Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Frank Otto Lizureck (AfD)

„Es ist schwer für eine industrielle Wirtschaft, sich für ihren Wohlstand auf das Wohlwollen der Wettergötter zu verlassen.“

Quelle

Sprecher
Frank Otto Lizureck (AfD)
Datum
2024-12-17
Quelle
Stenografischer Bericht 8/79 — Erste Beratung Abschaffung der CO2-Bepreisung statt weiterer Erhöhungen Antrag Fraktion AfD - Drs. 8/4890 Alternativantrag Fraktion Die Linke - Drs. 8/4924
Fundort
Plenarprotokoll 8/79, TOP 6
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/079stzg.pdf
Beleg-ID
fs-ener-0949 · Absatz aus fs-ener-abs-0095

Kodierte sprachliche Mittel

Wohlstand / Standort (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Wohlstand / Standort (Argumentationsmuster): Vorbeugend zu wappnen heißt hier: einem Publikum den Blick für die fehlende Rechnung schärfen, bevor die nächste Standort-Warnung fällt — erklärend, ohne die Sorge der Zuhörer um Arbeit und Auskommen kleinzureden, denn diese Sorge ist echt und verdient es, ernst genommen zu werden; geprüft gehört nur ihr politischer Gebrauch. Der Schlüssel ist die Unterscheidung zwischen Rechnung und Drohung. Eine Rechnung nennt Zahlen, Annahmen, Gegenposten und lässt sich nachprüfen; eine Drohung nennt nur das Ergebnis. Wo aus einer Detailfrage der Justiz ein »handfester Standortnachteil« wird, lohnt die ruhige Nachfrage: Welches Unternehmen hat wegen der Vollstreckungsquote einen Standort verworfen — gibt es dafür einen einzigen Fall? Ebenso wichtig ist die zweite Spalte der Abwägung: Was kostet das Unterlassen, was der Schaden am Ruf, was die Unsicherheit, die man sich mit vermeintlicher Sparsamkeit einkauft? Ein gemeinsamer Wert lässt sich dabei ausdrücklich anerkennen: Niemand will Wohlstand verspielen — strittig ist nur, ob er wirklich auf dem Spiel steht und ob es sonst nichts gibt, das zählt. Hilfreich ist schließlich der Generalschlüssel-Test: Wenn dasselbe Argument gegen jede beliebige Maßnahme funktioniert — gegen eine Justizreform wie gegen Außenpolitik —, dann prüft es nicht mehr, sondern blockiert nur. Immunisieren heißt, dem Publikum diese einfache Probe mitzugeben: Wer vom Standort redet, soll die Rechnung zeigen. Wo keine ist, war es keine Warnung, sondern ein Schlagwort. · Der Konter verfolgt ein anderes Ziel als das vorbeugende Erklären: Im Moment der Konfrontation steht eine konkrete Wohlstands-Drohung im Raum, und das Publikum soll in Echtzeit sehen, dass sie ohne Substanz auftritt — direkter, zugespitzter, an der Aussage statt am Muster. Erste Wahl ist die Nachfrage nach der Rechnung: »Sie sagen, das gefährdet den Standort — um wie viel? Welche Studie, welcher Fall, welche Zahl?« Bleibt die Antwort aus, ist der Konter schon gelungen — das Publikum hat gesehen, dass hinter der Warnung keine Kalkulation steht. Die zweite Bewegung öffnet die Einbahn-Abwägung: Wer nur aufzählt, was eine Maßnahme kostet, dem lässt sich die Gegenspalte hinstellen — was kostet das Unterlassen? Werden Waffenlieferungen allein »angesichts des drohenden Wohlstandsverlustes« verworfen, liegt die Rückfrage nahe, was in dieser Rechnung aus Sicherheit und Verlässlichkeit geworden ist. Entscheidend bleibt, sich nicht in Detailrechnungen ziehen zu lassen, die der andere selbst nie aufgemacht hat — wer Standortfaktoren aufzurechnen beginnt, hat die Prämisse übernommen, alles andere zähle nicht. Stärker ist, die Prämisse zu benennen: »Sie behandeln Wohlstand als das einzige Argument. Es gibt Dinge, die sich eine Demokratie etwas kosten lässt — welche wären das bei Ihnen?