Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — AfD-Fraktion

„Diese Begründung basiert auf fragwürdigen Klimastudien und -prognosen.“

Quelle

Sprecher
AfD-Fraktion
Datum
2017-08-15
Quelle
Drucksache 7/1742 — Antrag Fraktion AfD Markt- statt Planwirtschaft - gescheiterte Energiewende beenden Der Landtag wolle beschließen: Die L
Fundort
Drucksache 7/1742
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp7/drs/d1742aan.pdf
Beleg-ID
fs-ener-0098 · Absatz aus fs-ener-abs-0006

Kodierte sprachliche Mittel

Leugnen & VerharmlosenDelegitimierenRealität (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Leugnen & Verharmlosen: Erst den Leugnungstyp bestimmen (bestritten, kleingeredet, ›nicht so gemeint‹?), dann gezielt: Beleg vorlegen, Wiederholungsmuster zeigen oder die wörtliche Benennung einfordern — und die Beweislast nicht übernehmen: Nicht widerlegt heißt nicht widerlegt, nicht wahr. · Was sagt die gesicherte Beleglage — und bestreitest du sie, oder redest du sie nur klein? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Realität (Argumentationsmuster): Vorbeugend gegen dieses Muster zu wappnen heißt nicht, einem Redner zu widersprechen, sondern ein Publikum mit einem Prüfwerkzeug auszustatten, bevor die nächste Realitäts-Beschwörung fällt — erklärend, ohne jemanden bloßzustellen, und vor allem: ohne die Alltagswahrnehmung der Zuhörer anzugreifen. Das ist die entscheidende Falle. Wer erklärt, die Sorgen seien bloß eingebildet, bestätigt das Muster — er liefert live den Beweis, dass die da oben die Erfahrung der Leute abtun. Ernst nehmen und prüfen sind aber zweierlei: Eine Wahrnehmung kann echt sein und trotzdem kein Maßstab für ein Landesgesetz. Die Immunisierung setzt beim Auswahlprinzip an. Auffällig ist nicht, dass sich jemand auf die Wirklichkeit beruft, sondern wann: Gilt die Statistik, wenn sie passt, und ist sie geschönt, wenn sie stört? Wo aus amtlichen Zahlen der Vorwurf wird, die Bürger hätten sich »gefälligst sicher zu fühlen«, ist die Statistik nicht widerlegt, sondern zum Feind erklärt. Die Nachfrage dazu lässt sich freundlich stellen: Woran erkennen wir gemeinsam, welche Wirklichkeit stimmt — was müsste passieren, damit die Behauptung als widerlegt gilt? Wer darauf keine Antwort hat, beruft sich nicht auf die Realität, sondern auf sein Recht, sie zu bestimmen. Hilfreich ist schließlich der Hinweis auf die Immunisierungs-Geste: Wenn jeder Widerspruch schon als Realitätsverweigerung gilt, kann das Argument gar nicht mehr verlieren — und ein Argument, das nicht verlieren kann, hat aufgehört, eines zu sein. Immunisieren heißt, dem Publikum den Unterschied einzuprägen zwischen einer Wirklichkeit, die man prüfen kann, und einer, die man nur noch glauben soll. · Der Konter im Moment der Konfrontation hat ein anderes Ziel als das vorbeugende Erklären: Eine konkrete Realitäts-Behauptung steht im Raum und muss vor Publikum geprüft werden, ehe sie sich als das Selbstverständliche festsetzt — direkter, an der Aussage, nicht am Muster. Die erste Regel: den Boden nicht betreten, auf dem nur noch Gefühl gegen Gefühl steht. Wer der beschworenen Wirklichkeit bloß die eigene entgegenhält, hat die Prämisse übernommen, dass Beschwören genügt. Stärker ist, die Geste zu benennen: »Sie sagen offenkundig und wie allen bekannt — das sind Formeln, die einen Beleg ersetzen sollen. Welche Zahl, welche Quelle, welcher Fall?« Wo die Statistik pauschal als geschönt abgetan wird, lohnt der Blick auf die Rosinen-Auswahl: Dieselbe Rede, die amtliche Zahlen verwirft, zitiert sie im nächsten Satz, wenn sie passen — diese Unstimmigkeit vor Publikum sichtbar zu machen wirkt stärker als jede Gegenstatistik. Behauptet jemand schlicht Falsches — wie einen Krieg, der »seit Anfang Januar beendet« sei —, genügt die knappe Richtigstellung mit Quelle, ohne Triumph: Empörung würde nur die Erzählung nähren, das Establishment wolle die Wahrheit unterdrücken. Und gegen die Dauer-Immunisierung hilft ein Satz, der die Falle selbst ausspricht: »Wenn jeder Widerspruch Realitätsverweigerung ist, kann Ihre These nie falsch sein — nach welchem Kriterium prüfen wir sie dann?« Der Konter sitzt, wenn das Publikum gesehen hat: Hier wurde Wirklichkeit nicht gezeigt, sondern besetzt. · Wer vorbeugen will, will nicht einem Redner widersprechen. Er will Zuhörern ein Prüfwerkzeug geben, bevor die nächste Realitäts-Beschwörung fällt. Deshalb: erklären, niemanden vorführen — und vor allem die Alltagserfahrung der Menschen nicht angreifen. Das ist die größte Falle. Wer sagt, die Sorgen seien nur eingebildet, beweist live den Vorwurf: Die da oben tun die Erfahrung der Leute ab. Ernst nehmen und prüfen sind aber zwei verschiedene Dinge. Eine Wahrnehmung kann echt sein — und trotzdem kein Maßstab für ein Gesetz. Der Kern der Vorbeugung ist eine einfache Frage. Nicht: Beruft sich da jemand auf die Wirklichkeit? Sondern: Wann tut er es? Gilt die Statistik, wenn sie passt? Und ist sie geschönt, wenn sie stört? Wo aus amtlichen Zahlen der Vorwurf wird, die Bürger hätten sich »gefälligst sicher zu fühlen«, da wird die Statistik nicht widerlegt. Sie wird zum Feind erklärt. Dazu passt eine freundliche Nachfrage: Woran erkennen wir gemeinsam, welche Wirklichkeit stimmt? Was müsste passieren, damit die Behauptung als widerlegt gilt? Wer darauf keine Antwort hat, beruft sich nicht auf die Realität. Er beansprucht das Recht, sie festzulegen. Ein letzter Hinweis hilft: Wenn jeder Widerspruch als Realitätsverweigerung gilt, kann das Argument nie verlieren. Und ein Argument, das nie verlieren kann, ist keines mehr. Vorbeugen heißt: den Unterschied einprägen zwischen einer Wirklichkeit, die man prüfen kann, und einer, die man nur glauben soll. · Im direkten Streit ist das Ziel ein anderes. Eine konkrete Behauptung steht im Raum. Sie muss vor Publikum geprüft werden, bevor sie als selbstverständlich durchgeht — direkt und an der Aussage. Die erste Regel: nicht Gefühl gegen Gefühl setzen. Wer der beschworenen Wirklichkeit nur die eigene entgegenhält, hat schon verloren. Er akzeptiert die stille Annahme, dass Beschwören genügt. Stärker ist, die Geste zu benennen: »Sie sagen offenkundig und wie allen bekannt — das sind Formeln, die einen Beleg ersetzen sollen. Welche Zahl, welche Quelle, welcher Fall?« Werden amtliche Zahlen pauschal als geschönt abgetan, hilft der Blick auf die Rosinen-Auswahl. Dieselbe Rede verwirft die Statistik — und zitiert sie im nächsten Satz, wenn sie passt. Diesen Widerspruch sichtbar zu machen wirkt stärker als jede Gegenstatistik. Ist eine Behauptung schlicht falsch — etwa ein Krieg, der »seit Anfang Januar beendet« sei —, reicht die knappe Richtigstellung mit Quelle. Ohne Triumph. Empörung nährt nur die Erzählung, das Establishment wolle die Wahrheit unterdrücken. Und gegen die Dauer-Abwehr hilft ein Satz, der die Falle selbst ausspricht: »Wenn jeder Widerspruch Realitätsverweigerung ist, kann Ihre These nie falsch sein — nach welchem Kriterium prüfen wir sie dann?« Der Konter sitzt, wenn das Publikum gesehen hat: Hier wurde Wirklichkeit nicht gezeigt. Hier wurde sie besetzt.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung erklärt Klimastudien und -prognosen pauschal für »fragwürdig«, ohne einen einzigen konkreten Befund zu benennen oder zu widerlegen. Das Adjektiv ersetzt den fehlenden Beleg: Statt eine Studie inhaltlich anzugreifen, wird der gesamten Klimawissenschaft pauschal die Seriosität abgesprochen. So wird die im Antrag geforderte Beendigung der Energiewende von jeder Pflicht befreit, sich mit den zugrundeliegenden Daten überhaupt auseinanderzusetzen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich habe keine einzige Studie widerlegt — das wäre auch schwer, denn ich habe keine geprüft. Aber das brauche ich gar nicht. Ich setze nur das Wort »fragwürdig« vor »Klimastudien und -prognosen«, und schon dreht sich die Beweislast um: Jetzt muss die Wissenschaft sich rechtfertigen, nicht ich meine Behauptung belegen. Fragt jemand nach, welche Studie denn konkret fragwürdig ist, bekommt er keine Antwort — die Unschärfe ist Absicht, nicht Schlamperei. So kann ich die ganze Energiewende in Frage stellen, ohne ein einziges Argument gegen einen einzigen Befund vorzulegen.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Der Ärger über eine teure Heizungspflicht bekommt einen Namen für das eigene Misstrauen — nicht die einzelne Investition ist das Problem, sondern die Wissenschaft dahinter gilt pauschal als ›fragwürdig‹.

