Belegte Aussage — AfD Sachsen-Anhalt (Landesverband)
„Es handelt sich beim Postkolonialismus somit letztlich um nichts anderes als ein Programm zur Zerstörung der Europäischen Identität. Postkolonialismus ist keine Wissenschaft, sondern die politisch motivierte Vernichtung der Wissenschaft.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffDramatisieren / DammbruchDelegitimierenSprachkritische Analyse
Die Formulierung kehrt die Rollen von Angriff und Verteidigung um: Sie erklärt eine etablierte akademische Disziplin selbst zur Bedrohung und stilisiert die eigene Ablehnung als Verteidigung der Wissenschaft. Durch die Setzung »keine Wissenschaft, sondern … Vernichtung der Wissenschaft« wird der Gegenstand nicht inhaltlich widerlegt, sondern per Definition aus dem legitimen Diskurs ausgeschlossen. Der Zusatz »Zerstörung der Europäischen Identität« dramatisiert einen akademischen Streit zu einem zivilisatorischen Notstand.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich muss nicht ein einziges Argument der postkolonialen Forschung widerlegen, wenn ich ihr einfach den Namen »Wissenschaft« entziehe. Also sage ich nicht: »Ich bin anderer Meinung«, sondern: »Das ist gar keine Wissenschaft« — dann brauche ich mich mit ihren Befunden nicht mehr auseinanderzusetzen, sie sind schon disqualifiziert, bevor sie geprüft wurden. Damit das nicht wie bloße Ablehnung klingt, drehe ich den Spieß um: nicht ich greife an, sondern das Fach selbst sei »Vernichtung der Wissenschaft« — ich verteidige nur. Und weil eine akademische Debatte allein niemanden alarmiert, hänge ich die »Zerstörung der Europäischen Identität« daran — jetzt geht es nicht mehr um Lehrstühle und Studien, sondern ums nackte Überleben von »uns«. Wer mir jetzt widerspricht, verteidigt kein Fach mehr, sondern angeblich die eigene Auslöschung.
Sprachkritische Analyse
Die Formulierung überträgt das Vokabular physischer Vernichtung (»Zerstörung«, »Vernichtung«) auf eine akademische Forschungsrichtung und rahmt sie damit als final-destruktives Feindprogramm statt als wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kolonialgeschichte. Der Satz »Postkolonialismus ist keine Wissenschaft« delegitimiert das gesamte Feld pauschal, ohne einen einzigen Befund oder eine These zu benennen, gegen die argumentiert würde. So wird aus einer Debatte über Forschungsinhalte ein Alarm über eine angebliche Bedrohung kollektiver Identität.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich nehme ein Wort, das im Deutschen sofort an Auschwitz und Krieg erinnert — »Vernichtung« — und lege es auf ein Forschungsfeld, das Kolonialarchive liest und Machtverhältnisse analysiert. Damit muss ich keinen einzigen Befund widerlegen; ich muss nur behaupten, dass hier »keine Wissenschaft« stattfindet, dann ist jede inhaltliche Auseinandersetzung erledigt, bevor sie beginnt. Wer den Postkolonialismus verteidigt, verteidigt in meinem Satz plötzlich ein »Programm zur Zerstörung«, nicht ein Fach mit Lehrstühlen und Peer Review. Und »Europäische Identität« setze ich als etwas Feststehendes, Homogenes, das es zu schützen gilt — nicht als das historisch gewachsene, immer schon vielfältige Gebilde, über das genau diese Forschung streitet. So verschiebe ich den Streit von der Frage, was in Seminaren gelehrt wird, zur Frage, ob »wir« uns noch verteidigen dürfen.