Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Wir leben schon lange in dem wunderbaren Zustand, dass die Kunst- und Kulturschaffenden, wie gelenkt durch Geisterhand, scheinbar aus freien Stücken den Wünschen des Merkel-Regimes besser willfahren als die regimetreuen Künstler einer beliebigen Dritte-Welt-Militärdiktatur ihrem Diktator.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2020-11-19
Quelle
Stenografischer Bericht 7/114 — Beratung Regierungserklärung des Staatsund Kulturministers Herrn Rainer Robra zum Thema: „SOS - Kultur, Kulturland Sachsen-Anhalt, nachhaltig und zukunftsfähig, trotz Corona“ Rainer Robra (Staatsminister und
Fundort
Plenarprotokoll 7/114, TOP 6
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/114stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-abs-0697

Kodierte sprachliche Mittel

DelegitimierenKampfbegriffVerschwörungserzählung

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Verschwörungserzählung: Beleg für Koordination statt bloßer Gleichzeitigkeit einfordern und eine einfachere Erklärung anbieten — die kausale Lücke füllen, die die Erzählung besetzt. Diffuse ›Drahtzieher‹ durch konkrete, prüfbare Verantwortliche ersetzen. · Gibt es Belege für einen koordinierten Plan — oder nur für Gleichzeitigkeit? Und welche einfachere Erklärung gäbe es? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung ›wie gelenkt durch Geisterhand‹ behauptet eine Steuerung, ohne sie zu benennen oder zu belegen — das Bild bleibt absichtlich vage und dadurch unwiderlegbar. Der Ausdruck ›Merkel-Regimes‹ setzt eine gewählte, demokratisch kontrollierte Regierung sprachlich mit einer Diktatur gleich, und der Vergleich mit den ›regimetreuen Künstler‹ einer Militärdiktatur überträgt das Bild erzwungener Gefolgschaft auf eine freiwillige kulturelle Öffentlichkeit. So entsteht der Eindruck verdeckter Kontrolle, wo tatsächlich nur die Existenz staatlicher Kulturförderung beschrieben wird.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich kann nicht beweisen, wer die Kulturschaffenden steuert — deshalb sage ich lieber ›wie gelenkt durch Geisterhand‹. Das klingt nach Verschwörung, ohne dass ich irgendeinen Mechanismus nennen muss, den man widerlegen könnte. Wenn ich die Regierung ›Merkel-Regime‹ nenne, mache ich aus einer Wahl im Kopf meiner Zuhörer eine Machtergreifung. Und wenn ich die Künstler dann noch neben die ›regimetreuen Künstler‹ einer Militärdiktatur stelle, muss ich gar nichts mehr belegen — der Vergleich erledigt die Arbeit für mich. So wird aus staatlicher Kulturförderung, die es überall gibt, im Kopf des Zuhörers ein Propaganda-Apparat.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Der Verdacht, dass geförderte Kultur nicht ganz unabhängig ist, bekommt ein greifbares Bild: eine ›Geisterhand‹, die lenkt — die vage Ahnung wird zur bildhaften Gewissheit, ohne dass ein Mechanismus benannt werden müsste.

Für den, der ihn sagt: Wer die Diktatur-Anspielung übernimmt, gewinnt eine Widerstands-Rolle ohne Beweislast: Die eigene Position erscheint automatisch als Aufbegehren gegen Gleichschaltung, ohne dass ein einziger Förderfall konkret geprüft werden müsste.

Die Bilanz: Verloren geht die Möglichkeit, einzelne Förderentscheidungen konkret zu prüfen — an ihre Stelle tritt ein Generalverdacht, der jede Übereinstimmung als Beweis liest. Ob eine Kulturförderung wirklich lenkt, bleibt nach dem Satz so unbeantwortet wie davor.

Ausgearbeitete Gegenrede

Der Satz behauptet eine Steuerung der Kulturschaffenden, ohne sie zu benennen — das Bild ›wie gelenkt durch Geisterhand‹ bleibt bewusst vage und dadurch nie prüfbar. Zugleich setzt er mit dem Wort ›Merkel-Regimes‹ eine gewählte, abwählbare Regierung mit der Führung einer Diktatur gleich, und stellt die Kulturschaffenden neben die ›regimetreuen Künstler‹ einer Militärdiktatur. Das verwischt genau den Unterschied, um den es geht: Dort drohen Zwang und Verfolgung, wer nicht mitmacht — hier nicht.

Ob Kulturförderung wirklich unabhängig macht, darf man fragen — die Sorge ist berechtigt. Aber schauen Sie genau hin: Die Kulturschaffenden handeln angeblich ›wie gelenkt durch Geisterhand‹ — wer lenkt sie dann? Der Satz sagt es nicht, und genau das macht die Behauptung so bequem: Eine ›Geisterhand‹ lässt sich nie zeigen und nie widerlegen. Dazu kommt das Wort ›Merkel-Regimes‹: Es setzt eine gewählte, abwählbare Regierung mit der Führung einer Diktatur gleich. Der Vergleich stellt sie neben die ›regimetreuen Künstler‹ einer Militärdiktatur — dort herrschen echte Angst und Zwang, hier nicht. Wer diesen Unterschied verwischt, hat am Ende kein Argument mehr — nur ein Wort.

Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

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