Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Ziel der linken Genderer ist eine vaterlands- und geschlechtslose Wahnsinnswelt.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2023-01-27
Quelle
Stenografischer Bericht 8/35 — Beratung Gendern? - Nein, danke! Regeln der deutschen Sprache einhalten - keine politisch motivierte Verfremdung der Sprache Antrag Fraktion AfD - Drs. 8/2125
Fundort
Plenarprotokoll 8/35, TOP 10
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/035stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-0892 · Absatz aus fs-bild-abs-0134

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffDramatisieren / DammbruchPauschalisieren

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Pauschalisieren: Das ›die‹ auflösen (wer konkret?), die Stichprobe prüfen und Gegenbeispiele benennen — der Schluss vom Einzelnen auf das Wesen einer Gruppe ist der klassische Fehlschluss der voreiligen Verallgemeinerung. · Auf wie vielen Fällen beruht das — und gilt es für alle oder für Einzelne, die man benennen kann? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Dramatisieren / Dammbruch: Die behauptete Kette Schritt für Schritt prüfen und die Gegenkräfte benennen, die sie stoppen — den Katastrophen-Rahmen dabei nicht nacherzählen, sondern nüchtern verkleinern. · Führt wirklich jeder Schritt zwingend zum nächsten — und welche Kräfte würden die Kette längst stoppen? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung koppelt Gleichstellungspolitik über eine Alliteration mit dem Verlust von Vaterland und Geschlecht und schließt beides mit »Wahnsinnswelt« zu einem einzigen Angst-Bild zusammen. Statt eine konkrete Maßnahme zu benennen oder zu widerlegen, wird das gesamte Ziel der Gegenseite als psychisch krankhaft und die politische Kultur bedrohend diffamiert. Die Zuspitzung ersetzt Argumentation durch Pauschalurteil und macht Gendern zum Symbol für einen umfassenden Kontrollverlust.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich brauche kein einziges Argument gegen geschlechtergerechte Sprache, wenn ich ihr Ziel schon im Wort vernichte. »Wahnsinnswelt« sagt: Wer das will, ist nicht mehr bei Verstand — mit so jemandem diskutiert man nicht, man wehrt ihn ab. Dass ich »vaterlandslos« und »geschlechtslos« im selben Atemzug nenne, ist kein Zufall: Ich lasse den Verlust der Nation und den Verlust der Geschlechter zu einem einzigen Bild verschmelzen, obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. So wird aus einer Debatte über Sprachregeln ein Kampf ums Ganze, um Heimat, um die Ordnung der Welt selbst. Wer mir widerspricht, verteidigt am Ende scheinbar den Wahnsinn.

Begriffe in dieser Aussage

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