Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„Dies umso mehr, als mit der Befreiung von Aleppo durch Regierungstruppen in den vergangenen Tagen ein Ende des Stellvertreterkrieges auf syrischem Boden in greifbare Nähe rückt.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
EuphemismusSprachkritische Analyse
Die Formulierung übernimmt unkommentiert den Sprachgebrauch des Assad-Regimes und macht die von schweren Kriegsverbrechen begleitete Rückeroberung Aleppos durch Regierungstruppen mit russischer und iranischer Unterstützung zu einer »Befreiung«. Sie verschweigt Belagerung, Vertreibung und die dokumentierten Gräueltaten und deutet die Eroberung stattdessen als Fortschritt zum Kriegsende um. Diese Umdeutung dient im selben Atemzug als Beleg dafür, dass eine Rückführung geflüchteter Menschen nach Syrien bald möglich sei.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich übernehme das Wort, das die Sieger selbst benutzen, weil es mir die Beweislast abnimmt: Wer eine Stadt »befreit«, muss sich nicht rechtfertigen. Dass in Aleppo Menschen ausgehungert, bombardiert und vertrieben wurden, sage ich nicht — das würde die Erzählung stören, die ich brauche. Mir geht es darum, den Krieg für beendet zu erklären, noch während er andauert, weil ein beendeter Krieg die Frage nach der Rückkehr der Geflüchteten aufwirft. Also spreche ich von »greifbarer Nähe« eines Kriegsendes, kaum dass die Bomben verstummt sind, und lasse offen, wer diese Nähe eigentlich herbeigebombt hat. Das Wort »Befreiung« erledigt beides zugleich: es reinigt das Regime und bereitet den Boden für die Forderung, die ich eigentlich stellen will.