Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Die Schule soll kompensieren, was Effizienzsteigerung und Lohndumping an Schäden verursachen. An sie wird die Erwartung adressiert, dass nicht nur alle echten und vermeintlichen Nachteile, sondern auch die den Menschen überhaupt eigenen Unterschiede per Dekret ausgeglichen werden müssen. Daher das Gerede, Bildungsabschlüsse hingen in Deutschland zu sehr von der sozialen Herkunft ab. Die Schule soll es den vermeintlich Benachteiligten leichter machen und so eine falsche Gleichheit herstellen.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2020-05-08
Quelle
Stenografischer Bericht 7/101 — Beratung Lehrer entlasten! Unterricht und Erziehung als Hauptaufgabe Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/6017
Fundort
Plenarprotokoll 7/101, TOP 18
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/101stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-abs-0235

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffLeugnen & VerharmlosenNaturalisierenLeistung / Meritokratie (Argumentationsmuster)Natürlichkeit (Argumentationsmuster)Realität (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Naturalisieren: Den Sein-Sollen-Sprung benennen: Aus ›so ist es von Natur‹ folgt kein ›so soll es sein‹ — und die Naturbehauptung ist meist eine gesellschaftliche Setzung im Naturkostüm. · Woher weißt du, dass das Natur ist und nicht Gewohnheit — und selbst wenn: warum wäre es damit richtig? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Leugnen & Verharmlosen: Erst den Leugnungstyp bestimmen (bestritten, kleingeredet, ›nicht so gemeint‹?), dann gezielt: Beleg vorlegen, Wiederholungsmuster zeigen oder die wörtliche Benennung einfordern — und die Beweislast nicht übernehmen: Nicht widerlegt heißt nicht widerlegt, nicht wahr. · Was sagt die gesicherte Beleglage — und bestreitest du sie, oder redest du sie nur klein? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Natürlichkeit (Argumentationsmuster): Die vorbeugende Gegenrede hat hier ein bescheidenes, aber wirksames Ziel: dem Publikum ein Ohr für das Wort natürlich einzupflanzen, bevor es als Argument durchgeht — erklärend und ohne die Person anzugreifen, denn anders als beim Konter steht keine einzelne Aussage zur Prüfung, sondern eine Denkgewohnheit. Zwei Fragen genügen als Ausstattung. Die erste: Ist das wirklich Natur — oder Gewohnheit? Vieles, was als ewige Ordnung auftritt, hat ein Geburtsdatum; wer es benennt, macht aus der Natur eine historische Entscheidung, über die sich neu entscheiden lässt. Wenn das Regierungsprogramm einer Schulsport-Reform vorhält, durch sie »werden die Kinder dem Leistungsgedanken entfremdet«, lässt sich ruhig fragen, seit wann diese Nähe denn besteht und wer sie gestiftet hat — die Frage erledigt das Pathos, ohne zu streiten. Die zweite: Selbst wenn etwas natürlich wäre — folgt daraus, dass es gut ist? Krankheit ist natürlich, Impfung nicht; niemand zieht daraus die Regel, das Natürliche sei vorzuziehen. Wer beide Fragen im Kopf hat, erkennt auch die Doppelverwendung des Musters: Mal gebietet die Natur den Eingriff, mal verbietet sie ihn — je nachdem, was gerade gefordert wird. Wichtig bleibt der Ton: Menschen, die von natürlichen Ordnungen sprechen, verteidigen oft ehrlich Vertrautes gegen das Tempo der Veränderung; sie sind nicht das Muster, das sie zitieren. Immunisieren heißt, die Beweislast zurückzuschieben: Die Natur hat nichts gefordert — gefordert hat ein Mensch, und der schuldet Gründe. · Im direkten Schlagabtausch verschiebt sich das Ziel: Nicht eine Denkgewohnheit soll vorbeugend geimpft, sondern eine konkrete Natur-Behauptung vor Publikum geöffnet werden — schnell, an der vorliegenden Aussage, ohne Seminarton. Die verlockendste Antwort ist zugleich die schwächste: der lange Gegenbeweis aus der Naturgeschichte. Wer ausführt, wie vielfältig Familienformen oder Erziehungsideale historisch waren, mag recht haben — aber er streitet auf dem Feld, das der andere gewählt hat, und übernimmt dessen Prämisse, die Naturfrage entscheide die Sache. Stärker ist, den Kurzschluss selbst zu treffen: »Selbst wenn das so natürlich wäre, wie Sie sagen — warum wäre es deshalb richtig? Krankheiten sind auch natürlich.