Belegte Aussage — AfD Sachsen-Anhalt (Landesverband)
„Recht besehen sind die Genderstudien größtenteils eine politische Ideologie, deren Kerndogma darin besteht, dass Geschlechtsidentitäten ein Zwangssystem darstellen, das aufgehoben werden muss.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffDelegitimierenSprachkritische Analyse
Die Formulierung ersetzt den neutralen Begriff einer wissenschaftlichen Grundannahme durch "Kerndogma" und rahmt das Fachgebiet zugleich als "politische Ideologie" — beides Begriffe aus dem Register von Glaube und Parteipolitik, nicht von Wissenschaft. Damit wird der wissenschaftliche Status der Genderstudien implizit bestritten, ohne dass ein inhaltliches Gegenargument geliefert wird; die Ablehnung erfolgt über die Umbenennung, nicht über die Widerlegung der zugrundeliegenden These.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich muss die Genderstudien nicht widerlegen, ich muss sie nur umbenennen. Nenne ich ihre zentrale Annahme ein "Dogma", klingt sie wie ein Glaubenssatz, den man hinnehmen soll, nicht wie eine These, die man prüfen kann. Sage ich "Ideologie" statt "Theorie", habe ich das Fach schon aus der Wissenschaft hinausgeworfen, bevor ein einziges Argument fällt. Den eigentlichen Inhalt — dass Geschlechtsidentität auch gesellschaftlich geformt wird — muss ich gar nicht diskutieren, ich muss nur dafür sorgen, dass mein Publikum ihn schon für erledigt hält, sobald es das Wort "Kerndogma" hört.