Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Gordon Köhler (AfD)

„Zur Wahrheit gehört aber auch - „Bildung elementar“ war bereits ein Thema -, dass wir im frühkindlichen Bereich bereits jetzt eine ideologische Schlagseite haben.“

Quelle

Sprecher
Gordon Köhler (AfD)
Datum
2025-01-23
Quelle
Stenografischer Bericht 8/83 — Erste Beratung Voraussetzung für Bildungsgerechtigkeit vor der Einschulung schaffen: Landesweite Sprachstandserhebung un
Fundort
Plenarprotokoll 8/83
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/083stzg.pdf
Beleg-ID
fs-fami-0316 · Absatz aus fs-fami-abs-0062

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffDelegitimieren

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung überträgt das Bild der »Schlagseite« aus der Schifffahrt — eine gefährliche Schräglage, die zum Kentern führen kann — auf den frühkindlichen Bildungsbereich. Sie suggeriert eine akute, objektiv messbare Schieflage, ohne einen einzigen Bildungsinhalt zu benennen oder zu widerlegen, und delegitimiert so pauschal demokratische Bildungsarbeit als Ganzes.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich brauche kein einziges Beispiel, keinen Lehrplan, keine konkrete Handreichung, die ich kritisieren müsste — das Bild tut die Arbeit für mich. »Schlagseite« ruft ein Schiff auf, das kentert, wenn niemand eingreift, und wer würde da nicht zustimmen, dass man gegensteuern muss? So klingt meine Behauptung nach nüchterner Sicherheitswarnung, nicht nach politischem Angriff. Was »ideologisch« hier eigentlich meint, sage ich nicht — es genügt, dass das Wort im Ohr der Zuhörer schon eine Anklage ist. Ich muss nichts beweisen, ich muss nur die Schräglage behaupten, dann erledigt die Metapher den Rest: Wer widerspricht, verteidigt scheinbar eine Schieflage, die er gerade erst zugeben musste zu prüfen.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Die diffuse Sorge um die Bildung der eigenen Kinder bekommt ein plastisches Bild: eine ›Schlagseite‹, die zum Kentern führen kann. Das fühlt sich nach berechtigter Wachsamkeit an, ohne dass ein einziger Lehrplaninhalt bekannt sein müsste.

Für den, der ihn sagt: Das Bild erspart jeden konkreten Beleg — wer die frühkindliche Bildung insgesamt unter Verdacht stellt, muss keinen Lehrplan nennen, gewinnt aber die Zustimmung derer, die dem Gefühl der Schräglage bereits vertrauen.

Die Bilanz: Ohne dass ein einziger Bildungsinhalt benannt worden wäre, verengt sich das Vertrauen in frühkindliche Bildungseinrichtungen insgesamt auf einen unbestimmten Verdacht — und wer die Schlagseite zuerst benannt hat, gewinnt die Rolle des Warners. Welcher Inhalt konkret gemeint ist, bleibt offen.

Begriffe in dieser Aussage

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