« Dieser eine Satz passt in jede Redezeit. Dazu die Nachfrage, die das Etikett öffnet: Woher wissen Sie, dass das Natur ist und nicht bloß Gewohnheit? Wenn eine Programmforderung beklagt, Kinder würden »dem Leistungsgedanken entfremdet«, genügt die Rückfrage, ob es eine angeborene Bindung an Schulnoten gibt. Und wo das Muster in seine zweite Gestalt wechselt — man könne ohnehin nichts ändern —, hilft das Spiegeln der Doppelrolle: Eben noch gebot die Natur zu handeln, jetzt verbietet sie es; beides zusammen geht nicht. Die Falle, die es zu meiden gilt, ist die Eskalation ins Weltanschauliche: Wer den Streit über eine einzelne Behauptung zur Generaldebatte über Biologie macht, verliert das Publikum. Der Konter sitzt, wenn ein einziger Satz hängen bleibt: Aus dem, was ist, folgt noch nicht, was sein soll. · Die vorbeugende Gegenrede hat hier ein einfaches Ziel: ein Ohr wecken für das Wort natürlich, bevor es als Argument durchgeht. Erklärend, ohne Angriff — denn anders als im Schlagabtausch steht keine einzelne Aussage zur Prüfung, sondern eine Denkgewohnheit. Zwei Fragen reichen als Ausstattung. Erste Frage: Ist das wirklich Natur — oder nur Gewohnheit? Vieles, was als ewige Ordnung auftritt, hat ein Geburtsdatum. Wer das Datum nennt, macht aus der Natur eine Entscheidung. Und über Entscheidungen kann man neu entscheiden. Wenn das Regierungsprogramm einer Schulsport-Reform vorhält, durch sie »werden die Kinder dem Leistungsgedanken entfremdet«, hilft die ruhige Frage: Seit wann besteht diese Nähe? Wer hat sie gestiftet? Die Frage erledigt das Pathos, ohne zu streiten. Zweite Frage: Selbst wenn etwas natürlich wäre — wäre es deshalb gut? Krankheit ist natürlich. Impfung nicht. Niemand folgert daraus, das Natürliche sei vorzuziehen. Wer beide Fragen im Kopf hat, durchschaut auch den doppelten Gebrauch des Musters: Mal gebietet die Natur den Eingriff, mal verbietet sie ihn — je nach Bedarf. Wichtig bleibt der Ton. Viele, die von natürlicher Ordnung sprechen, verteidigen ehrlich Vertrautes gegen zu schnellen Wandel. Sie sind nicht der Trick, den sie wiederholen. Vorbeugen heißt: die Beweislast zurückgeben. Die Natur hat nichts gefordert. Gefordert hat ein Mensch — und der schuldet Gründe. · Im direkten Schlagabtausch geht es schneller zu. Eine konkrete Natur-Behauptung steht im Raum und soll vor Publikum geöffnet werden — an der Aussage, ohne Vortrag. Die verlockendste Antwort ist die schwächste: der lange Gegenbeweis aus der Geschichte. Wer ausführlich erklärt, wie unterschiedlich Familien oder Erziehung früher waren, mag recht haben. Aber er streitet auf dem Feld des anderen — und akzeptiert dessen stille Annahme, die Naturfrage entscheide die Sache. Stärker ist, den Kurzschluss selbst zu treffen: »Selbst wenn das so natürlich wäre, wie Sie sagen — warum wäre es deshalb richtig? Krankheiten sind auch natürlich.« Dieser eine Satz passt in jede Redezeit. Dazu die Frage, die das Etikett öffnet: Woher wissen Sie, dass das Natur ist — und nicht bloß Gewohnheit? Wenn eine Programmforderung beklagt, Kinder würden »dem Leistungsgedanken entfremdet«, reicht die Rückfrage: Gibt es eine angeborene Bindung an Schulnoten? Wechselt das Muster die Richtung — man könne ja ohnehin nichts ändern —, hilft das Spiegeln der Doppelrolle: Eben noch gebot die Natur zu handeln. Jetzt verbietet sie es. Beides zusammen geht nicht. Eine Falle noch: der Streit ums große Weltbild. Wer aus einer einzelnen Behauptung eine Grundsatzdebatte über Biologie macht, verliert das Publikum. Am Ende soll ein Satz hängen bleiben: Aus dem, was ist, folgt noch nicht, was sein soll.

