Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Auf dem Gebiet der Geldwirtschaft bietet sich das gleiche Bild. Der Euro konnte nur dank einer ökonomisch hoch riskanten Nullzinspolitik am Leben erhalten werden. Wir bezahlen diese Politik des billigen Geldes mit explodierenden Immobilienpreisen, Zinsverlusten, einer künstlichen, ungesunden Prosperität und infolge dessen anschwellenden Spekulationsblasen, in denen sich Wirtschaftskrisen ankündigen, von deren Ausmaß wir uns heute noch gar keinen Begriff machen können.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2019-04-02
Quelle
Stenografischer Bericht 7/68 — a) Regierungserklärung des Staatsund Kulturministers Herrn Robra zum Thema: „Für Sachsen-Anhalt: Europa wählen!“ Erste Beratung Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Kommunalverfassungsgesetzes Gesetzentwurf Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/4125 Entschließungsantrag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Drs. 7/4156
Fundort
Plenarprotokoll 7/68, TOP 1
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/068stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-abs-0822

Kodierte sprachliche Mittel

Dramatisieren / DammbruchGefahr & Bedrohung (Argumentationsmuster)Wohlstand / Standort (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Dramatisieren / Dammbruch: Die behauptete Kette Schritt für Schritt prüfen und die Gegenkräfte benennen, die sie stoppen — den Katastrophen-Rahmen dabei nicht nacherzählen, sondern nüchtern verkleinern. · Führt wirklich jeder Schritt zwingend zum nächsten — und welche Kräfte würden die Kette längst stoppen? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Gefahr & Bedrohung (Argumentationsmuster): Wer vorbeugend gegen dieses Muster wappnen will, muss zuerst den Unterschied zum Kontern klarmachen: Es geht nicht darum, eine Person bloßzustellen, sondern darum, dass ein Publikum die Konstruktion selbst erkennt, bevor sie greift — deshalb erklärend, an der Sache orientiert, nie an der Person, die die Parole gerade wiederholt. Der Argumentationsstrang Gefahr lebt davon, dass er einzelne Taten zu einem Kollektivmerkmal verdichtet; genau hier setzt die Übersetzung an, die dem Publikum die Mechanik zeigt, statt sie zu wiederholen. Eine Formulierung wie »Wie meinen Sie das genau — welche Taten, welche Täter, wie viele?« zwingt jede pauschale Bedrohungserzählung, sich an der Wirklichkeit zu messen; das Nachfragen wirkt stärker als jede Gegenstatistik, weil es die Leerstelle dem Sprecher selbst zur Füllung überlässt. Das Muster zeigt sich besonders klar dort, wo dieselbe Rede zwei gegenläufige Behauptungen — Gewalt gegen Migranten sei kein Problem, wohl aber die Gewalt, die von ihnen ausgehe — nebeneinanderstellt, ohne dass die Asymmetrie benannt wird; genau diese Lücke lässt sich ruhig aufzeigen, ohne dem Gegenüber eine Absicht zu unterstellen. Wichtig ist dabei, die unentschlossene Person nie mit der Parole gleichzusetzen — sonst verhärtet sie sich, statt zuzuhören; das Ziel ist ihr Zweifel, nicht ihre Beschämung. Stattdessen hilft der Verweis auf einen gemeinsamen Wert: Sicherheit ist ein legitimes Anliegen, das gerade durch pauschale Verdächtigung nicht gewonnen wird, sondern durch Differenzierung. Immunisieren heißt, Einzelfall und Kollektiv auseinanderzuhalten, bevor die nächste Dramatisierung — »bei denen sich Ihnen die Nackenhaare hochstellen« — überhaupt verfängt. Am Ende steht kein Widerlegen einer Behauptung, sondern ein geschärftes Ohr für die Verschiebung von der Tat zur Gruppe. