Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Gordon Köhler (AfD)

„eine Kindheit frei von perverser Pseudoaufklärung und unredlicher Beeinflussung, frei von fast schon pathologischem Queer- und Transunsinn, mit dem sie permanent belästigt werden, frei von Anpassungsdruck, frei von Gesinnungsdruck in den Schulen“

Quelle

Sprecher
Gordon Köhler (AfD)
Datum
2022-11-17
Quelle
Stenografischer Bericht 8/29 — Beratung Zeit für einen spürbaren „Wumms“ für Kinder und Jugendliche
Fundort
Plenarprotokoll 8/29
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/029stzg.pdf
Beleg-ID
fs-fami-0338 · Absatz aus fs-bild-abs-0209

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffDramatisieren / DammbruchKultur & Identität (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Dramatisieren / Dammbruch: Die behauptete Kette Schritt für Schritt prüfen und die Gegenkräfte benennen, die sie stoppen — den Katastrophen-Rahmen dabei nicht nacherzählen, sondern nüchtern verkleinern. · Führt wirklich jeder Schritt zwingend zum nächsten — und welche Kräfte würden die Kette längst stoppen? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Kultur & Identität (Argumentationsmuster): Diese Antwort wappnet vorbeugend — sie richtet sich nicht an den Sprecher einer bereits gefallenen Parole, sondern an ein Publikum, das die Behauptung von unvereinbaren Kulturen noch nicht durchschaut hat; deshalb erklärt sie ruhig, statt zu widerlegen, und setzt unschlüssige Zuhörer nicht mit der Parole gleich. Der Ansatzpunkt ist die stillschweigende Prämisse: Wer nur unter engen Bedingungen von »echte Integration, also Assimilation, gelingt« spricht, unterstellt, es gebe nur eine Richtung der Anpassung — die der Zugewanderten an eine unveränderliche Mehrheitskultur. Tatsächlich verändern sich Gesellschaften mit Zuwanderung in beide Richtungen, graduell und über Generationen; das ist der historische Normalfall, den auch Deutschland selbst durchlaufen hat. Genau hier setzt eine sokratische Nachfrage an: »Welche eigene Gewohnheit, welchen eigenen Umgangston hat sich denn in den letzten dreißig Jahren verändert — war das schon Identitätsverlust?« Diese Frage zwingt, die Leerstelle offenzulegen, statt sie mit Statistik zu kontern — wer Zahlen gegen das Gefühl von Heimatverlust setzt, akzeptiert bereits deren Nullsummen-Logik und hat schon verloren. Zugleich lohnt der Appell an einen konkreten gemeinsamen Wert: Wer in Sachsen-Anhalt lebt, kennt selbst mehrere Kulturschichten in der eigenen Biografie — Herkunftsregion, DDR-Sozialisation, Nachwende-Umbrüche —, ohne dass daraus ein Identitätsverlust wurde. Wo das Bild von »kulturfremden« Menschen fällt, lohnt sich die ruhige Übersetzung: Das Wort markiert eine Grenze, keine Beschreibung, und diese Grenze lässt sich benennen, ohne die Person, die sie zieht, damit schon zur Gegnerin zu erklären. Wer so fragt und übersetzt, nimmt der Prämisse die Selbstverständlichkeit, ohne die Tür zuzuschlagen — anders als das Kontern, das auf offene Konfrontation im Moment selbst zielt. · Diese Antwort wirkt im Moment der Konfrontation — anders als das Immunisieren geht es nicht darum, ein Publikum zu wappnen, sondern die Behauptung live zu entlarven; deshalb darf sie schärfer sein, muss aber die Person von der Parole trennen und nicht in Empörung kippen, die der Sprecher als Opferrolle verbuchen würde. Der wirksamste Hebel ist, die Technik zu benennen: Wer verlangt, Eingebürgerte müssten »seine alte Identität loslassen«, formuliert keine Beschreibung, sondern eine Bedingung — offenzulegen, statt über die Dosierung zu diskutieren, wie viel »Identität« man denn noch behalten dürfe. Wer darüber verhandelt, hat die Prämisse längst akzeptiert; das ist die Falle. Stattdessen lohnt der direkte Widerspruch: Kultur ist keine Substanz, die man vollständig besitzt oder verliert, sondern ein Zusammenspiel aus Sprache, Alltag, Recht und Gewohnheit, das sich laufend neu mischt — auch innerhalb einer als homogen imaginierten Mehrheitsgesellschaft. Konkret zeigt sich das an »kulturfremde Hilfsarbeiter und Versorgungsmigranten«: Der Ausdruck tut so, als beschreibe er Berufe, transportiert aber eine Zugehörigkeitsgrenze — benennbar mit: »Sie sprechen von Hilfsarbeit, meinen aber Herkunft.