Gegenstrategie gegen Leistung / Meritokratie (Argumentationsmuster): Dieser Text wappnet vorbeugend, bevor die Rechnung im Gespräch überhaupt aufgemacht wird – deshalb erklärt er den Mechanismus, statt ihn im Moment zu widerlegen, und verzichtet bewusst darauf, die Person mit der Parole gleichzusetzen: Wer das Bild vom mühsam verdienten Brötchen einleuchtend findet, denkt nicht automatisch in Kategorien der AfD, sondern reagiert auf ein Rechenbild, das absichtlich einfach gehalten ist. Genau hier setzt die Erklärung an: Wenn es heißt, »die andere Hälfte des Brötchens geht« »an den Staat«, suggeriert das einen Verlust an einen fremden Dritten – nicht eine gemeinsame Finanzierung von Schulen, Straßen, Polizei, Krankenhäusern, also genau der Infrastruktur, die Menschen, die »morgens um 5 Uhr aufstehen«, überhaupt zur Arbeit kommen lässt. Das ist entlarven in seiner ruhigsten Form: nicht die Person widerlegen, sondern die Technik benennen, mit der ein Bild seine eigene Lücke verschweigt. Wer nachfragt – wie meinen Sie das genau, welche staatlichen Leistungen nutzen Sie selbst? – öffnet die Rechnung, die das Bild künstlich geschlossen hält, und wirkt vorbeugend gerade deshalb gut, weil sie niemanden bloßstellt. Dieselbe Verengung steckt in der »Bringepflicht«: Spracherwerb wird als reine Bringschuld gerahmt, als ob es keine Gegenleistung des Staates gäbe – Kurse, Lehrer, Zugang, ohne die aus einer Pflicht eine Überforderung wird. Wer stattdessen von wechselseitiger Verpflichtung spricht, nimmt der Formel nicht ihre Berechtigung, sondern ihre Einseitigkeit. Das Ziel ist nicht, Leistung kleinzureden, sondern zu zeigen, dass Leistung auf etwas aufbaut, das vorher gemeinsam geschaffen wurde – wer das ausblendet, redet nicht mehr über Fairness, sondern über eine Fiktion von Unabhängigkeit, die niemand tatsächlich lebt. · Dieser Text wirkt im Moment der Konfrontation – deshalb entlarvt er die Rechentechnik direkt, benennt die Lücke vor Publikum und bleibt bei der Aussage, nicht bei der Person, weil Empörung ohne Benennung hier nur die Opferpose füttern würde. Roi rechnet vor: Der Bürger stehe »morgens um 5 Uhr« auf und verdiene sich »ihr halbes Brötchen mühsam«, während »die andere Hälfte des Brötchens geht« »an den Staat« – ein Bild, das so tut, als würde diese Hälfte einfach verschwinden. Genau das ist der Trick: Es wird nicht gesagt, wohin sie geht. Die Gegenfrage liegt offen: Wer bezahlt die Straße, die Schule, die Polizei, die diesen Bürger schützt? Das lässt sich knapp zuspitzen: »Die zweite Brötchenhälfte ist nicht weg – sie kommt als Straße, Schule und Polizei zurück. Nur das wird hier nicht erzählt.« Das Bild lebt davon, dass diese Rückflüsse unsichtbar bleiben; sobald man sie benennt, kippt die Rechnung, und aus der vermeintlichen Enteignung wird wieder eine Umlage, die dem Rechner selbst zugutekommt. Bei der »Bringepflicht« liegt der Trick woanders: Ein Lernprozess, der Zeit, Zugang und gute Angebote braucht, wird zur einseitigen Bringschuld erklärt – als hinge das Gelingen allein am Willen der Lernenden, nie an der Qualität der Kurse. Wer das offenlegt – eine Pflicht ohne Angebot ist keine Pflicht, sondern eine Verweigerung der Gegenleistung – zeigt, dass der Leistungsbegriff hier nicht Fairness meint, sondern eine Einbahnstraße. Wichtig ist die Grenzziehung: Nicht der Fleiß der Bürger steht infrage, sondern die Behauptung, Gemeinwesen ließen sich auf individuelle Kontoauszüge herunterrechnen – wer das klarstellt, entzieht der Rechnung