Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Jan Moldenhauer (AfD)

„Nach der Klimakonferenz von Glasgow herrscht bei Ihnen der Klimafrust. Ihre planwirtschaftliche Energiewende ist gescheitert.“

Quelle

Sprecher
Dr. Jan Moldenhauer (AfD)
Datum
2021-11-18
Quelle
Stenografischer Bericht 8/6 — Erste Beratung Aktuelle Debatte a) Entwurf eines Nachtragshaushaltsbegleitgesetzes 2021 Atomkraft? Nein Danke! Gesetzentwurf Landesregierung - Drs. 8/327 b) Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Haushaltsgesetzes 2020/2021 (Zweites Nachtragshaushaltsgesetz 2020/ 2021) Gesetzentwurf Landesregierung - Drs. 8/328 Entschließungsantrag Landesregierung - Drs. 8/329
Fundort
Plenarprotokoll 8/6, TOP 3
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/006stzg.pdf
Beleg-ID
fs-ener-0715 · Absatz aus fs-ener-abs-0324

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffWirkungslosigkeit / Futilität (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Wirkungslosigkeit / Futilität (Argumentationsmuster): Wer diesem Argumentationsstrang vorbeugend die Wirkung nehmen will, verfolgt ein anderes Ziel als jemand, der ihn live widerlegt: Es geht nicht darum, eine Person vorzuführen, die eine Verwaltungspanne für einen Systembeweis hält, sondern darum, dass sie den Sprung von der Einzelbilanz zur grundsätzlichen Unmöglichkeit selbst bemerkt – deshalb bleibt der Ton fragend, nicht widerlegend. Der wirksamste Hebel ist die Nachfrage: Wer eine niedrige Abschiebequote als Beweis der Wirkungslosigkeit anführt, sollte gefragt werden, woran die Umsetzung konkret gescheitert ist – an fehlendem Personal, an Rechtsmitteln der Betroffenen, an der Kooperation anderer Staaten? Diese Frage entlarvt sich nicht als Angriff, sondern verlangt Präzisierung, wo vorher nur pauschales Achselzucken stand. Der Fall der 10 402 zugestimmten Übernahmeersuchen, denen nur drei tatsächliche Rückführungen gegenüberstehen, eignet sich gut dafür: Die Lücke ist real, aber sie ist eine Frage der Durchführung, keine, die zeigt, dass Rückführung als solche unmöglich wäre. Selbst der eigene Vorschlag der Gegenseite bestätigt das: Wenn Scharfenort anregt, »finanzielle Anreize zu geben, um die Abschiebequoten in den Landkreisen zu verbessern«, behandelt er die Lücke, sobald er konkret vorschlägt statt rhetorisch zu fragen, selbst als Steuerungsproblem – Resignation ist eben kein Wirksamkeitsnachweis, sie ist sein Ausbleiben. Wer die fragende Person mit der Forderung nach einem Systemausstieg gleichsetzt, erreicht das Gegenteil: Sie fühlt sich vorschnell einsortiert und übernimmt die Enttäuschungserzählung, die man entkräften wollte. Die Frage »Woran genau ist das gescheitert – und wäre es mit mehr Personal oder klareren Fristen anders gelaufen?« hält die Tür zur Reform offen, wo die Resignation sie zuschlägt. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das vorbeugende Immunisieren: Die Behauptung steht bereits im Raum, vor Publikum, oft als rhetorische Frage getarnt – wie wenn Scharfenort nach der Drei-von-10.402-Zahl fragt: »Wie kann das sein? Ich habe einfach nur ein großes Fragezeichen.« Deshalb beginnt dieser Text mit der Benennung der Technik, nicht mit Verständnis: Aus einer schlecht funktionierenden Verwaltungspraxis wird ein Beweis gegen die Möglichkeit von Politik überhaupt gemacht. Am deutlichsten zeigt sich das bei Scharfenort selbst: »Aber das zeigt doch nur, dass es nicht funktioniert. Die Konsequenz kann für Deutschland doch nur sein: Es ist an der Zeit, aus diesem System auszusteigen« – als folge aus einer unbefriedigenden Bilanz zwingend der Totalausstieg, während jede Zwischenlösung als »kosmetische Maßnahme« oder »Wahlkampfblendgranate« abgewertet wird. Wirksamer als eine Gegenzahl ist es, das Muster selbst zu benennen: »Sie zeigen mir eine gescheiterte Umsetzung und erklären das Ziel selbst für gescheitert – das ist kein Beleg, das ist ein Sprung.« Diese Entlarvung trifft härter als jede Verwaltungsstatistik, weil sie die Konstruktion offenlegt, statt sich auf ihrem Boden zu bewegen – wer mit eigenen Erfolgszahlen dagegenhält, verliert bereits das eigentliche Argument. Der Widerspruch liegt zudem offen zutage: Wer, wie Mario Lehmann, eine Panne zum Beleg für »Ihr ganzes Politikversagen in der Breite« erklärt und andernorts von einer Regierung spricht, die »seit Monaten, seit September, notregiert«, wendet denselben Maßstab nur auf die Gegenseite an – die eigene Regierungsbeteiligung müsste daran ebenso scheitern. Wer das benennt, muss nicht eskalieren, um zu gewinnen – die Doppelmoral entlarvt sich selbst, sobald man sie ausspricht. · Vorbeugen hat ein anderes Ziel als live widerlegen: Es geht nicht darum, jemanden vorzuführen, der eine Verwaltungspanne für einen Beweis gegen das ganze System hält. Es