Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„Es handelt sich beim Gendern um eine typisch identitätsfeindliche neulinke Wahnidee.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffPauschalisierenSprachkritische Analyse
Die Formulierung überträgt einen klinischen Begriff — »Wahnidee« bezeichnet in der Psychiatrie eine krankhafte, unkorrigierbare Fehlüberzeugung — auf eine politische Position und verschiebt damit die Auseinandersetzung von der Sachebene auf die Diagnoseebene. Wer eine Position als »Wahnidee« bezeichnet, muss sie nicht mehr widerlegen, sondern kann sie als Symptom einer Störung abtun; zugleich wird die Gegenseite (»identitätsfeindlich neulink«) als ideologisch fremdes Kollektiv markiert, dem die Urteilsfähigkeit fehlt.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich nehme ein Wort aus der Psychiatrie, weil es mir die Beweislast abnimmt: Eine »Wahnidee« muss man nicht widerlegen, man muss sie nur benennen, dann erledigt sich der Rest von selbst. Wer gendergerechte Sprache für sinnvoll hält, ist in meinem Satz kein Gegner mit Argumenten mehr, sondern ein Fall — jemand, der an einer Störung leidet, nicht an einer Meinung. Das »typisch identitätsfeindlich neulink« liefert gleich die Diagnose der ganzen Gruppe mit, damit niemand denkt, hier spreche nur eine Einzelmeinung. So kann ich eine ernsthafte Debatte über Sprache und Gleichstellung abkürzen, ohne ein einziges Argument gegen sie vorzubringen — ich muss sie nur für krank erklären.