ihre Kraft, ohne das Publikum gegen sich aufzubringen. · Dieser Text wappnet vorbeugend — bevor die Rechnung im Gespräch überhaupt aufgemacht wird. Deshalb erklärt er den Trick, statt ihn im Moment zu widerlegen. Und er setzt die Person bewusst nicht mit der AfD-Parole gleich: Wer das Bild vom mühsam verdienten Brötchen einleuchtend findet, denkt nicht automatisch in Kategorien der AfD. Er reagiert nur auf ein Rechenbild, das absichtlich einfach gehalten ist. Genau hier setzt die Erklärung an. Wenn es heißt, »die andere Hälfte des Brötchens geht« »an den Staat«, klingt das nach einem Verlust an einen fremden Dritten. Nicht nach einer gemeinsamen Finanzierung von Schulen, Straßen, Polizei, Krankenhäusern — also genau der Infrastruktur, die Menschen, die »morgens um 5 Uhr aufstehen«, überhaupt zur Arbeit kommen lässt. Das ist Entlarven in seiner ruhigsten Form: nicht die Person widerlegen, sondern die Technik benennen, mit der ein Bild seine eigene Lücke verschweigt. Wer nachfragt — Wie meinen Sie das genau? Welche staatlichen Leistungen nutzen Sie selbst? — öffnet die Rechnung, die das Bild künstlich geschlossen hält. Und wirkt gerade deshalb vorbeugend gut, weil niemand bloßgestellt wird. Derselbe Trick steckt in der »Bringepflicht«: Spracherwerb wird als reine Bringschuld dargestellt, so als gäbe es keine Gegenleistung des Staates — Kurse, Lehrer, Zugang. Ohne die wird aus einer Pflicht eine Überforderung. Wer stattdessen von einer gegenseitigen Pflicht spricht, nimmt der Formel nicht ihre Berechtigung, sondern nur ihre Einseitigkeit. Es geht nicht darum, Leistung kleinzureden. Es geht darum zu zeigen: Leistung baut auf etwas auf, das vorher gemeinsam geschaffen wurde. Wer das ausblendet, redet nicht mehr über Fairness — sondern über eine Fiktion von Unabhängigkeit, die niemand wirklich lebt. · Dieser Text wirkt im Moment der Konfrontation — deshalb entlarvt er die Rechentechnik direkt, benennt die Lücke vor Publikum und bleibt bei der Aussage, nicht bei der Person. Empörung ohne Benennung würde hier nur die Opferpose füttern. Roi rechnet vor: Der Bürger stehe »morgens um 5 Uhr« auf und verdiene sich »ihr halbes Brötchen mühsam«, während »die andere Hälfte des Brötchens geht« »an den Staat« — ein Bild, das so tut, als würde diese Hälfte einfach verschwinden. Genau das ist der Trick: Es wird nicht gesagt, wohin sie geht. Die Gegenfrage liegt offen: Wer bezahlt die Straße, die Schule, die Polizei, die diesen Bürger schützt? Kurz gesagt: »Die zweite Brötchenhälfte ist nicht weg – sie kommt als Straße, Schule und Polizei zurück. Nur das wird hier nicht erzählt.« Das Bild lebt davon, dass diese Rückflüsse unsichtbar bleiben. Sobald man sie benennt, kippt die Rechnung — und aus der angeblichen Enteignung wird wieder eine Umlage, die dem Rechner selbst zugutekommt. Bei der »Bringepflicht« liegt der Trick woanders: Ein Lernprozess, der Zeit, Zugang und gute Angebote braucht, wird zur einseitigen Bringschuld erklärt — als hinge das Gelingen allein am Willen der Lernenden, nie an der Qualität der Kurse. Wer das offenlegt — eine Pflicht ohne Angebot ist keine Pflicht, sondern eine Verweigerung der Gegenleistung — zeigt: Der Leistungsbegriff meint hier keine Fairness, sondern eine Einbahnstraße. Wichtig ist die Grenze: Nicht der Fleiß der Bürger steht infrage. Sondern die Behauptung, ein Gemeinwesen ließe sich auf individuelle Kontoauszüge herunterrechnen. Wer das klarstellt, entzieht der Rechnung ihre Kraft — ohne das Publikum gegen sich aufzubringen.

