Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — AfD Sachsen-Anhalt (Landesverband)

„Schließlich stellt eine zunehmende Zahl von Staaten die Klimarettungslogik, die auf der These eines menschengemachten Klimawandels basiert, in Frage.“

Quelle

Sprecher
AfD Sachsen-Anhalt (Landesverband)
Datum
2026-04-11
Quelle
Regierungsprogramm AfD Sachsen-Anhalt 2026
Fundort
X. Energiepolitik, Präambel
Original
https://afd-regierungsprogramm.de/
Beleg-ID
fs-ener-0004 · Absatz aus fs-ener-abs-0050

Kodierte sprachliche Mittel

Leugnen & VerharmlosenVerschweigen / HalbwahrheitPauschalisierenZahlen (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Pauschalisieren: Das ›die‹ auflösen (wer konkret?), die Stichprobe prüfen und Gegenbeispiele benennen — der Schluss vom Einzelnen auf das Wesen einer Gruppe ist der klassische Fehlschluss der voreiligen Verallgemeinerung. · Auf wie vielen Fällen beruht das — und gilt es für alle oder für Einzelne, die man benennen kann? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Leugnen & Verharmlosen: Erst den Leugnungstyp bestimmen (bestritten, kleingeredet, ›nicht so gemeint‹?), dann gezielt: Beleg vorlegen, Wiederholungsmuster zeigen oder die wörtliche Benennung einfordern — und die Beweislast nicht übernehmen: Nicht widerlegt heißt nicht widerlegt, nicht wahr. · Was sagt die gesicherte Beleglage — und bestreitest du sie, oder redest du sie nur klein? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Verschweigen / Halbwahrheit: Den fehlenden Kontext liefern: Bezugsgröße, Basisrate, Vergleichswert, Zeitreihe. Die wahre Zahl bleibt wahr — erst ihr Rahmen macht aus ihr eine Irreführung oder eine Information. · Die Zahl stimmt — aber verglichen womit? Welcher Kontext fehlt, damit sie etwas bedeutet? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Zahlen (Argumentationsmuster): Wer diesen Argumentationsstrang vorbeugend entkräften will, muss vorher klären, wofür er das tut: Immunisieren erreicht Menschen, bevor sie einer Zahlenbehauptung ausgesetzt sind oder kurz danach — es erklärt, ohne jemanden bloßzustellen, der sich von einer Zahl beeindrucken ließ. Das unterscheidet es vom Kontern, das im Moment der Konfrontation die Behauptung selbst widerlegt; hier geht es darum, ein Werkzeug an die Hand zu geben, das beim nächsten Zahlensatz von selbst anspringt. Der Kern dieses Werkzeugs ist eine einzige Nachfrage: Bezogen auf was? Wenn Siegmund »55 % im Bürgergeld« sagt, folgt die Anschlussfrage von selbst — 55 Prozent von welcher Grundgesamtheit, verglichen mit welcher anderen Gruppe, seit wann? Dieselbe Nachfrage trägt bei Umfragezahlen genauso: Führt die AfD-Fraktion an, es teilten »77 Prozent der Deutschen die Ansicht, es brauche eine grundsätzlich andere Asyl- und Flüchtlingspolitik«, bleibt offen, was mit dieser Politik gemeint war — Zustimmung zu einer vagen Formel ist etwas anderes als Zustimmung zu einem konkreten Programm. Der Bildungsauftrag des Immunisierens: nicht AfD-Politiker als Lügner hinstellen, sondern zeigen, dass eine nackte Zahl grundsätzlich unterbestimmt ist — mit derselben Wachsamkeit sollte man jeder isolierten Zahl begegnen, egal von wem sie kommt. Wer diese Nachfrage verinnerlicht hat, lässt sich von »Realität«-Behauptungen wie bei Tillschneiders Köln-Zahl nicht mehr blenden. Ein Wertebezug hilft zusätzlich: Politik sollte auf vollständigen, nicht auf zurechtgeschnittenen Zahlen beruhen — darüber lässt sich Einigkeit finden, auch ohne Streit über exakte Prozentpunkte. Wichtig ist, die Person nicht mit der Partei gleichzusetzen, die eine solche Zahl zitiert hat — oft hat sie die fehlende Einordnung selbst nicht bemerkt, weil sie ihr so plausibel vorgeführt wurde. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das Immunisieren: Es geht nicht um vorbeugende Aufklärung eines noch unentschlossenen Publikums, sondern darum, eine konkret vorgetragene Zahlenbehauptung vor den Anwesenden live zu entkräften — deshalb ist der Ton direkter und die Argumentation angriffslustiger, ohne die Person persönlich anzugreifen. Die wirksamste Bewegung ist, die Technik selbst zu benennen, statt über den Inhalt der Zahl zu streiten: »Sie sagen, die Zahl spricht für sich — aber jede Zahl braucht eine Bezugsgröße, sonst ist sie eine Behauptung im leeren Raum.