Belegte Aussage — AfD Sachsen-Anhalt (Landesverband)
„Die einst auf hohem wissenschaftlichem Niveau arbeitende kritische deutsche Islamforschung, wie sie beispielsweise durch Tilman Nagel als einen ihrer letzten Vertreter repräsentiert wird, ist im Zeichen politischer Korrektheit von der Universität vertrieben worden.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffVerschwörungserzählungSprachkritische Analyse
Die Formulierung stellt eine normale fachliche Verschiebung innerhalb der Islamwissenschaft als gezielte Vertreibung dar: Ein einzelner Gelehrter wird zum "letzten Vertreter" eines angeblich untergegangenen kritischen Zweigs stilisiert, während "im Zeichen politischer Korrektheit vertrieben" einen koordinierten, ideologisch motivierten Verdrängungsakt unterstellt, für den kein Beleg genannt wird. So wird aus einem gewöhnlichen Wandel akademischer Schwerpunkte eine Erzählung von Zensur und Verschwörung.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich brauche keinen Beweis für eine Vertreibung — das Wort "vertrieben" erledigt die Arbeit selbst, es klingt nach Gewalt und Absicht, nicht nach dem langsamen, banalen Wandel akademischer Moden. Ich nenne einen einzigen Namen, Tilman Nagel, und mache ihn zum "letzten Vertreter" einer ganzen Wissenschaftstradition — so wirkt jede andere Ausrichtung nicht wie Vielfalt, sondern wie das Aussterben einer bedrohten Art. Dass Forschungsschwerpunkte sich über Jahrzehnte aus fachlichen, personellen und finanziellen Gründen verschieben, sage ich nicht — ich brauche einen Täter, und "politische Korrektheit" liefert ihn, ohne dass ich eine Institution, eine Person oder ein Gremium benennen müsste, das tatsächlich etwas verboten oder jemanden entlassen hätte. Wer mir zuhört, soll nicht nach den konkreten Umständen fragen, sondern das Gefühl mitnehmen: Hier wurde etwas Wahres zum Schweigen gebracht, und ich bin es, der es wieder ausspricht.