Belegte Aussage — AfD Sachsen-Anhalt (Landesverband)
„Immer mehr Kinder leiden unter einer sogenannten „Geschlechtsdysphorie", also einer Störung, sich nicht mit dem eigenen Geschlecht identifizieren zu können.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffDramatisieren / DammbruchSprachkritische Analyse
Die Formulierung setzt die anerkannte ICD-11-Diagnose Geschlechtsdysphorie in Distanzierungs-Anführungszeichen und stellt ihr das Signalwort „sogenannte" voran, wodurch die medizinische Legitimität der Diagnose implizit bezweifelt wird, ohne dass dafür eine Begründung geliefert würde. Zugleich ersetzt der Satz die klinische Diagnose durch die laienhaft-pathologisierende Umschreibung „Störung, sich nicht mit dem eigenen Geschlecht identifizieren zu können" und rahmt das Phänomen mit „Immer mehr Kinder leiden" als wachsende Bedrohungslage.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich setze die Diagnose in Anführungszeichen und schiebe „sogenannte" davor — das genügt, um Zweifel zu säen, ohne dass ich eine einzige Studie widerlegen müsste. Wer die Anführungszeichen liest, hört: Das ist nicht wirklich real, das behaupten nur andere. Gleichzeitig ersetze ich den Fachbegriff durch mein eigenes Wort dafür, eine „Störung, sich nicht mit dem eigenen Geschlecht identifizieren zu können" — schlichter, kränker klingend, näher an Defekt als an Diagnose. Mit „immer mehr Kinder leiden" mache ich aus einer medizinischen Kategorie eine Epidemie, gegen die man etwas unternehmen muss. So brauche ich die Fachwelt nie explizit anzugreifen — die Anführungszeichen erledigen die Delegitimierung leise, und wer sie bemerkt, kann mir nie vorwerfen, ich hätte etwas „geleugnet".