Belegte Aussage — AfD-Fraktion
„die sich für eine ausgewogene und keiner politischen Strömung verpflichtete politische Bildung und echte Demokratieerziehung einsetzen“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
Chiffre / Dog WhistleSprachkritische Analyse
Die Formulierung tarnt sich als Ruf nach Überparteilichkeit, während »echte« stillschweigend festlegt, wessen Bildung als unecht gilt. Die Begründung des Antrags richtet sich ausschließlich gegen als »links« markierte Inhalte wie Antifaschismus- und Antirassismusarbeit, nie gegen rechte Einseitigkeit — »Neutralität« wird so zum Einfallstor für die eigene weltanschauliche Norm.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich schreibe »echte« vor Demokratieerziehung, und schon habe ich entschieden, was falsch ist, ohne es benennen zu müssen. Wer heute im Unterricht gegen Rassismus oder Antisemitismus arbeitet, betreibt in meinem Satz plötzlich keine Demokratieerziehung mehr, sondern nur eine von vielen »politischen Strömungen« — genauso verdächtig wie jede andere. Dass ich in der Begründung mit keinem Wort rechte Einseitigkeit erwähne, sondern ausschließlich »linke Werte« ins Visier nehme, soll niemandem auffallen; ich rede ja von Neutralität, nicht von einer Seite. So kann ich jederzeit sagen: Ich wollte doch nur Ausgewogenheit. Aber ausgewogen ist für mich nur, was meine Position nicht stört — alles andere ist die zu bekämpfende Indoktrination.