Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„So funktioniert Ihre Pseudodemokratie im Dienste der Altparteienoligarchie. Das ist die Klimadiktatur, die LGBTQ-Diktatur und die Migrationsdiktatur, die sich frech Demokratie nennt.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2023-04-28
Quelle
Stenografischer Bericht 8/41 — Zweite Beratung
Fundort
Plenarprotokoll 8/41, TOP 17
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/041stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-1585 · Absatz aus fs-bild-abs-0277

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffDramatisieren / DammbruchTäter-Opfer-Umkehr

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Täter-Opfer-Umkehr: Das Machtverhältnis konkret machen: Wer kann wem tatsächlich etwas antun, wer trägt belegbar die Folgen? Die Umkehr lebt davon, dass niemand die realen Folgen vergleicht. · Wer trägt hier tatsächlich die Folgen — was ist dem angeblichen Opfer konkret geschehen, und was den anderen? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Dramatisieren / Dammbruch: Die behauptete Kette Schritt für Schritt prüfen und die Gegenkräfte benennen, die sie stoppen — den Katastrophen-Rahmen dabei nicht nacherzählen, sondern nüchtern verkleinern. · Führt wirklich jeder Schritt zwingend zum nächsten — und welche Kräfte würden die Kette längst stoppen? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung koppelt "Altparteien" — ein Wort, das etablierte Parteien pauschal als überlebt und austauschbar markiert — mit "Oligarchie", dem Begriff für die Herrschaft einer kleinen, sich selbst bedienenden Elite. Aus dem parlamentarischen Mehrparteiensystem wird so sprachlich eine verdeckte Klüngelherrschaft; der Satz kehrt zugleich die Rollen um, indem er das demokratisch gewählte System als "Diktatur" bezeichnet und die eigene Position als die der Unterdrückten inszeniert. Die Häufung von "-diktatur"-Komposita (Klima-, LGBTQ-, Migrationsdiktatur) dramatisiert drei unterschiedliche Politikfelder zu einem einzigen, totalitär anmutenden Herrschaftssystem, ohne dass einzelne Entscheidungen benannt oder begründet werden müssten.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich brauche kein Argument gegen einzelne Gesetze, wenn ich dem System selbst die Legitimität abspreche. "Altparteien" reicht schon, um zu sagen: die sind alle gleich, die sind längst nicht mehr eure Vertreter. Hänge ich "Oligarchie" dran, wird aus einem gewählten Parlament eine Kaste, die sich die Macht unter sich aufteilt — dabei sage ich nie, wer da wen wie ausgeschaltet hätte, das Wort erledigt die Arbeit für mich. Und dann drehe ich das Verhältnis komplett um: nicht ich stelle die Demokratie infrage, sie ist die "Pseudodemokratie", die "Diktatur" — Klima, LGBTQ, Migration, alles in einen Topf, drei verschiedene Debatten zu einer einzigen Bedrohung verschmolzen. Wer mir zuhört, muss über kein einziges Sachargument mehr nachdenken; er muss nur noch entscheiden, auf welcher Seite der Diktatur er steht. Das ist bequemer als jede Einzelkritik — und es lässt sich beliebig oft wiederholen, ohne dass ich je etwas belegen müsste.

Begriffe in dieser Aussage

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