geht darum, dass er den Sprung von der Einzelbilanz zur grundsätzlichen Unmöglichkeit selbst bemerkt. Deshalb bleibt der Ton fragend, nicht widerlegend. Das beste Werkzeug ist wieder die Nachfrage. Wer eine niedrige Abschiebequote als Beweis für Wirkungslosigkeit anführt, den kann man fragen: Woran genau ist die Umsetzung gescheitert? An fehlendem Personal? An Rechtsmitteln der Betroffenen? An fehlender Zusammenarbeit anderer Staaten? Diese Frage ist kein Angriff. Sie verlangt nur Genauigkeit, wo vorher nur ein pauschales Achselzucken stand. Der Fall der 10 402 zugestimmten Übernahmen, denen nur drei echte Rückführungen gegenüberstehen, eignet sich dafür gut: Die Lücke ist real. Aber sie zeigt ein Problem der Durchführung — nicht, dass Rückführung an sich unmöglich wäre. Sogar der eigene Vorschlag der Gegenseite bestätigt das: Wenn Scharfenort anregt, »finanzielle Anreize zu geben, um die Abschiebequoten in den Landkreisen zu verbessern«, behandelt er die Lücke selbst als Steuerungsproblem — sobald er konkret wird, statt nur rhetorisch zu fragen. Resignation ist eben kein Beweis für Wirkungslosigkeit. Sie ist nur ihr Ausbleiben. Wer die fragende Person mit der Forderung nach einem Systemausstieg gleichsetzt, erreicht das Gegenteil: Sie fühlt sich vorschnell einsortiert und übernimmt genau die Enttäuschungs-Erzählung, die man entkräften wollte. Die Frage »Woran genau ist das gescheitert – und wäre es mit mehr Personal oder klareren Fristen anders gelaufen?« hält die Tür zur Reform offen, wo die Resignation sie zuschlägt. · Kontern hat ein anderes Ziel als vorbeugendes Immunisieren: Die Behauptung steht schon im Raum, vor Publikum — oft als rhetorische Frage getarnt, wie wenn Scharfenort nach der Drei-von-10.402-Zahl fragt: »Wie kann das sein? Ich habe einfach nur ein großes Fragezeichen.« Deshalb beginnt man hier nicht mit Verständnis, sondern benennt sofort den Trick: Aus einer schlecht funktionierenden Verwaltungspraxis wird ein Beweis gegen Politik überhaupt gemacht. Am deutlichsten zeigt das Scharfenort selbst: »Aber das zeigt doch nur, dass es nicht funktioniert. Die Konsequenz kann für Deutschland doch nur sein: Es ist an der Zeit, aus diesem System auszusteigen« — als folge aus einer unbefriedigenden Bilanz zwingend der Totalausstieg. Jede Zwischenlösung wird dabei als »kosmetische Maßnahme« abgewertet, als »Wahlkampfblendgranate«. Stärker als jede Gegenzahl wirkt es, das Muster selbst zu benennen: »Sie zeigen mir eine gescheiterte Umsetzung und erklären das Ziel selbst für gescheitert – das ist kein Beleg, das ist ein Sprung.« Dieser Satz trifft härter als jede Verwaltungsstatistik, weil er die Konstruktion offenlegt, statt sich auf ihr Spielfeld zu stellen. Wer mit eigenen Erfolgszahlen dagegenhält, hat das eigentliche Argument schon verloren. Auch ein Widerspruch liegt offen zutage: Mario Lehmann erklärt eine Panne zum Beleg für »Ihr ganzes Politikversagen in der Breite« — und spricht andernorts von einer Regierung, die »seit Monaten, seit September, notregiert«. Er wendet also denselben strengen Maßstab nur auf die Gegenseite an: Die eigene Regierungsbeteiligung müsste daran genauso scheitern. Wer das ausspricht, muss nicht eskalieren, um zu gewinnen — die doppelte Messlatte entlarvt sich selbst, sobald man sie benennt.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung koppelt zwei Wörter, die im Deutschen historisch stark besetzt sind: »Planwirtschaft« ruft die DDR-Staatswirtschaft auf, »Energiewende« benennt den tatsächlichen Umbau der Energieversorgung. Durch die Zusammensetzung erscheint die Energiewende als fremdgesteuerter Staatszwang statt als demokratisch beschlossener Prozess. Das Urteil »gescheitert« wird direkt angeschlossen, ohne dass der Satz selbst irgendeinen Beleg dafür liefert — die Wertung steckt vollständig im Etikett, nicht in einem geprüften Sachverhalt.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich muss die Energiewende nicht widerlegen, ich muss sie nur umbenennen. Setze ich »Planwirtschaft« davor, hört jeder sofort DDR, Mangelwirtschaft, Freiheitsentzug — ganz ohne dass ich ein einziges Argument bringen muss. Das Wort »gescheitert« hänge ich einfach an, dann klingt es wie ein Befund und nicht wie meine Behauptung. Den »Klimafrust« nenne ich vorher, damit meine Zuhörer schon geärgert sind, bevor sie überhaupt zugehört haben. So bin ich schneller im Urteil als im Beweis — und kaum jemand merkt, dass ich beides schuldig geblieben bin.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Der Ärger über hohe Preise bekommt ein Ziel: nicht die vielen Ursachen der eigenen Rechnung, sondern die Energiewende als Ganzes, die der Satz für ›gescheitert‹ erklärt. Das fühlt sich wie ein Urteil an, das endlich Klarheit schafft — geprüft ist damit nichts.

