Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„Der Kulturbetrieb ist dermaßen gleichgeschaltet, dass sich der Vergleich mit der DDR aufdrängt“
Quelle
- Sprecher
- Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
- Datum
- 2020-11-19
- Quelle
- Stenografischer Bericht 7/114 — Beratung Regierungserklärung des Staatsund Kulturministers Herrn Rainer Robra zum Thema: „SOS - Kultur, Kulturland Sachsen-Anhalt, nachhaltig und zukunftsfähig, trotz Corona“ Rainer Robra (Staatsminister und
- Fundort
- Plenarprotokoll 7/114, TOP 6
- Original
- https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/114stzg.pdf
- Beleg-ID
- fs-bild-1932 · Absatz aus fs-bild-abs-0719
Kodierte sprachliche Mittel
Dramatisieren / DammbruchKampfbegriffGegenstrategie gegen Kampfbegriff:
Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt
Gegenstrategie gegen Dramatisieren / Dammbruch:
Die behauptete Kette Schritt für Schritt prüfen und die Gegenkräfte benennen, die sie stoppen — den Katastrophen-Rahmen dabei nicht nacherzählen, sondern nüchtern verkleinern. · Führt wirklich jeder Schritt zwingend zum nächsten — und welche Kräfte würden die Kette längst stoppen? · argumentationstheoretisch
Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.
Sprachkritische Analyse
Die Formulierung übernimmt mit "gleichgeschaltet" einen historisch stark besetzten Begriff aus der NS-Zeit, um den heutigen Kulturbetrieb mit totalitärer Zensur gleichzusetzen. Der explizite DDR-Vergleich verstärkt den Vorwurf einer erzwungenen ideologischen Einheitlichkeit und stellt jede pluralistische Meinungsvielfalt im Kulturbetrieb implizit in Abrede.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich wähle "gleichgeschaltet" nicht zufällig - das Wort trägt die ganze Erinnerung an erzwungene Konformität in sich, ohne dass ich die NS-Zeit selbst nennen muss. Der Vergleich mit der DDR liefert gleich die zweite Assoziation mit: Diktatur, Zensur, Denkverbote. So wird aus einem gewöhnlichen kulturpolitischen Mehrheitstrend ein Systemvorwurf, und jeder, der den Kulturbetrieb pluralistisch nennt, muss sich fragen lassen, ob er die Diktatur verharmlost. Ich muss nichts belegen - das Wort belegt sich selbst.
Hier üben
Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau
dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):
- Gespräch: Die Probenpause
Gesprächs-Training Zug um Zug (fiktive Szene) — auf die Züge des Gegenübers reagieren, das Publikum halten, mit Reframing-Moment am Gipfel.
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