Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„Ähnlich wie bei der Genderpolitik wirkt im Inklusionsgedanken ein gefährlicher Konstruktivismus.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
Chiffre / Dog WhistleDelegitimierenSprachkritische Analyse
Die Formulierung übernimmt einen fachwissenschaftlichen Begriff — den Konstruktivismus als sozialwissenschaftliche Position, dass auch Behinderung gesellschaftlich mitkonstituiert wird — und belädt ihn allein durch das Adjektiv "gefährlich" mit einer Bedrohungsqualität, die er in der Wissenschaft nicht hat. Durch den Vergleich mit der "Genderpolitik" wird die Denkschule zusätzlich in ein bereits als verdächtig markiertes Themenfeld eingereiht, sodass eine akademische Position pauschal delegitimiert wird, ohne dass ein einziges ihrer Argumente inhaltlich widerlegt werden müsste.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich nehme einen Begriff aus der Wissenschaftstheorie, den kaum jemand im Saal genau kennt, und hänge ihm ein einziges Wort an: "gefährlich". Damit muss ich mich mit der eigentlichen Position — dass Behinderung auch durch gesellschaftliche Zuschreibungen mitgeschaffen wird — gar nicht mehr auseinandersetzen; das Etikett erledigt die Arbeit für mich. Ich ziehe die Linie zur "Genderpolitik", einem Feld, das ich schon vorher als verdächtig markiert habe, und übertrage diesen Verdacht wie von selbst auf den Inklusionsgedanken. Wer jetzt für Inklusion argumentiert, argumentiert in meiner Erzählung bereits für etwas, das an eine gefährliche Ideologie andockt. Ich muss keine Studie widerlegen, keine These prüfen — ich muss nur das Wort "Konstruktivismus" so lange neben "gefährlich" stellen, bis es sich von selbst wie eine Bedrohung anhört. So wird aus einer akademischen Denkschule ein Feindbild, ohne dass ich je erklären müsste, was an ihr eigentlich falsch sein soll.