Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Ähnlich wie bei der Genderpolitik wirkt im Inklusionsgedanken ein gefährlicher Konstruktivismus.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2020-07-08
Quelle
Stenografischer Bericht 7/105 — Erste Beratung a) Entwurf eines Fünfzehnten Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes des Landes SachsenAnhalt Gesetzentwurf Fraktion AfD - Drs. 7/6219 Landtag von Sachsen-Anhalt - Stenografischer Bericht 7/105 - 08.07.2020 b) Erste Beratung Sicherung des Unterrichtsangebotes an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen Antrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 7/6260
Fundort
Plenarprotokoll 7/105, TOP 10
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/105stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-0856 · Absatz aus fs-bild-abs-0217

Kodierte sprachliche Mittel

Chiffre / Dog WhistleDelegitimieren

Gegenstrategie gegen Chiffre / Dog Whistle: Den Code offenlegen: aussprechen, was das Wort den Eingeweihten signalisiert — eine Chiffre verliert ihre Deckung, sobald die zweite Botschaft offen im Raum steht. Herkunftsbeleg bereithalten. · Was verstehen diejenigen, die den Code kennen — sag es doch einmal offen. · eigenuebertrag

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung übernimmt einen fachwissenschaftlichen Begriff — den Konstruktivismus als sozialwissenschaftliche Position, dass auch Behinderung gesellschaftlich mitkonstituiert wird — und belädt ihn allein durch das Adjektiv "gefährlich" mit einer Bedrohungsqualität, die er in der Wissenschaft nicht hat. Durch den Vergleich mit der "Genderpolitik" wird die Denkschule zusätzlich in ein bereits als verdächtig markiertes Themenfeld eingereiht, sodass eine akademische Position pauschal delegitimiert wird, ohne dass ein einziges ihrer Argumente inhaltlich widerlegt werden müsste.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nehme einen Begriff aus der Wissenschaftstheorie, den kaum jemand im Saal genau kennt, und hänge ihm ein einziges Wort an: "gefährlich". Damit muss ich mich mit der eigentlichen Position — dass Behinderung auch durch gesellschaftliche Zuschreibungen mitgeschaffen wird — gar nicht mehr auseinandersetzen; das Etikett erledigt die Arbeit für mich. Ich ziehe die Linie zur "Genderpolitik", einem Feld, das ich schon vorher als verdächtig markiert habe, und übertrage diesen Verdacht wie von selbst auf den Inklusionsgedanken. Wer jetzt für Inklusion argumentiert, argumentiert in meiner Erzählung bereits für etwas, das an eine gefährliche Ideologie andockt. Ich muss keine Studie widerlegen, keine These prüfen — ich muss nur das Wort "Konstruktivismus" so lange neben "gefährlich" stellen, bis es sich von selbst wie eine Bedrohung anhört. So wird aus einer akademischen Denkschule ein Feindbild, ohne dass ich je erklären müsste, was an ihr eigentlich falsch sein soll.

Begriffe in dieser Aussage

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