »Politisches Framing« (2016), Kap. 3: Abstrakte politische Sachverhalte werden zwingend über Metaphern gedacht, und die Metapher liefert ihre Schlussfolgerungen gleich mit — das Bild wirkt, bevor ein Argument gebaut ist. Reisigl/Wodak (2001, Kap. 2, S. 72–73) beschreiben die tragende Schlussfigur: Aus nicht repräsentativen Einzelfällen wird auf die Gruppe geschlossen, wobei die Nichtrepräsentativität unausgesprochen bleibt.