Belegte Aussage — Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
„Die Gabe von Pubertätsblockern kann bei Vorliegen ausgewählter Umstände vonnöten sein, wenn bei den Patienten eine erhebliche Verbesserung des seelischen Zustands zu erwarten ist und die vorübergehende Aussetzung der Pubertät hilfreich ist, um weitere Schritte zu planen. Hier ist im Vorfeld eine umfassende Aufklärung von minderjährigen Patienten sowie deren Eltern unabdingbar. Sämtliche Vor- und Nachteile einer Behandlung und medizinischen Indikation sind vollumfänglich zu erläutern, damit eine gewissenhafte Entscheidung zugunsten der Menschen getroffen werden kann. Während einer Behandlung sollte zwingend eine medizinische und psychologische Begleitung erfolgen.“
Quelle
- Sprecher
- Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
- Datum
- 2024-12-04
- Quelle
- Drucksache 8/4876 — Antrag Fraktion AfD - Drs. 8/2794 Berichterstattung: Mitglied des Landtages Katrin Gensecke Der Ausschuss für Arbeit, So
- Fundort
- Drucksache 8/4876
- Original
- https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp8/drs/d4876vbe.pdf
- Beleg-ID
- fs-bild-abs-0589
Kodierte sprachliche Mittel
EuphemismusVerschweigen / HalbwahrheitHumanität (Argumentationsmuster)Gegenstrategie gegen Euphemismus: Das beschönigende Wort in Klartext übersetzen und die verdeckte Härte benennen — das Wort selbst nicht weiterverwenden, sondern die wörtliche Bezeichnung einfordern. · Was passiert da konkret — kannst du es einmal ohne das schonende Fachwort sagen? · forschungsgestuetzt
Gegenstrategie gegen Verschweigen / Halbwahrheit: Den fehlenden Kontext liefern: Bezugsgröße, Basisrate, Vergleichswert, Zeitreihe. Die wahre Zahl bleibt wahr — erst ihr Rahmen macht aus ihr eine Irreführung oder eine Information. · Die Zahl stimmt — aber verglichen womit? Welcher Kontext fehlt, damit sie etwas bedeutet? · forschungsgestuetzt
Gegenstrategie gegen Humanität (Argumentationsmuster): Wer ein Publikum gegen dieses Muster wappnen will, verfolgt ein anderes Ziel als der Konter im Schlagabtausch: Es geht nicht darum, einem Redner die Maske abzunehmen, sondern darum, dass Zuhörer die Doppelbewegung erkennen, bevor sie verfängt — deshalb erklärend, an der Sache, und ohne der Person die Menschlichkeit abzusprechen, womit man das Muster nur selbst wiederholen würde. Der Kern der Aufklärung ist unscheinbar: auf das kleine Wort vor der Humanität achten. Wo eine »wirklich humane Flüchtlingspolitik« versprochen wird, lohnt der Hinweis, dass hier nicht mehr Menschlichkeit angeboten wird, sondern eine andere Definition — und dass diese Definition zufällig genau das gebietet, was ohnehin gefordert war. Die sokratische Nachfrage macht das sichtbar, ohne anzuklagen: Woran würde man erkennen, dass die Hilfe vor Ort ankommt? Wer bestimmt, wer wirklich Schutz braucht — und nach welchem Verfahren? Solche Fragen verlangen keinen Streit über Gesinnung, nur über Nachprüfbarkeit. Genau hier liegt auch der gemeinsame Wert, an den sich anknüpfen lässt: Dass Menschen nicht im Mittelmeer ertrinken sollen, ist kein Streitpunkt — strittig ist allein, ob die vorgeschlagene Politik das erreicht oder nur behauptet. Wichtig bleibt, die Person, die die Formel wiederholt, nicht mit dem Manöver gleichzusetzen: Viele übernehmen sie im guten Glauben, Hilfe vor Ort sei schlicht effizienter. Immunisieren heißt, den Unterschied zwischen einem geprüften Vergleich und einem bloßen Etikett hörbar zu machen — bevor das Etikett die Debatte entschieden hat. · Im Moment der Konfrontation verschiebt sich das Ziel: Eine konkrete Aussage steht im Raum und muss vor Publikum gestellt werden — schneller, direkter, an der vorliegenden Formulierung statt am allgemeinen Muster. Die wichtigste Regel: sich nicht auf den Wettstreit einlassen, wer der Humanere ist — wer das tut, übernimmt die Prämisse, Menschlichkeit sei eine Frage der Selbstzuschreibung, und verliert auf fremdem Boden. Stärker ist, das Manöver selbst zu benennen: »Sie definieren Menschlichkeit gerade so um, dass sie exakt Ihre Forderung ergibt — das ist keine humanitäre Abwägung, das ist ein Etikett.