Für den, der ihn sagt: Im Wort ›planwirtschaftlich‹ schwingt, unausgesprochen, das Bild der DDR-Mangelwirtschaft mit — ein Diskurs-Echo, das Ablehnung bindet, lange bevor eine einzige Maßnahme geprüft ist.

Die Bilanz: An die Stelle eines Zahlenvergleichs tritt ein Verdikt, das nichts mehr zu verhandeln übrig lässt — ist etwas ›gescheitert‹, bleibt nur Abkehr. Ob die Energiewende wirksamer oder bezahlbarer werden könnte, bleibt unbeantwortet.

Ausgearbeitete Gegenrede

Der Satz behauptet ein Scheitern, ohne es zu zeigen. ›gescheitert‹ steht da wie ein Fakt — belegt wird nichts, kein Zahlenvergleich, kein Zeitraum. Das Wort ›planwirtschaftliche‹ vor ›Energiewende‹ tut still seine Arbeit: Es holt die DDR ins Bild, bevor über eine einzige Maßnahme gesprochen ist. Zwei Urteile in einem Wort, keins davon geprüft.

Frust über hohe Preise — den kenne ich, den hat halb Deutschland. Aber schauen wir uns den Satz genau an. ›planwirtschaftliche Energiewende‹ — das Wort tut so, als plane hier ein Staat jedes Rad und jede Schraube, so wie früher in der DDR. Davon steht im Satz aber gar nichts. Und ›gescheitert‹? Wo ist der Beweis? Kein Datum, keine Zahl, kein Vergleich — nur das Wort selbst, das schon das Urteil mitliefert. Ein Wort ist kein Beweis. Wer sagt, etwas sei gescheitert, muss zeigen, woran es gescheitert ist.

Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

Begriffe in dieser Aussage

Weitere Fundstellen zum Thema klima