Belegte Aussage — Thomas Höse (AfD)
„Es können also nur Staatsbürgerkunde-2.0-geschulte Antifa-affine Jugendliche sein, die nur gelehrt bekommen haben, Forderungen zu stellen, Forderungen gegenüber allem und jedem, gegenüber ihrem Land und der Gesellschaft, oder solche, die sich gern aus der kostenlosen praxisorientierten Beteiligungstasche des KJR bedienen und schon einmal gern sprühen, kleben, schmieren oder Lärm ausüben“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffPauschalisierenKultur & Identität (Argumentationsmuster)Sprachkritische Analyse
Die Formulierung koppelt einen DDR-belasteten Begriff — »Staatsbürgerkunde«, das Fach zur ideologischen Erziehung im Sinne der SED — mit dem Suffix »2.0« an heutige, pluralistische Demokratie- und Beteiligungsbildung und suggeriert so eine Kontinuität von SED-Indoktrination zu aktueller politischer Bildung. Für Zuhörer mit DDR-Sozialisation wirkt der Begriff als Signalwort, das die eigentliche inhaltliche Auseinandersetzung mit Jugendbeteiligung durch einen historischen Angst-Reflex ersetzt. Gleichzeitig pauschalisiert der Satz eine ganze Gruppe engagierter Jugendlicher als bloßes Produkt dieser unterstellten Indoktrination, statt ihre Forderungen inhaltlich zu würdigen oder zu widerlegen.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich brauche kein Argument gegen Jugendbeteiligung, ich brauche nur ein Wort, das bei den Richtigen einen alten Schmerz auslöst. »Staatsbürgerkunde« kennt jeder, der die DDR-Schule durchlaufen hat — Fahnenappell, Pflichtfach, SED-Katechismus. Wenn ich »2.0« dranhänge, muss ich nicht mehr erklären, was an heutiger Demokratiebildung angeblich falsch ist: das Wort erledigt die Gleichsetzung von selbst, unhörbar für die einen, sofort verstanden von den anderen. Und weil ich die Jugendlichen gleich als »Antifa-affin« und bloß »geschult« beschreibe, muss ich ihre Forderungen nie beim Namen nennen — sie sind ja nur das Ergebnis einer Indoktrination, keine eigene Position. So spare ich mir jede inhaltliche Auseinandersetzung und liefere stattdessen ein Reizwort, das für sich allein die Erregung übernimmt.
Sprachkritische Analyse
Die Formulierung überträgt die DDR-Assoziation »Staatsbürgerkunde« auf heutige Demokratiebildung und suggeriert damit eine Kontinuität von SED-Ideologieunterricht zu gegenwärtiger Jugendarbeit, ohne dafür einen inhaltlichen Beleg zu liefern. Zugleich pauschalisiert sie von einer konkreten Protestform (Sprühen, Kleben, Lärm) auf eine ganze Gruppe engagierter Jugendlicher, die dadurch als fremdgesteuert statt als eigenständig politisch urteilend erscheinen. So wird demokratisches Engagement selbst zum Verdachtsmoment.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich hänge an eine Gruppe engagierter Jugendlicher ein Wort, das jeder in diesem Land sofort mit Bespitzelung und Gleichschaltung verbindet — »Staatsbürgerkunde«, nur mit der Zahl »2.0« versehen, damit klar ist: dasselbe Prinzip, bloß moderner verpackt. Ich muss nicht erklären, was an der heutigen Demokratiebildung konkret DDR-artig sein soll, das Wort erledigt die Arbeit für mich. Wer diesen Jugendlichen zuhört, hört ab jetzt keine eigene Überzeugung mehr, sondern nur noch »geschulte« Wiederholung — ihr Engagement wird zur Dressur erklärt, ihre Kritik zur Ferngesteuertheit. Und weil ich das mit den paar Sprayern und Klebern verknüpfe, kann ich stillschweigend von Einzelnen auf alle schließen: wer sich beteiligt, ist verdächtig, wer fordert, ist indoktriniert. So spare ich mir jede Auseinandersetzung mit dem, was diese jungen Leute tatsächlich sagen.
Was diese Aussage leistet
Für den, der ihn hört: Der alte Schmerz der DDR-Sozialisation bekommt eine Bestätigung: heutige Demokratiebildung klingt plötzlich wie das alte Fach ›Staatsbürgerkunde‹. Das erspart das Nachdenken über aktuelle Jugendbeteiligung — verstanden ist damit nichts, nur wiedererkannt.
Für den, der ihn sagt: Der Satz muss die Forderungen engagierter Jugendlicher nicht inhaltlich widerlegen: Das historische Reizwort ›Staatsbürgerkunde 2.0‹ erklärt sie pauschal zu fremdgesteuerter Dressur und gewinnt Ablehnung, ohne eine eigene Position zu Jugendbeteiligung liefern zu müssen.
Die Bilanz: Ohne dass eine einzige Forderung dieser Jugendlichen geprüft worden wäre, gilt ihr Engagement als bloße Schulung — was sie tatsächlich fordern und warum, bleibt unbeantwortet, während der Verdacht der Fremdsteuerung bestehen bleibt.