« Wo die Gegenseite pauschal zum Heuchler erklärt wird — etwa »Aus vorgeblich humanitären Gründen« —, lässt sich der Spieß sachlich umdrehen: Ein unterstelltes Motiv ist kein Argument; welche Tatsache genau spricht gegen den Vorschlag? Und wo Hilfe vor Ort als die eigentliche Menschlichkeit auftritt, hilft die Nachfrage nach dem Konkreten: welches Programm, welches Budget, welche Schutzzone — oder bleibt es beim Adverb? Spätestens wenn Remigrationskonzepte als »fast humanitär« firmieren, ist der Punkt erreicht, an dem eine Grenze zu ziehen ist. Ein Satz wie »Über Effizienz von Hilfe kann man streiten — über die Umdeutung von Ausweisungsfantasien in Menschenfreundlichkeit nicht« markiert sie, ohne zu schreien. Entscheidend ist der Ton: keine Empörung, die nur die Erzählung vom moralisierenden Establishment nährt, sondern der ruhige Nachweis, dass hier ein Wort die Arbeit verrichtet, die eigentlich Belege leisten müssten. Der Konter steht, wenn das Publikum das Etikett als Etikett gesehen hat. · Wer ein Publikum vorbeugend schützen will, hat ein anderes Ziel als im Schlagabtausch. Es geht nicht darum, jemanden zu entlarven. Es geht darum, dass Zuhörer den doppelten Trick erkennen, bevor er wirkt. Deshalb: erklären statt angreifen. Und niemandem die Menschlichkeit absprechen — sonst wiederholt man den Trick nur selbst. Der wichtigste Tipp ist unscheinbar: auf das kleine Wort vor der Menschlichkeit achten. Wer eine »wirklich humane Flüchtlingspolitik« verspricht, bietet nicht mehr Menschlichkeit an. Er bietet eine andere Definition an. Und die passt zufällig genau zur eigenen Forderung. Gute Nachfragen machen das sichtbar, ohne Streit: Woran erkennt man, dass die Hilfe vor Ort ankommt? Wer entscheidet, wer wirklich Schutz braucht? Nach welchem Verfahren? Das sind keine Fragen nach der Gesinnung. Das sind Fragen nach der Nachprüfbarkeit. Dabei hilft ein gemeinsamer Wert: Niemand will, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken. Darüber streitet keiner. Strittig ist nur, ob die vorgeschlagene Politik das erreicht — oder es bloß behauptet. Wichtig ist noch eins: Menschen, die diese Formeln wiederholen, nicht mit dem Trick gleichsetzen. Viele glauben ehrlich, Hilfe vor Ort sei einfach besser. Vorbeugen heißt: den Unterschied hörbar machen zwischen einem geprüften Vergleich und einem bloßen Etikett — bevor das Etikett die Debatte entschieden hat. · Im direkten Streit ist das Ziel ein anderes. Eine konkrete Aussage steht im Raum. Sie muss vor Publikum geprüft werden — schnell und deutlich, an der Aussage statt am allgemeinen Muster. Die wichtigste Regel: nicht mitspielen bei der Frage, wer der bessere Mensch ist. Wer das tut, akzeptiert die stille Annahme, Menschlichkeit sei Selbstauskunft — und verliert auf fremdem Boden. Stärker ist, den Trick zu benennen: »Sie definieren Menschlichkeit gerade so um, dass sie exakt Ihre Forderung ergibt — das ist keine humanitäre Abwägung, das ist ein Etikett.« Wird die Gegenseite pauschal zum Heuchler erklärt — etwa »Aus vorgeblich humanitären Gründen« —, hilft ein ruhiger Hinweis: Ein unterstelltes Motiv ist kein Argument. Welche Tatsache spricht gegen den Vorschlag? Und wenn Hilfe vor Ort als die wahre Menschlichkeit auftritt: nach dem Konkreten fragen. Welches Programm? Welches Geld? Welche Schutzzone? Oder bleibt es beim kleinen Wort davor? Spätestens wenn ein Remigrations-Konzept als »fast humanitär« gelobt wird, braucht es eine klare Grenze. Zum Beispiel mit dem Satz: »Über Effizienz von Hilfe kann man streiten — über die Umdeutung von Ausweisungsfantasien in Menschenfreundlichkeit nicht«. Dabei ruhig bleiben. Keine Empörung — die nährt nur die Erzählung vom moralisierenden Establishment. Der Konter sitzt, wenn das Publikum das Etikett als Etikett erkannt hat.
Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.