Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Jan Moldenhauer (AfD)

„Hier geht es also vorgeblich um die sogenannte Klimarettung, tatsächlich aber insbesondere um den schnöden Mammon.“

Quelle

Sprecher
Dr. Jan Moldenhauer (AfD)
Datum
2021-11-18
Quelle
Stenografischer Bericht 8/6 — Erste Beratung Aktuelle Debatte a) Entwurf eines Nachtragshaushaltsbegleitgesetzes 2021 Atomkraft? Nein Danke! Gesetzentwurf Landesregierung - Drs. 8/327 b) Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Haushaltsgesetzes 2020/2021 (Zweites Nachtragshaushaltsgesetz 2020/ 2021) Gesetzentwurf Landesregierung - Drs. 8/328 Entschließungsantrag Landesregierung - Drs. 8/329
Fundort
Plenarprotokoll 8/6, TOP 3
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/006stzg.pdf
Beleg-ID
fs-ener-0717

Kodierte sprachliche Mittel

Täter-Opfer-Umkehr

Gegenstrategie gegen Täter-Opfer-Umkehr: Das Machtverhältnis konkret machen: Wer kann wem tatsächlich etwas antun, wer trägt belegbar die Folgen? Die Umkehr lebt davon, dass niemand die realen Folgen vergleicht. · Wer trägt hier tatsächlich die Folgen — was ist dem angeblichen Opfer konkret geschehen, und was den anderen? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung stellt der »sogenannten Klimarettung« den »schnöden Mammon« gegenüber und kehrt damit die erklärte Motivlage der Gegenseite um: Aus klimapolitischem Handeln wird verdecktes Gewinnstreben. Die biblisch-abwertende Konnotation von »Mammon« moralisiert diese Unterstellung zusätzlich, ohne dass ein konkreter Beleg für die behaupteten Profitinteressen genannt wird.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich sage nicht einfach, dass ich die Klimapolitik ablehne — ich unterstelle den anderen, dass sie sie selbst nicht ernst meinen. »Vorgeblich« und »tatsächlich aber« reichen mir, um aus einem politischen Ziel ein Alibi zu machen. Und weil bloßes »Geld« zu nüchtern klänge, hole ich mir das Wort »Mammon« — das trägt seine Verurteilung schon in sich, ich muss sie nicht mehr aussprechen. Einen Beweis für die Profitgier brauche ich nicht zu liefern, die Unterstellung wirkt allein durch den Kontrast: hier das hehre Wort »Klimarettung«, da der schnöde Mammon. Wer mir zuhört, misstraut von nun an jeder klimapolitischen Begründung als möglichem Vorwand.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung markiert »Klimarettung« mit dem Distanzierungswort »sogenannte« als bloßes Etikett und stellt es einem angeblich wahren Motiv gegenüber, dem »schnöden Mammon«. Durch das Wortpaar »vorgeblich – tatsächlich aber« wird aus einem politischen Ziel ein vorgeschobener Vorwand, ohne dass dafür ein Beleg angeführt wird. So verschiebt sich die Debatte von der Sache Klimapolitik auf eine unbewiesene Unterstellung finanzieller Eigeninteressen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich setze das Wörtchen »sogenannte« vor Klimarettung, und schon ist der Begriff nicht mehr meine Behauptung, sondern eine fremde, die ich nur zitiere und in Zweifel ziehe. Einen Beweis brauche ich dafür nicht – die Anführung im Ton genügt, um das Ziel als Etikettenschwindel erscheinen zu lassen. Dann liefere ich das Gegenmotiv gleich mit: nicht Klimaschutz, sondern »schnöder Mammon« – das Geld, das angeblich wirklich dahintersteckt. Ich muss nicht zeigen, wer da woran verdient; die Formel »vorgeblich … tatsächlich aber« erledigt die Beweislast für mich, indem sie so klingt, als sei die Aufdeckung schon geschehen. Wer jetzt noch von Klimaschutz redet, redet in meinen Ohren schon von einem Vorwand, den ich gerade entlarvt habe.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Der Verdacht, betrogen zu werden, bekommt eine einfache Erklärung geliefert: nicht das Klima, sondern das Geld sei der wahre Grund.

Für den, der ihn sagt: Der Vorwurf ›vorgeblich‹ verschafft Zustimmung gegen die gesamte Klimapolitik, ohne ein einziges Argument dafür liefern zu müssen — wer sie einmal als vorgetäuscht abgetan hat, muss sich auf keine einzelne Maßnahme mehr einlassen.

Die Bilanz: Der Satz verengt auf ein Entweder-oder aus echtem Klimaschutz oder Profitinteresse, als schlösse sich beides aus. Wer genau woran verdient, wird dadurch nicht geklärt — nur pauschal verurteilt.

Ausgearbeitete Gegenrede

Der Satz stellt Klimaschutz und Geldinteresse als Gegensatz dar, als könnte hinter einer Maßnahme nur eines von beiden stecken. Das Wort ›vorgeblich‹ erklärt den Klimaschutz von vornherein für vorgetäuscht, ohne dafür ein einziges Argument zu liefern. Und ›schnöden Mammon‹ wertet ab, statt zu erklären, wer an welcher Maßnahme wie viel verdient. Eine Unterstellung ist aber kein Beweis — sie ersetzt nur die Prüfung durch ein fertiges Urteil.

Dass die Kosten für Klimaschutz viele hart treffen — das stimmt, und das darf man ernst nehmen. Aber schauen Sie sich den Satz genau an: ›vorgeblich‹ und ›schnöden Mammon‹ behaupten ein geheimes Motiv, ohne einen einzigen Beleg zu liefern. Entweder Klimaschutz oder Geldgier — dieser Satz lässt keine dritte Möglichkeit zu. Warum eigentlich nicht beides: echter Klimaschutz und Geld, das dabei verdient wird? Wer nur unterstellt, muss nichts beweisen. Wer behaupten will, muss zeigen: Wessen Konto füllt sich hier wirklich?

Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

Begriffe in dieser Aussage

Weitere Fundstellen zum Thema klima