« Das entlarvt den rhetorischen Trick, ohne die Ausgangszahl selbst anzuerkennen oder zu bestreiten, und vermeidet die Falle, sich in einen Zahlenstreit auf dem Boden des Sprechers ziehen zu lassen. Konkret lässt sich das an der Bürgergeld-Zahl vorführen: Kirchner zitiert an anderer Stelle »62,8 Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten … Migrationshintergrund« — eine Zahl, die durch Daten der Bundesagentur für Arbeit gedeckt ist, deren Kategorie »Migrationshintergrund« aber auch in Deutschland geborene Kinder und Enkel einschließt. Nicht die Zahl ist falsch, sondern das Schweigen über das, was sie eigentlich misst. Dieselbe Lücke lässt sich bei Tillschneiders Köln-Zahl vorführen: Wer aus dem Anteil straffällig gewordener Personen unter »allen in Köln registrierten Marokkanern, Algeriern und Tunesiern« auf »Realität« schließt, verschweigt die Vergleichsgruppe — dazu lässt sich knapp sagen: »Verglichen womit? Ohne Vergleichsgruppe ist das keine Realität, sondern eine Momentaufnahme.« Wer das öffentlich vorführt, entzieht der Zahl ihre Behauptungskraft, ohne selbst eine Gegenzahl ins Rennen zu schicken. Am Ende steht die pointierte Feststellung: Eine Zahl ohne Bezugsgröße ist keine Information, sondern eine Stimmung mit Prozentzeichen. · Wer diesem Argument vorbeugend die Wirkung nehmen will, muss vorher klären: Wofür genau? Vorbeugen erreicht Menschen, bevor sie einer Zahlenbehauptung begegnen — oder kurz danach. Es erklärt, ohne jemanden vorzuführen, der sich von einer Zahl beeindrucken ließ. Das unterscheidet Vorbeugen vom Kontern: Kontern widerlegt eine Behauptung live, im Moment der Konfrontation. Vorbeugen gibt ein Werkzeug mit, das beim nächsten Zahlensatz von selbst anspringt. Der Kern dieses Werkzeugs ist eine einzige Nachfrage: Bezogen auf was? Sagt Siegmund »55 % im Bürgergeld«, folgt die Frage von selbst: 55 Prozent wovon genau? Verglichen mit welcher Gruppe? Seit wann? Dieselbe Frage passt auch bei Umfragezahlen. Sagt die AfD-Fraktion, es teilten »77 Prozent der Deutschen die Ansicht, es brauche eine grundsätzlich andere Asyl- und Flüchtlingspolitik«, bleibt offen: Was ist mit dieser Politik gemeint? Zustimmung zu einer vagen Formel ist etwas anderes als Zustimmung zu einem klaren Programm. Wichtig dabei: Es geht nicht darum, AfD-Politiker als Lügner hinzustellen. Es geht darum zu zeigen, dass eine nackte Zahl grundsätzlich unvollständig ist — mit derselben Wachsamkeit sollte man jeder isolierten Zahl begegnen, egal von wem sie kommt. Wer diese Nachfrage verinnerlicht hat, lässt sich auch von »Realität«-Behauptungen wie Tillschneiders Köln-Zahl nicht mehr blenden. Ein gemeinsamer Wert hilft zusätzlich: Politik sollte auf vollständigen Zahlen beruhen, nicht auf zurechtgeschnittenen — darüber lässt sich Einigkeit finden, auch ohne Streit über einzelne Prozentpunkte. Und: Die Person nicht mit der Partei gleichsetzen, die eine solche Zahl zitiert hat — oft hat sie die fehlende Erklärung selbst nicht bemerkt, weil die Zahl ihr so plausibel vorgeführt wurde. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das Vorbeugen: Die Behauptung steht schon im Raum, vor Publikum — und muss sofort als das erkennbar werden, was sie ist. Deshalb ist der Ton hier direkter, ohne die Person persönlich anzugreifen. Am wirksamsten ist es, den Trick selbst zu benennen, statt über die Zahl zu streiten: »Sie sagen, die Zahl spricht für sich — aber jede Zahl braucht eine Bezugsgröße, sonst ist sie eine Behauptung im leeren Raum.