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das Immunisieren: Eine konkrete Aussage steht im Raum, die live entlarvt werden muss, vor Publikum, mit der Uhr, die tickt — deshalb direkter, zugespitzter, auf die vorliegende Aussage bezogen statt auf das allgemeine Muster. Die stärkste Antwort besteht nicht darin, die Statistik der Gegenseite mit einer eigenen Statistik zu kontern — das hieße, deren Prämisse zu übernehmen, dass Sicherheit tatsächlich eine Frage der Herkunft sei —, sondern die Technik selbst zu benennen: »Sie machen aus einzelnen Straftaten ein Gruppenmerkmal, das ist keine Sicherheitsanalyse, das ist eine Erzählung.« Wenn eine Rede offen behauptet, sie habe kein Problem mit Gewalt gegen Migranten, wohl aber mit »der Gewalt, die von Migranten ausgeht«, liegt der Widerspruch auf der Hand — hier lohnt es, diese Asymmetrie öffentlich zu spiegeln, statt sich in eine Aufrechnung von Opferzahlen ziehen zu lassen. Die Forderung, »die Festung Deutschland zu bauen«, verdient eine ebenso direkte Reaktion: Sie beschreibt keine Sicherheitspolitik, sondern eine Kapitulation vor der eigenen Dramatisierung — »Eine Festung schützt niemanden vor einer Straftat, die in der Festung selbst passiert«. Auch wo eine Behauptung nur zu befürchten steht, ohne einen Fall zu nennen, lohnt die knappe Nachfrage nach dem Beleg. Entscheidend ist, nicht in Empörung zu kippen, sondern die Engführung sachlich offenzulegen: Wer aus »ihr Unwesen treiben« eine politische Forderung ableitet, hat die Beweislast nie erbracht, nur die Sprache vorweggenommen. Kontern heißt, dem Publikum in Echtzeit zu zeigen, dass die Bedrohungserzählung selbst das Argument ist — ein Satz, der stehen bleibt, wenn das Gespräch längst weitergezogen ist. · Vorbeugen hat ein anderes Ziel als Kontern: Es geht nicht darum, eine Person bloßzustellen. Es geht darum, dass ein Publikum die Konstruktion selbst erkennt, bevor sie wirkt. Deshalb bleibt der Ton erklärend, sachbezogen. Er richtet sich nie gegen die Person, die die Parole gerade wiederholt. Der Argumentationsstrang Gefahr lebt davon, dass er einzelne Taten zu einem Merkmal der ganzen Gruppe verdichtet. Genau hier setzt die Übersetzung an: Sie zeigt dem Publikum die Mechanik, statt sie zu wiederholen. Eine Frage wie »Wie meinen Sie das genau — welche Taten, welche Täter, wie viele?« zwingt jede pauschale Bedrohungs-Erzählung, sich an der Wirklichkeit zu messen. Das Nachfragen wirkt stärker als jede Gegenstatistik. Denn es überlässt die Leerstelle dem Sprecher selbst zur Füllung. Besonders deutlich wird das Muster, wo dieselbe Rede zwei Behauptungen nebeneinanderstellt, die sich widersprechen: Gewalt gegen Migranten sei kein Problem — wohl aber die Gewalt, die von ihnen ausgehe. Die Asymmetrie wird dabei nicht benannt. Genau diese Lücke lässt sich ruhig zeigen, ohne dem Gegenüber eine Absicht zu unterstellen. Wichtig dabei: die unentschlossene Person nie mit der Parole gleichsetzen. Sonst verhärtet sie sich, statt zuzuhören. Das Ziel ist ihr Zweifel, nicht ihre Beschämung. Stattdessen hilft der Verweis auf einen gemeinsamen Wert: Sicherheit ist ein berechtigtes Anliegen. Gewonnen wird sie aber nicht durch pauschale Verdächtigung, sondern durch Differenzierung. Vorbeugen heißt: Einzelfall und Gruppe auseinanderhalten — bevor die nächste Dramatisierung greift, etwa Formulierungen wie »bei denen sich Ihnen die Nackenhaare hochstellen«. Am Ende steht kein Widerlegen einer Behauptung. Am Ende steht ein geschärftes Ohr für die Verschiebung von der Tat zur Gruppe. · Kontern hat ein anderes Ziel als Vorbeugen: Eine konkrete Aussage steht im Raum. Sie muss live entlarvt werden, vor Publikum, mit der Uhr, die tickt. Deshalb ist die Antwort direkter, zugespitzter — bezogen auf die vorliegende Aussage, nicht auf das allgemeine Muster. Die stärkste Antwort ist nicht die eigene Statistik gegen die fremde Statistik. Das würde bedeuten, die Annahme der Gegenseite zu übernehmen: dass Sicherheit tatsächlich eine Frage der Herkunft sei. Stärker ist es, die Technik selbst zu benennen: »Sie machen aus einzelnen Straftaten ein Gruppenmerkmal, das ist keine Sicherheitsanalyse, das ist eine Erzählung.