« Auch wo Menschen »in ihrem Kulturraum verbleiben« sollen: keine Analyse, sondern Grenzziehung im Gewand der Ortsbeschreibung. Wo dieselbe Setzung sich als bloße Feststellung tarnt — »Es entstehen Parallelgesellschaften. Das ist kein negativer Unterton; das ist einfach so« —, hilft die Rückfrage: »Warum betonen Sie dann, dass es keiner sei?« Ein klarer Satz zieht die Grenze: »Kulturen, die sich nicht verändern dürften, hätte es nie gegeben — auch unsere nicht.« Wer so kontert, entzieht der Behauptung ihre Tarnung als Tatsachenfeststellung, ohne selbst auf ihrem Boden weiterzustreiten. · Vorbeugen heißt: Ein Publikum stark machen, das die Behauptung von unvereinbaren Kulturen noch nicht durchschaut hat. Es richtet sich nicht an den, der die Parole schon gesagt hat. Deshalb erklärt dieser Text ruhig, statt zu widerlegen — und setzt unschlüssige Zuhörer nicht mit der Parole gleich. Der Ansatzpunkt ist die stille Annahme dahinter: Wer nur unter engen Bedingungen von »echte Integration, also Assimilation, gelingt« spricht, unterstellt: Es gebe nur eine Richtung der Anpassung — die der Zugewanderten an eine Mehrheitskultur, die sich selbst nie verändert. Tatsächlich verändern sich Gesellschaften mit Zuwanderung in beide Richtungen. Langsam, über Generationen. Das ist der normale Fall in der Geschichte — auch Deutschland selbst hat das durchgemacht. Genau hier hilft eine einfache Frage: »Welche eigene Gewohnheit, welchen eigenen Umgangston hat sich denn in den letzten dreißig Jahren verändert — war das schon Identitätsverlust?« Diese Frage zwingt dazu, die Lücke im Argument offenzulegen — statt mit Statistik dagegenzuhalten. Wer Zahlen gegen ein Gefühl von Heimatverlust setzt, akzeptiert bereits dessen Nullsummen-Logik und hat schon verloren. Auch ein Appell an einen gemeinsamen Wert lohnt sich: Wer in Sachsen-Anhalt lebt, kennt selbst mehrere Kulturschichten in der eigenen Biografie — Herkunftsregion, DDR-Zeit, die Umbrüche nach der Wende —, ohne dass daraus ein Identitätsverlust wurde. Fällt das Wort »kulturfremden«, lohnt sich die ruhige Übersetzung: Das Wort markiert eine Grenze, keine Beschreibung. Und diese Grenze lässt sich benennen, ohne die Person, die sie zieht, gleich zur Gegnerin zu erklären. Wer so fragt und übersetzt, nimmt der Annahme ihre Selbstverständlichkeit — ohne die Tür zuzuschlagen. Das unterscheidet diesen Weg vom Kontern, das auf offenen Widerspruch im Moment selbst zielt. · Kontern wirkt im Moment der Konfrontation. Anders als beim Vorbeugen geht es nicht darum, ein Publikum stark zu machen, sondern die Behauptung sofort zu entlarven. Deshalb darf der Ton schärfer sein — muss aber die Person von der Parole trennen und darf nicht in Empörung kippen. Empörung würde der Sprecher nur als Opferrolle verbuchen. Der stärkste Hebel: die Technik benennen. Wer verlangt, Eingebürgerte müssten »seine alte Identität loslassen«, beschreibt nichts — er stellt eine Bedingung. Das offenzulegen ist wichtiger, als über die Dosierung zu streiten: wie viel »Identität« man denn noch behalten dürfe. Wer darüber verhandelt, hat die Annahme dahinter schon akzeptiert — das ist die Falle. Besser ist der direkte Widerspruch: Kultur ist keine Substanz, die man ganz besitzt oder ganz verliert. Sie ist ein Zusammenspiel aus Sprache, Alltag, Recht und Gewohnheit, das sich laufend neu mischt — auch innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft, die sich selbst für einheitlich hält. Konkret zeigt sich das an »kulturfremde Hilfsarbeiter und Versorgungsmigranten«: Der Ausdruck tut so, als beschreibe er Berufe. Tatsächlich zieht er eine Grenze der Zugehörigkeit — benennbar mit: »Sie sprechen von Hilfsarbeit, meinen aber Herkunft.« Auch wo Menschen »in ihrem Kulturraum verbleiben« sollen: keine Analyse, sondern eine Grenzziehung im Gewand einer Ortsbeschreibung. Wo dieselbe Setzung sich als reine Feststellung tarnt — »Es entstehen Parallelgesellschaften. Das ist kein negativer Unterton; das ist einfach so« —, hilft die Rückfrage: »Warum betonen Sie dann, dass es keiner sei?« Ein klarer Satz zieht die Grenze: »Kulturen, die sich nicht verändern dürften, hätte es nie gegeben — auch unsere nicht.« Wer so kontert, nimmt der Behauptung ihre Tarnung als Tatsache — ohne selbst auf ihrem Boden weiterzustreiten.