Gegenstrategie gegen Realität (Argumentationsmuster): Vorbeugend gegen dieses Muster zu wappnen heißt nicht, einem Redner zu widersprechen, sondern ein Publikum mit einem Prüfwerkzeug auszustatten, bevor die nächste Realitäts-Beschwörung fällt — erklärend, ohne jemanden bloßzustellen, und vor allem: ohne die Alltagswahrnehmung der Zuhörer anzugreifen. Das ist die entscheidende Falle. Wer erklärt, die Sorgen seien bloß eingebildet, bestätigt das Muster — er liefert live den Beweis, dass die da oben die Erfahrung der Leute abtun. Ernst nehmen und prüfen sind aber zweierlei: Eine Wahrnehmung kann echt sein und trotzdem kein Maßstab für ein Landesgesetz. Die Immunisierung setzt beim Auswahlprinzip an. Auffällig ist nicht, dass sich jemand auf die Wirklichkeit beruft, sondern wann: Gilt die Statistik, wenn sie passt, und ist sie geschönt, wenn sie stört? Wo aus amtlichen Zahlen der Vorwurf wird, die Bürger hätten sich »gefälligst sicher zu fühlen«, ist die Statistik nicht widerlegt, sondern zum Feind erklärt. Die Nachfrage dazu lässt sich freundlich stellen: Woran erkennen wir gemeinsam, welche Wirklichkeit stimmt — was müsste passieren, damit die Behauptung als widerlegt gilt? Wer darauf keine Antwort hat, beruft sich nicht auf die Realität, sondern auf sein Recht, sie zu bestimmen. Hilfreich ist schließlich der Hinweis auf die Immunisierungs-Geste: Wenn jeder Widerspruch schon als Realitätsverweigerung gilt, kann das Argument gar nicht mehr verlieren — und ein Argument, das nicht verlieren kann, hat aufgehört, eines zu sein. Immunisieren heißt, dem Publikum den Unterschied einzuprägen zwischen einer Wirklichkeit, die man prüfen kann, und einer, die man nur noch glauben soll. · Der Konter im Moment der Konfrontation hat ein anderes Ziel als das vorbeugende Erklären: Eine konkrete Realitäts-Behauptung steht im Raum und muss vor Publikum geprüft werden, ehe sie sich als das Selbstverständliche festsetzt — direkter, an der Aussage, nicht am Muster. Die erste Regel: den Boden nicht betreten, auf dem nur noch Gefühl gegen Gefühl steht. Wer der beschworenen Wirklichkeit bloß die eigene entgegenhält, hat die Prämisse übernommen, dass Beschwören genügt. Stärker ist, die Geste zu benennen: »Sie sagen offenkundig und wie allen bekannt — das sind Formeln, die einen Beleg ersetzen sollen. Welche Zahl, welche Quelle, welcher Fall?« Wo die Statistik pauschal als geschönt abgetan wird, lohnt der Blick auf die Rosinen-Auswahl: Dieselbe Rede, die amtliche Zahlen verwirft, zitiert sie im nächsten Satz, wenn sie passen — diese Unstimmigkeit vor Publikum sichtbar zu machen wirkt stärker als jede Gegenstatistik. Behauptet jemand schlicht Falsches — wie einen Krieg, der »seit Anfang Januar beendet« sei —, genügt die knappe Richtigstellung mit Quelle, ohne Triumph: Empörung würde nur die Erzählung nähren, das Establishment wolle die Wahrheit unterdrücken. Und gegen die Dauer-Immunisierung hilft ein Satz, der die Falle selbst ausspricht: »Wenn jeder Widerspruch Realitätsverweigerung ist, kann Ihre These nie falsch sein — nach welchem Kriterium prüfen wir sie dann?