« Und eine Falle gilt es zu meiden: die Sorge ums Auskommen zu belächeln — wer die Angst um den Arbeitsplatz verspottet, verliert genau die Zuhörer, um die es geht. Der Konter steht, wenn sichtbar wurde: Hier wurde nicht gerechnet, hier wurde gedroht. · Vorbeugen heißt hier: den Blick für die fehlende Rechnung schärfen, bevor die nächste Standort-Warnung fällt. Erklärend — und ohne die Sorgen der Zuhörer kleinzureden. Die Sorge um Arbeit und Auskommen ist echt und verdient Ernst. Geprüft werden muss nur ihr politischer Gebrauch. Der Schlüssel ist ein einfacher Unterschied: Rechnung oder Drohung? Eine Rechnung nennt Zahlen, Annahmen, Gegenposten. Man kann sie nachprüfen. Eine Drohung nennt nur das Ergebnis. Wo aus einer Detailfrage der Justiz ein »handfester Standortnachteil« wird, hilft die ruhige Nachfrage: Welche Firma hat deshalb einen Standort abgelehnt? Gibt es einen einzigen Fall? Genauso wichtig ist die zweite Spalte der Rechnung: Was kostet das Nichtstun? Was kostet der Schaden am Ruf? Was die Unsicherheit, die man sich mit vermeintlicher Sparsamkeit einkauft? Einen gemeinsamen Wert darf man dabei ruhig aussprechen: Niemand will Wohlstand verspielen. Strittig ist nur, ob er wirklich auf dem Spiel steht — und ob sonst nichts zählt. Zum Schluss der Generalschlüssel-Test: Wirkt dasselbe Argument gegen jede beliebige Maßnahme? Gegen eine Justizreform genauso wie gegen Außenpolitik? Dann prüft es nichts mehr. Dann blockiert es nur. Diese Probe kann jeder mitnehmen: Wer vom Standort redet, soll die Rechnung zeigen. Wo keine ist, war es keine Warnung — nur ein Schlagwort. · Im direkten Streit ist das Ziel: Das Publikum soll sofort sehen, dass die Wohlstands-Drohung ohne Substanz auftritt. Direkter als beim Vorbeugen, aber immer an der Aussage — nie an der Person. Erste Wahl ist die Frage nach der Rechnung: »Sie sagen, das gefährdet den Standort — um wie viel? Welche Studie, welcher Fall, welche Zahl?« Bleibt die Antwort aus, ist der Konter schon gelungen. Alle haben gesehen: Hinter der Warnung steht keine Kalkulation. Der zweite Zug öffnet die einseitige Rechnung. Wer nur aufzählt, was eine Maßnahme kostet, bekommt die Gegenspalte hingestellt: Was kostet das Unterlassen? Werden etwa Waffenlieferungen allein »angesichts des drohenden Wohlstandsverlustes« verworfen, liegt die Rückfrage nahe: Und was wird in dieser Rechnung aus Sicherheit und Verlässlichkeit? Wichtig: sich nicht in Detail-Rechnungen ziehen lassen, die der andere selbst nie aufgemacht hat. Wer anfängt, Standortfaktoren aufzurechnen, akzeptiert die stille Annahme, sonst zähle nichts. Stärker ist, genau diese Annahme zu benennen: »Sie behandeln Wohlstand als das einzige Argument. Es gibt Dinge, die sich eine Demokratie etwas kosten lässt — welche wären das bei Ihnen?« Eine Falle zum Schluss: Sorgen ums Geld nie belächeln. Wer die Angst um den Arbeitsplatz verspottet, verliert genau die Zuhörer, um die es geht. Der Konter steht, wenn klar wurde: Hier wurde nicht gerechnet. Hier wurde gedroht.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung stellt zwei Pole gegeneinander: das »Wohlwollen der Wettergötter« als Sinnbild für Willkür und Zufall, und die »industrielle Wirtschaft«, die auf Verlässlichkeit angewiesen sei. Die eigentliche energiepolitische Frage – welcher Mix aus erneuerbaren und anderen Quellen, welche Speicher- und Netzlösungen Versorgungssicherheit schaffen – verschwindet hinter dem Spottbild. So wird aus einer Abwägung eine Glaubensfrage, und es zählt nur eine Seite der Rechnung: was der Umbau kostet, nicht was das Festhalten am Alten kostet.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich brauche kein einziges Argument gegen die CO2-Bepreisung, wenn ich das Bild nur witzig genug setze. Wer erneuerbare Energien nennt, dem hänge ich das Wort »Wettergötter« an – schon klingt jede Windkraftanlage nach Aberglauben, nicht nach Technik. Ich rechne nichts vor: keine Zahl zu Netzausbau, Speichern oder Versorgungssicherheit, denn eine Rechnung könnte widerlegt werden, ein Spott nicht. Ich lasse offen, worauf die Wirtschaft sich stattdessen verlassen soll – Hauptsache, es klingt nach der einzig vernünftigen Alternative zur Willkür des Wetters. Und ich zähle nur eine Seite der Rechnung: was Klimapolitik kostet, nie, was ihr Ausbleiben kostet.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Die Angst um den Job im Schichtbetrieb bekommt eine Erklärung, die Kontrolle verspricht: Nicht ein unüberschaubares Energiesystem trägt die Schuld, sondern eine einzige benennbare Fehlentscheidung — das ›Wetterglück‹, dem man sich ausliefert.