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung hängt der schulischen Aufklärungsarbeit zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt das Präfix »Pseudo-« an und behauptet damit, ohne es zu belegen, deren Unseriosität. Kombiniert mit »pervers«, »pathologisch« und »Queer- und Transunsinn« wird der Gegenstand nicht argumentativ widerlegt, sondern über Ekel- und Krankheitsvokabular disqualifiziert. So erscheint jede Beschäftigung mit Vielfalt in der Schule von vornherein als Übergriff, dem Kinder »frei« werden müssen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich stelle das Wort »Pseudo-« vor die Aufklärung und habe damit schon gewonnen, ohne ein einziges Argument liefern zu müssen — wer »Pseudoaufklärung« hört, denkt automatisch: also keine echte. Dass ich daneben »pervers«, »pathologisch« und »Unsinn« setze, ist kein Zufall, sondern Dauerfeuer aus derselben Richtung: jedes einzelne Wort für sich wäre angreifbar, in der Häufung wirken sie wie ein Urteil, das längst gefällt ist. Ich muss nicht erklären, was an der Aufklärung falsch sein soll — ich muss nur genug Ekel- und Krankheitsvokabular aneinanderreihen, damit niemand mehr auf die Idee kommt, nachzufragen, worum es inhaltlich überhaupt geht. Und mit »frei von« male ich das Bild einer Befreiung: die Schule als Ort der Belästigung, aus dem die Kinder erlöst werden müssen. Wer das nachspricht, hat nicht über Sexualpädagogik geurteilt, sondern über eine Karikatur, die ich selbst gemalt habe.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung verschmilzt das Präfix »Trans« mit dem abwertenden Suffix »-unsinn« zu einem Kunstwort, das die gesellschaftliche und schulische Auseinandersetzung mit Geschlechtsidentität nicht benennt, sondern vorab als Widersinn disqualifiziert. Flankiert vom Krankheitsvokabular »pathologisch« und von »perverser Pseudoaufklärung«, rückt sie das Thema in die Nähe von Übergriff und Störung und macht so aus einem Bildungsgegenstand ein Kinderschutzproblem, über das nicht mehr argumentiert, sondern nur noch alarmiert werden muss.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich verschmelze »Trans« einfach mit »-unsinn« und schon brauche ich kein Argument mehr — das Wort urteilt für mich. Wer künftig über Geschlechtsidentität in der Schule spricht, redet in meiner Sprache automatisch über »Unsinn«, nicht über ein Thema, das man ernsthaft behandeln könnte. Damit das sitzt, hänge ich »pathologisch« davor: jetzt klingt es nicht nach Bildungsplan, sondern nach Befund, nach etwas Krankem, das man Kindern nicht zumuten darf. Und weil ich es in einem Atemzug mit »perverser Pseudoaufklärung« und »Belästigung« nenne, wird aus der Debatte ein Übergriff auf Kinder — wer da widerspricht, verteidigt scheinbar keine pädagogische Position mehr, sondern die Belästigung selbst. So erledige ich das Thema, ohne ein einziges Argument gegen seine Behandlung im Unterricht vorbringen zu müssen.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung reiht reguläre Bildungsinhalte — Werteerziehung, Sensibilisierung für Diskriminierung — in eine Kaskade aus Krankheits- und Belästigungsvokabular („perverse Pseudoaufklärung“, „pathologischer … Unsinn“, „Anpassungsdruck“) ein und schließt sie mit „Gesinnungsdruck“ ab, einem Begriff aus dem Diktatur-Wortfeld. So wird schulische Demokratiebildung nicht als Lerninhalt, sondern als autoritäre Indoktrination gerahmt, gegen die ein Kind angeblich „befreit“ werden muss.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich reihe vier Dinge hintereinander, die nichts miteinander zu tun haben, aber im selben Ton klingen sollen: perverse Aufklärung, pathologischer Unsinn, Anpassungsdruck, Gesinnungsdruck. Der letzte Begriff ist der Hammer — er ruft die Diktatur auf, ohne dass ich sie nennen muss. Wer „Gesinnung“ hört, denkt an Gesinnungsprüfung, an Systeme, die vorschreiben, was man zu denken hat. Dass es in Wahrheit um Werteerziehung und Diskriminierungssensibilisierung geht, sage ich nicht — das würde harmlos klingen, fast schon selbstverständlich. Stattdessen mache ich aus der Schule eine Zwangsanstalt und aus dem Kind ein Opfer, das ich „befreien“ will. Wer mir widerspricht, verteidigt scheinbar Druck auf Kinder.

Begriffe in dieser Aussage

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