Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„In jedem Fall aber müssen wir die Strukturen, die geschaffen wurden, um die Migrationswelle zu bewältigen, so schnell wie möglich wieder abbauen. Wir müssen wieder zu gesellschaftlicher Normalität zurückkehren.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
NaturalisierenSprachkritische Analyse
Die Formulierung setzt zwei Deutungsrahmen: Sie beschreibt die Fluchtmigration 2015/16 mit dem Naturbild »Migrationswelle«, das sie als überwältigendes, unpolitisches Ereignis erscheinen lässt statt als staatlich gestaltete Aufnahme. Zugleich erklärt sie die daraufhin geschaffenen Förder- und Integrationsstrukturen zur bloßen Notmaßnahme gegen diese Welle und nicht zu einer bleibenden gesellschaftlichen Aufgabe. Aus dieser doppelten Setzung folgt scheinbar zwingend, dass der Abbau dieser Strukturen keine politische Entscheidung, sondern die Wiederherstellung eines eigentlichen, gestörten Normalzustands sei.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich nenne die Aufnahme geflüchteter Menschen eine »Welle« — dann klingt sie wie Wetter, nicht wie eine Entscheidung, die Menschen und Behörden gemeinsam getroffen haben. Was auf eine Welle folgt, muss man nicht gestalten, man muss es überstehen und danach wegräumen. Genau das tue ich mit den Förderstrukturen: Sie werden zu Sandsäcken, die nach dem Hochwasser wieder verschwinden dürfen. Dass Kinder in diesen Strukturen Sprache und Zukunft finden, sage ich nicht — ich spreche nur von »Strukturen«, ohne Gesicht. Und wenn ich »Normalität« sage, tue ich so, als gäbe es einen Zustand vor der Ankunft dieser Kinder, zu dem man einfach zurückkann. Wer das nachspricht, hört sich vernünftig an, weil er ja nur »zurück zum Normalen« will — und merkt nicht, dass er gerade zugestimmt hat, Förderung für Kinder als Ausnahmezustand zu behandeln, den man beenden darf.