Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„Indem Sie die Familie mit allen Formen des Zusammenlebens auf eine Stufe stellen, bekämpfen Sie keine echte Diskriminierung, sondern betreiben einfach nur eine kopflose, radikale Gleichmacherei, und das läuft dann bei Ihnen unter Vielfalt.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffSprachkritische Analyse
Die Formulierung setzt vor Diskriminierung das Adjektiv »echte« und schafft damit stillschweigend eine Kategorie der »unechten« Diskriminierung, die real dokumentierte Benachteiligung relativiert, ohne dass ein Kriterium für diese Unterscheidung genannt wird. Zugleich wird die Gleichstellung verschiedener Familien- und Lebensformen als »kopflose, radikale Gleichmacherei« diskreditiert, wodurch der politische Begriff »Vielfalt« semantisch umgedeutet und abgewertet wird. So erscheint der Sprecher als nüchterner Verteidiger echter Anliegen gegen eine ideologisch übertriebene Gegenseite.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich sage nicht, dass es keine Diskriminierung gibt — das wäre zu angreifbar. Ich schiebe nur das Wort »echte« davor, und schon habe ich eine zweite, unechte Sorte geschaffen, die ich nie beweisen muss, weil sie schon in der Wortwahl mitschwingt. Wer jetzt widerspricht, muss erst meine Unterscheidung akzeptieren, bevor er überhaupt zur Sache kommt. Die Gleichstellung verschiedener Lebensformen nenne ich »kopflose, radikale Gleichmacherei« — ein Bild von Kopflosigkeit und Radikalität, das jede sachliche Begründung dafür im Vorfeld lächerlich macht. Und »Vielfalt«, das eigentlich für Anerkennung steht, drehe ich um in ein Etikett für gedankenlose Beliebigkeit. So kann ich am Ende sagen: Ich bin nicht gegen Gleichberechtigung, ich bin nur gegen deren Übertreibung — und habe doch die ganze Debatte auf mein Terrain gezogen.
Sprachkritische Analyse
Die Formulierung stellt die rechtliche Gleichstellung unterschiedlicher Lebensformen als »kopflose, radikale Gleichmacherei« dar und rückt sie damit sprachlich in die Nähe von DDR-Vokabular für erzwungene Uniformierung. Zugleich wird der Begriff »Vielfalt« in eine distanzierende Konstruktion (»das läuft dann bei Ihnen unter«) eingebettet, die ihn als Beschönigung eines eigentlich unvernünftigen Vorgangs markiert. So wird aus einem Verfassungsgrundsatz — der Gleichbehandlung vor dem Recht — ein ideologisches Projekt ohne Maß und Verstand.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich nehme das Wort »Gleichmacherei« und hänge »kopflos« und »radikal« davor, damit niemand mehr hört, dass hier eigentlich von Gleichberechtigung die Rede ist. »Gleichmacherei« trägt den Klang der Zwangsnivellierung in sich, das Echo einer Ideologie, die Unterschiede auslöschen wollte — wer das Wort hört, denkt an Uniformität, nicht an Recht. Dass es um die simple verfassungsrechtliche Frage geht, ob unterschiedliche Familienformen gleich behandelt werden dürfen, spreche ich nicht aus; ich tue so, als sei »echte Diskriminierung« etwas anderes, etwas Kleineres, das ich anerkenne, während das, was tatsächlich verhandelt wird, bei mir zur maßlosen Anmaßung wird. Und wenn ich »Vielfalt« in Anführungston setze — »das läuft dann bei Ihnen unter Vielfalt« —, entwerte ich das Wort meiner Gegner, ohne ein einziges Argument liefern zu müssen. So genügt der Klang der Begriffe, um die Position der anderen als irrational abzutun, bevor überhaupt ein Gesetz genannt ist.