Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Robert Farle (AfD)

„Die heutigen hoch bezahlten Forscher des Weltklimarates sind Hohepriester, die ihre pseudowissenschaftlichen Dogmen als in Stein gemeißelte Wahrheit verkündigen. Greta Thunberg ist die neue Klimaheilige, die vorgeschoben wird.“

Quelle

Sprecher
Robert Farle (AfD)
Datum
2019-05-24
Quelle
Stenografischer Bericht 7/73 — Tagesordnungspunkt 9
Fundort
Plenarprotokoll 7/73, TOP 9
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/073stzg.pdf
Beleg-ID
fs-ener-1006

Kodierte sprachliche Mittel

DelegitimierenKampfbegriff

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung überträgt religiöses Vokabular auf Klimawissenschaft und -engagement — »Hohepriester«, »Dogmen«, »in Stein gemeißelt«, »Klimaheilige« — und rahmt damit rationale Argumentation und politisches Engagement als irrationalen Kult. Durch diese Sakralisierungs-Spott-Technik wird Greta Thunberg nicht als Aktivistin, sondern als Kultfigur delegitimiert, ohne dass ein einziges inhaltliches Argument gegen Klimaforschung oder ihre Position vorgebracht werden muss.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich muss nicht widerlegen, was Klimaforscher sagen — ich muss es nur lächerlich machen. Also spreche ich nicht von Studien und Daten, sondern von »Hohepriestern« und »Dogmen«, die »in Stein gemeißelt« seien. Wer das hört, denkt an blinden Glauben, nicht an Peer-Review. Und Greta Thunberg mache ich vollends unangreifbar unangreifbar — nicht durch ein Gegenargument, sondern indem ich sie zur »Klimaheiligen« erkläre, die »vorgeschoben« wird. Damit unterstelle ich zugleich, sie sei eine Marionette, kein eigenständiger Akteur, und ihr Engagement sei bloß inszenierter Kult. So kann ich jede klimapolitische Position als religiösen Fanatismus abtun, ohne mich je auf die eigentliche wissenschaftliche Frage einlassen zu müssen.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung überträgt religiöses Vokabular auf Wissenschaftler des Weltklimarates und ersetzt damit den Streit über Forschungsergebnisse durch einen Streit über Glaubenssätze. »Hohepriester« und »Klimaheilige« machen aus überprüfbaren Aussagen ein Dogma, das man nicht widerlegen, sondern nur ablehnen kann; die Einordnung als »pseudowissenschaftlich« erspart die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Befunden. So wird wissenschaftlicher Konsens als Kult delegitimiert, ohne ein einziges Argument gegen dessen Inhalt vorzubringen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nehme den Wortschatz der Kirche und stülpe ihn über Leute in weißen Kitteln — dann muss ich nicht mehr über Messdaten reden, sondern nur noch über Dogmen, und Dogmen darf man ablehnen, ohne sie zu widerlegen. »Hohepriester« macht aus Fachleuten eine Kaste, die niemandem Rechenschaft schuldet außer sich selbst; »in Stein gemeißelt« unterstellt Starrheit, wo eigentlich Forschung Ergebnisse laufend prüft und revidiert. Dass die Forscher »hoch bezahlt« sind, werfe ich noch dazu — jetzt klingt es nach Selbstbedienung, nicht nach Erkenntnisarbeit. Und mit Greta Thunberg als »Klimaheilige« ziehe ich die ganze Bewegung ins Religiöse: Heilige verehrt man blind, ihnen widerspricht man nicht mit Fakten, sondern mit Häresie-Vorwurf — genau das mache ich gerade. Wer mir zuhört, muss über meine Behauptungen gar nicht mehr nachdenken; er hat schon das Bild eines Kults im Kopf, bevor eine einzige Zahl gefallen ist.

Begriffe in dieser Aussage

Weitere Fundstellen zum Thema klima