Belegte Aussage — AfD Sachsen-Anhalt (Landesverband)
„Genderstudien beanspruchen zwar, Wissenschaft zu sein und damit in den Genuss staatlicher Wissenschaftsförderung zu kommen, dieser Anspruch hält jedoch einer objektiven Prüfung nicht stand.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
DelegitimierenSprachkritische Analyse
Die Formulierung übernimmt den Anspruch der Genderstudien, Wissenschaft zu sein, nur um ihn im selben Satz mit einer nicht benannten Instanz — »einer objektiven Prüfung« — für gescheitert zu erklären. Weder Prüfkriterien noch Prüfende noch ein nachvollziehbares Verfahren werden genannt; das Urteil erscheint dennoch als bereits erbrachter, neutraler Befund. So wird der eigene politische Standpunkt in die Form eines wissenschaftlichen Ergebnisses gekleidet, ohne dass er dessen Nachweispflichten unterläge.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich sage nicht »ich finde Genderstudien unwissenschaftlich« — das wäre nur meine Meinung, angreifbar und diskutierbar. Ich sage »hält einer objektiven Prüfung nicht stand« — das klingt, als hätte längst jemand nachgemessen und das Ergebnis läge vor. Wer war das? Nach welchem Maßstab? Das sage ich nicht, denn sobald ich es sagen müsste, wäre es meine These und keine Tatsache mehr. So genügt mir das nackte Wort »objektiv«, um der Gegenseite die Beweislast zuzuschieben: nicht ich muss zeigen, dass die Studien unwissenschaftlich sind, sie müssen zeigen, dass sie es nicht sind. Das Urteil steht schon, bevor irgendein Argument fällt.