Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„Die Toleranz der Studentenschaften - das ist ein Lügenbegriff.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffSprachkritische Analyse
Die Formulierung erklärt einen zentralen demokratischen Wert für eine Lüge, indem sie ihm die Bezeichnung »Begriff« mit dem Präfix »Lügen-« verbindet — nach dem Muster von »Lügenpresse«. Statt eine inhaltliche Kritik an einer konkreten Praxis der Studentenschaften zu formulieren, wird der Begriff »Toleranz« selbst als Täuschungsinstrument diskreditiert. Damit wird jede künftige Berufung auf Toleranz präventiv als Heuchelei markiert, ohne dass ein einziges Beispiel oder Argument genannt werden muss.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich sage nicht, was an der Toleranz der Studentenschaften konkret falsch sein soll — das würde mich zwingen, Belege zu liefern. Stattdessen ziehe ich das Wort selbst in Zweifel: »Lügenbegriff«. Nach diesem Muster habe ich schon einmal die Presse erledigt, jetzt erledige ich die Toleranz gleich mit. Wer sich künftig auf Toleranz beruft, gilt in meinem Vokabular schon als jemand, der lügt oder sich täuschen lässt — ich habe das Wort selbst vergiftet, bevor ein Argument fällt. Das erspart mir die Mühe, einen einzigen Fall zu benennen, und verschiebt die Beweislast: nicht ich muss zeigen, dass etwas faul ist, sondern die anderen müssen erst beweisen, dass ihr Begriff überhaupt noch etwas bedeutet.