« Das entlarvt den Trick, ohne die Ausgangszahl anzuerkennen oder zu bestreiten — und vermeidet die Falle, sich auf einen Zahlenstreit einzulassen, den man auf fremdem Boden führt. Konkret zeigt sich das an der Bürgergeld-Zahl: Kirchner zitiert an anderer Stelle »62,8 Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten … Migrationshintergrund« — eine Zahl, die durch Daten der Bundesagentur für Arbeit gedeckt ist. Nur: Die Kategorie »Migrationshintergrund« schließt auch in Deutschland geborene Kinder und Enkel ein. Nicht die Zahl ist falsch — verschwiegen wird, was sie eigentlich misst. Dieselbe Lücke zeigt sich bei Tillschneiders Köln-Zahl. Wer aus dem Anteil straffällig gewordener Personen unter »allen in Köln registrierten Marokkanern, Algeriern und Tunesiern« auf »Realität« schließt, verschweigt die Vergleichsgruppe. Dazu reicht ein Satz: »Verglichen womit? Ohne Vergleichsgruppe ist das keine Realität, sondern eine Momentaufnahme.« Wer das öffentlich vorführt, nimmt der Zahl ihre Kraft — ganz ohne eigene Gegenzahl. Am Ende steht der Satz, der alles zusammenfasst: Eine Zahl ohne Bezugsgröße ist keine Information, sondern eine Stimmung mit Prozentzeichen.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Wortbildung »Klimarettungslogik« koppelt den religiös konnotierten Begriff »Rettung« mit dem pseudo-analytischen Anhängsel »Logik« und deutet Klimaschutz so als quasi-religiöse Heilslehre statt als wissenschaftlich begründete Politik um. Der Nachsatz, eine »zunehmende Zahl von Staaten« stelle die zugrundeliegende These infrage, verschiebt die Autorität von der wissenschaftlichen Beweislage auf eine unbelegte Zählung politischer Akteure und suggeriert einen wachsenden Konsens gegen den menschengemachten Klimawandel, den es faktisch nicht gibt.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich baue ein einziges Wort, das die Arbeit von drei Sätzen macht. »Rettung« holt die Kirche in den Klimadiskurs — wer von Rettung redet, glaubt, betet, folgt einer Heilslehre, nicht der Physik. Das Anhängsel »-logik« gebe ich noch dazu, damit es klingt, als hätte ich selbst die kühlere, rationalere Position — ich, der Analytiker, gegen die Gläubigen. Den menschengemachten Klimawandel nenne ich beiläufig nur »eine These«, nie einen wissenschaftlichen Konsens, und dann behaupte ich, immer mehr Staaten stellten sie infrage — ohne einen einzigen zu nennen, ohne eine Zahl, eine Quelle. Wer das liest, soll nicht merken, dass ich keinen Beweis liefere, sondern nur ein Gefühl von schwindendem Konsens erzeuge. Am Ende steht nicht die Wissenschaft in der Defensive, sondern angeblich die Gläubigen einer »Rettungslogik« — und ich habe keine einzige Zahl gebraucht, um das zu behaupten.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung stuft den wissenschaftlich breit belegten anthropogenen Klimawandel sprachlich zur bloßen »These« herab und rückt ihn damit in den Status einer bestreitbaren Hypothese statt eines Forschungskonsenses. Gestützt wird das durch den unbelegten Verweis auf eine angeblich »zunehmende Zahl von Staaten«, die die »Klimarettungslogik« infrage stellten — eine Zahlenbehauptung ohne Beleg, die den Anschein wachsender wissenschaftlicher oder politischer Unsicherheit erzeugt, wo keine besteht. So wird Konsens in Zweifel verwandelt, ohne ihn inhaltlich zu widerlegen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich sage nicht »Klimawandelleugnung«, das wäre zu leicht zu widerlegen. Ich sage »These« — ein Wort, das nach Wissenschaft klingt, aber das Gegenteil von Konsens bedeutet: etwas, das noch bewiesen werden muss. Damit rücke ich Jahrzehnte physikalischer Messung neben jede beliebige unbewiesene Behauptung. Und weil eine Behauptung überzeugender wirkt, wenn sie nicht allein steht, erfinde ich eine Bewegung: eine »zunehmende Zahl von Staaten«, die angeblich zweifelt. Welche Staaten das sein sollen, sage ich nicht — die Unschärfe ist Absicht, sie lässt sich nicht überprüfen und genau deshalb nicht widerlegen. Wer meinen Satz nachspricht, hat den Konsens schon zur Meinung erklärt, ohne dass ich ein einziges Gegenargument liefern musste.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Die eigene Verunsicherung angesichts steigender Energiekosten bekommt Verstärkung durch eine wachsende Weltgemeinschaft der Zweifler — man steht scheinbar nicht allein mit dem Einwand.