« Wenn eine Rede offen behauptet, sie habe kein Problem mit Gewalt gegen Migranten, wohl aber mit »der Gewalt, die von Migranten ausgeht«, liegt der Widerspruch offen zutage. Hier lohnt es, diese Asymmetrie öffentlich zu spiegeln — statt sich in eine Aufrechnung von Opferzahlen ziehen zu lassen. Auch die Forderung, »die Festung Deutschland zu bauen«, verdient eine ebenso direkte Antwort: Sie beschreibt keine Sicherheitspolitik, sondern ein Aufgeben vor der eigenen Dramatisierung — »Eine Festung schützt niemanden vor einer Straftat, die in der Festung selbst passiert«. Auch wo eine Behauptung nur als Befürchtung geäußert wird, ohne einen Fall zu nennen, lohnt die knappe Nachfrage nach dem Beleg. Entscheidend ist: nicht in Empörung kippen, sondern die Engführung sachlich offenlegen. Wer aus »ihr Unwesen treiben« eine politische Forderung ableitet, hat den Beweis nie erbracht — nur die Sprache vorweggenommen. Kontern heißt: dem Publikum in Echtzeit zeigen, dass die Bedrohungs-Erzählung selbst schon das ganze Argument ist. Ein Satz, der stehen bleibt, wenn das Gespräch längst weitergezogen ist.

Gegenstrategie gegen Wohlstand / Standort (Argumentationsmuster): Vorbeugend zu wappnen heißt hier: einem Publikum den Blick für die fehlende Rechnung schärfen, bevor die nächste Standort-Warnung fällt — erklärend, ohne die Sorge der Zuhörer um Arbeit und Auskommen kleinzureden, denn diese Sorge ist echt und verdient es, ernst genommen zu werden; geprüft gehört nur ihr politischer Gebrauch. Der Schlüssel ist die Unterscheidung zwischen Rechnung und Drohung. Eine Rechnung nennt Zahlen, Annahmen, Gegenposten und lässt sich nachprüfen; eine Drohung nennt nur das Ergebnis. Wo aus einer Detailfrage der Justiz ein »handfester Standortnachteil« wird, lohnt die ruhige Nachfrage: Welches Unternehmen hat wegen der Vollstreckungsquote einen Standort verworfen — gibt es dafür einen einzigen Fall? Ebenso wichtig ist die zweite Spalte der Abwägung: Was kostet das Unterlassen, was der Schaden am Ruf, was die Unsicherheit, die man sich mit vermeintlicher Sparsamkeit einkauft? Ein gemeinsamer Wert lässt sich dabei ausdrücklich anerkennen: Niemand will Wohlstand verspielen — strittig ist nur, ob er wirklich auf dem Spiel steht und ob es sonst nichts gibt, das zählt. Hilfreich ist schließlich der Generalschlüssel-Test: Wenn dasselbe Argument gegen jede beliebige Maßnahme funktioniert — gegen eine Justizreform wie gegen Außenpolitik —, dann prüft es nicht mehr, sondern blockiert nur. Immunisieren heißt, dem Publikum diese einfache Probe mitzugeben: Wer vom Standort redet, soll die Rechnung zeigen. Wo keine ist, war es keine Warnung, sondern ein Schlagwort. · Der Konter verfolgt ein anderes Ziel als das vorbeugende Erklären: Im Moment der Konfrontation steht eine konkrete Wohlstands-Drohung im Raum, und das Publikum soll in Echtzeit sehen, dass sie ohne Substanz auftritt — direkter, zugespitzter, an der Aussage statt am Muster. Erste Wahl ist die Nachfrage nach der Rechnung: »Sie sagen, das gefährdet den Standort — um wie viel? Welche Studie, welcher Fall, welche Zahl?