« Der Konter sitzt, wenn das Publikum gesehen hat: Hier wurde Wirklichkeit nicht gezeigt, sondern besetzt. · Wer vorbeugen will, will nicht einem Redner widersprechen. Er will Zuhörern ein Prüfwerkzeug geben, bevor die nächste Realitäts-Beschwörung fällt. Deshalb: erklären, niemanden vorführen — und vor allem die Alltagserfahrung der Menschen nicht angreifen. Das ist die größte Falle. Wer sagt, die Sorgen seien nur eingebildet, beweist live den Vorwurf: Die da oben tun die Erfahrung der Leute ab. Ernst nehmen und prüfen sind aber zwei verschiedene Dinge. Eine Wahrnehmung kann echt sein — und trotzdem kein Maßstab für ein Gesetz. Der Kern der Vorbeugung ist eine einfache Frage. Nicht: Beruft sich da jemand auf die Wirklichkeit? Sondern: Wann tut er es? Gilt die Statistik, wenn sie passt? Und ist sie geschönt, wenn sie stört? Wo aus amtlichen Zahlen der Vorwurf wird, die Bürger hätten sich »gefälligst sicher zu fühlen«, da wird die Statistik nicht widerlegt. Sie wird zum Feind erklärt. Dazu passt eine freundliche Nachfrage: Woran erkennen wir gemeinsam, welche Wirklichkeit stimmt? Was müsste passieren, damit die Behauptung als widerlegt gilt? Wer darauf keine Antwort hat, beruft sich nicht auf die Realität. Er beansprucht das Recht, sie festzulegen. Ein letzter Hinweis hilft: Wenn jeder Widerspruch als Realitätsverweigerung gilt, kann das Argument nie verlieren. Und ein Argument, das nie verlieren kann, ist keines mehr. Vorbeugen heißt: den Unterschied einprägen zwischen einer Wirklichkeit, die man prüfen kann, und einer, die man nur glauben soll. · Im direkten Streit ist das Ziel ein anderes. Eine konkrete Behauptung steht im Raum. Sie muss vor Publikum geprüft werden, bevor sie als selbstverständlich durchgeht — direkt und an der Aussage. Die erste Regel: nicht Gefühl gegen Gefühl setzen. Wer der beschworenen Wirklichkeit nur die eigene entgegenhält, hat schon verloren. Er akzeptiert die stille Annahme, dass Beschwören genügt. Stärker ist, die Geste zu benennen: »Sie sagen offenkundig und wie allen bekannt — das sind Formeln, die einen Beleg ersetzen sollen. Welche Zahl, welche Quelle, welcher Fall?« Werden amtliche Zahlen pauschal als geschönt abgetan, hilft der Blick auf die Rosinen-Auswahl. Dieselbe Rede verwirft die Statistik — und zitiert sie im nächsten Satz, wenn sie passt. Diesen Widerspruch sichtbar zu machen wirkt stärker als jede Gegenstatistik. Ist eine Behauptung schlicht falsch — etwa ein Krieg, der »seit Anfang Januar beendet« sei —, reicht die knappe Richtigstellung mit Quelle. Ohne Triumph. Empörung nährt nur die Erzählung, das Establishment wolle die Wahrheit unterdrücken. Und gegen die Dauer-Abwehr hilft ein Satz, der die Falle selbst ausspricht: »Wenn jeder Widerspruch Realitätsverweigerung ist, kann Ihre These nie falsch sein — nach welchem Kriterium prüfen wir sie dann?« Der Konter sitzt, wenn das Publikum gesehen hat: Hier wurde Wirklichkeit nicht gezeigt. Hier wurde sie besetzt.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

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