Für den, der ihn sagt: Der Satz verschafft mit dem Bild der ›Wettergötter‹ Zustimmung ohne Lieferpflicht: Wer es übernimmt, muss keinen Systemvergleich vorlegen — der gesamte Umbau der Energieversorgung gilt schon als Leichtsinn, bevor eine Zahl fiel.

Die Bilanz: Verengt wird auf Wetterglück oder Festhalten am Alten; was ein modernes Netz aus mehreren Quellen sichert und was das Weitermachen mit fossiler Energie selbst kostet, bleibt unbeziffert — der Job im Chemiepark ist damit nicht sicherer.

Ausgearbeitete Gegenrede

Das Zitat tut so, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: sich dem »Wohlwollen der Wettergötter« ausliefern oder an der alten Energiepolitik festhalten. Ein modernes Stromnetz verlässt sich aber nicht auf gutes Wetter – es kombiniert Windkraft, Sonne, Speicher, Backup-Kraftwerke und Netzausbau, damit auch bei Flaute Strom fließt. Und die Rechnung zählt nur eine Seite: Was der Umbau kostet, wird genannt – was es kostet, bei fossiler Energie und ihren schwankenden Weltmarktpreisen zu bleiben, verschweigt der Satz.

Dass eine Industrie verlässlichen Strom braucht, ist wahr – darüber streitet niemand. Aber schauen Sie sich das Bild genau an: Es soll sich für seinen Wohlstand angeblich auf das ›Wohlwollen der Wettergötter‹ verlassen. Das klingt nach Glücksspiel – dabei ist ein modernes Energiesystem genau das Gegenteil von Glück. Es kombiniert mehrere Quellen, Speicher und Leitungen, damit die Anlage auch läuft, wenn gerade kein Wind weht. Wer nur die Kosten des Umbaus nennt, aber nie die Kosten des Weitermachens, hat schon vorher entschieden, welche Antwort herauskommen soll. Wovor genau will das Bild eigentlich ablenken?

Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

Begriffe in dieser Aussage

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