Für den, der ihn sagt: Ohne eine einzige Studie zu nennen, spart sich der Satz jede inhaltliche Auseinandersetzung — das Etikett ›fragwürdig‹ genügt, um Zustimmung zum Zweifel zu ernten, ohne dass ein Argument widerlegt werden müsste.

Die Bilanz: Verengt wird die Frage nach der Grundlage von Klimapolitik auf ein pauschales Misstrauensvotum — welche konkrete Zahl falsch sein soll, bleibt offen. Die Entscheidung über die eigene Heizung wird dadurch nicht leichter.

Ausgearbeitete Gegenrede

Der Satz spricht von ›fragwürdigen Klimastudien und -prognosen‹, nennt aber keine einzige davon beim Namen. Klimaforschung stützt sich nicht auf eine einzelne Prognose, sondern auf tausende Messreihen und Modelle, die sich international gegenseitig prüfen. Wer die ganze Wissenschaft mit einem Adjektiv abtut, muss keine einzige Zahl widerlegen — das ist kein Argument, das ist eine Abkürzung um das Argument herum.

Dass man wissen will, worauf eine so teure Entscheidung beruht — völlig verständlich. Aber lesen Sie genau: Da steht ›fragwürdigen Klimastudien und -prognosen‹, doch keine einzige wird genannt. Welche Studie denn? Was genau soll daran falsch sein? Wer das nicht sagt, hat auch keinen Beweis — nur ein Adjektiv. Die Klimaforschung besteht nicht aus einer Prognose, sondern aus tausenden Messreihen, die sich weltweit gegenseitig prüfen. Ein Wort ersetzt keine Widerlegung.

Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

Begriffe in dieser Aussage

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