Belegte Aussage — AfD-Fraktion
„das geistige Vernichtungswerk „Bologna-Prozess“ so schnell wie möglich rückgängig zu machen.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffDramatisieren / DammbruchSprachkritische Analyse
Die Formulierung überträgt das Vokabular von Krieg und Genozid auf eine Verwaltungsreform des Hochschulwesens. »Vernichtungswerk« benennt keine Bologna-Kritik mehr, sondern behauptet kulturelle Auslöschung, und macht so aus einer fachlich verhandelbaren Reform einen Akt, den es mit äußerster Dringlichkeit »rückgängig zu machen« gilt.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich könnte schreiben »fehlgeleitete Reform« oder »verfehlte Studienstrukturreform« — beides stimmt, beides überzeugt niemanden auf Anhieb. Also greife ich zum Wort, das sonst für Menschheitsverbrechen reserviert ist: Vernichtungswerk. Wer das liest, denkt nicht an Modulhandbücher und Akkreditierungsverfahren, sondern an etwas, das ausgelöscht wird, geistige Substanz, die zerstört wird wie in einem Krieg. Ich brauche diese Übertreibung, weil die eigentlichen Bologna-Probleme — Verschulung, Punktedruck, Bürokratie — Reformdebatten sind, aber keine Dringlichkeit erzeugen, die eine sofortige, komplette Rückabwicklung rechtfertigt. Also liefere ich die Dringlichkeit selbst, im Wort. Wer nach der Lektüre nicht »rückgängig machen« fordert, hat offenbar nichts gegen Vernichtung einzuwenden — diese Falle baue ich mit einem einzigen Kompositum.