« Bleibt die Antwort aus, ist der Konter schon gelungen — das Publikum hat gesehen, dass hinter der Warnung keine Kalkulation steht. Die zweite Bewegung öffnet die Einbahn-Abwägung: Wer nur aufzählt, was eine Maßnahme kostet, dem lässt sich die Gegenspalte hinstellen — was kostet das Unterlassen? Werden Waffenlieferungen allein »angesichts des drohenden Wohlstandsverlustes« verworfen, liegt die Rückfrage nahe, was in dieser Rechnung aus Sicherheit und Verlässlichkeit geworden ist. Entscheidend bleibt, sich nicht in Detailrechnungen ziehen zu lassen, die der andere selbst nie aufgemacht hat — wer Standortfaktoren aufzurechnen beginnt, hat die Prämisse übernommen, alles andere zähle nicht. Stärker ist, die Prämisse zu benennen: »Sie behandeln Wohlstand als das einzige Argument. Es gibt Dinge, die sich eine Demokratie etwas kosten lässt — welche wären das bei Ihnen?« Und eine Falle gilt es zu meiden: die Sorge ums Auskommen zu belächeln — wer die Angst um den Arbeitsplatz verspottet, verliert genau die Zuhörer, um die es geht. Der Konter steht, wenn sichtbar wurde: Hier wurde nicht gerechnet, hier wurde gedroht. · Vorbeugen heißt hier: den Blick für die fehlende Rechnung schärfen, bevor die nächste Standort-Warnung fällt. Erklärend — und ohne die Sorgen der Zuhörer kleinzureden. Die Sorge um Arbeit und Auskommen ist echt und verdient Ernst. Geprüft werden muss nur ihr politischer Gebrauch. Der Schlüssel ist ein einfacher Unterschied: Rechnung oder Drohung? Eine Rechnung nennt Zahlen, Annahmen, Gegenposten. Man kann sie nachprüfen. Eine Drohung nennt nur das Ergebnis. Wo aus einer Detailfrage der Justiz ein »handfester Standortnachteil« wird, hilft die ruhige Nachfrage: Welche Firma hat deshalb einen Standort abgelehnt? Gibt es einen einzigen Fall? Genauso wichtig ist die zweite Spalte der Rechnung: Was kostet das Nichtstun? Was kostet der Schaden am Ruf? Was die Unsicherheit, die man sich mit vermeintlicher Sparsamkeit einkauft? Einen gemeinsamen Wert darf man dabei ruhig aussprechen: Niemand will Wohlstand verspielen. Strittig ist nur, ob er wirklich auf dem Spiel steht — und ob sonst nichts zählt. Zum Schluss der Generalschlüssel-Test: Wirkt dasselbe Argument gegen jede beliebige Maßnahme? Gegen eine Justizreform genauso wie gegen Außenpolitik? Dann prüft es nichts mehr. Dann blockiert es nur. Diese Probe kann jeder mitnehmen: Wer vom Standort redet, soll die Rechnung zeigen. Wo keine ist, war es keine Warnung — nur ein Schlagwort. · Im direkten Streit ist das Ziel: Das Publikum soll sofort sehen, dass die Wohlstands-Drohung ohne Substanz auftritt. Direkter als beim Vorbeugen, aber immer an der Aussage — nie an der Person. Erste Wahl ist die Frage nach der Rechnung: »Sie sagen, das gefährdet den Standort — um wie viel? Welche Studie, welcher Fall, welche Zahl?« Bleibt die Antwort aus, ist der Konter schon gelungen. Alle haben gesehen: Hinter der Warnung steht keine Kalkulation. Der zweite Zug öffnet die einseitige Rechnung. Wer nur aufzählt, was eine Maßnahme kostet, bekommt die Gegenspalte hingestellt: Was kostet das Unterlassen? Werden etwa Waffenlieferungen allein »angesichts des drohenden Wohlstandsverlustes« verworfen, liegt die Rückfrage nahe: Und was wird in dieser Rechnung aus Sicherheit und Verlässlichkeit? Wichtig: sich nicht in Detail-Rechnungen ziehen lassen, die der andere selbst nie aufgemacht hat. Wer anfängt, Standortfaktoren aufzurechnen, akzeptiert die stille Annahme, sonst zähle nichts. Stärker ist, genau diese Annahme zu benennen: »Sie behandeln Wohlstand als das einzige Argument. Es gibt Dinge, die sich eine Demokratie etwas kosten lässt — welche wären das bei Ihnen?« Eine Falle zum Schluss: Sorgen ums Geld nie belächeln. Wer die Angst um den Arbeitsplatz verspottet, verliert genau die Zuhörer, um die es geht. Der Konter steht, wenn klar wurde: Hier wurde nicht gerechnet. Hier wurde gedroht.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

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