Für den, der ihn sagt: Ohne ein einziges Land zu nennen, kassiert der Satz Zustimmung fürs Zweifeln — die Formel ›Klimarettungslogik‹ suggeriert zugleich, es gehe um ideologische Rettungsfantasien statt um Wissenschaft, ohne das je zu belegen.

Die Bilanz: Der Satz nimmt die Möglichkeit, zwischen Klimaforschung und Klimapolitik zu unterscheiden — beides verschmilzt zu einer einzigen fragwürdigen ›Logik‹. Welche konkrete Maßnahme deshalb falsch wäre, sagt er nicht; an der eigenen Rechnung ändert das nichts.

Ausgearbeitete Gegenrede

Der Satz behauptet, eine ›zunehmende Zahl von Staaten‹ stelle die Klimalogik in Frage — nennt aber kein einziges Land und keine Zahl. So bleibt er unprüfbar, man kann ihn weder bestätigen noch widerlegen. Und das Wort ›Klimarettungslogik‹ tut so, als wären Wissenschaft und Politik dasselbe: Wer an teuren Maßnahmen zweifelt, wird hier klammheimlich so hingestellt, als zweifle er auch am Klimawandel selbst.

Dass die Umstellung auf neue Heizungen und Autos ins Geld geht — geschenkt, das ist real, darüber lohnt sich reden. Aber schauen Sie sich den Satz mal genau an: Da ist von einer ›zunehmende Zahl von Staaten‹ die Rede — welche denn? Wie viele? Nicht ein Name, keine Quelle. So einen Satz kann man nicht überprüfen, man kann ihn nur glauben oder nicht. Und das Wort ›Klimarettungslogik‹ mischt zwei Dinge zusammen, die nichts miteinander zu tun haben: ob eine Maßnahme sinnvoll ist, und ob der Klimawandel real ist. Wer an der Politik zweifelt, muss deshalb noch lange nicht an der Erwärmung selbst zweifeln. Welche Frage wollen wir eigentlich klären — die nach dem Preis, oder die nach der Wissenschaft?

Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

Begriffe in dieser Aussage

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