Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Tobias Rausch (AfD)

„Aber, liebe Kollegin: Das, was Sie da fordern, wird den Kindern, von denen Sie hier sprechen, nicht helfen. Das, was die Kinder brauchen, ist die Rückkehr zur Normalität, Kollegen der LINKEN. Stuhlkreisrunden nach Berliner Muster werden keine Lösung für die Probleme der Kinder bringen. Hiernach sollen Gesprächsrunden stattfinden, in denen sich die LINKEN gegenseitig ihre blumige Welt erklären. Aber konkrete Maßnahmen werden diese Stuhlkreisrunden nicht bringen.“

Quelle

Sprecher
Tobias Rausch (AfD)
Datum
2020-06-12
Quelle
Stenografischer Bericht 7/103 — Erste Beratung Kinder- und Familiengipfel für Sachsen-Anhalt - Kindern und Jugendlichen unter Pandemiebedingungen gesell
Fundort
Plenarprotokoll 7/103
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/103stzg.pdf
Beleg-ID
fs-fami-abs-0049

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffPauschalisierenWirkungslosigkeit / Futilität (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Pauschalisieren: Das ›die‹ auflösen (wer konkret?), die Stichprobe prüfen und Gegenbeispiele benennen — der Schluss vom Einzelnen auf das Wesen einer Gruppe ist der klassische Fehlschluss der voreiligen Verallgemeinerung. · Auf wie vielen Fällen beruht das — und gilt es für alle oder für Einzelne, die man benennen kann? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Wirkungslosigkeit / Futilität (Argumentationsmuster): Wer diesem Argumentationsstrang vorbeugend die Wirkung nehmen will, verfolgt ein anderes Ziel als jemand, der ihn live widerlegt: Es geht nicht darum, eine Person vorzuführen, die eine Verwaltungspanne für einen Systembeweis hält, sondern darum, dass sie den Sprung von der Einzelbilanz zur grundsätzlichen Unmöglichkeit selbst bemerkt – deshalb bleibt der Ton fragend, nicht widerlegend. Der wirksamste Hebel ist die Nachfrage: Wer eine niedrige Abschiebequote als Beweis der Wirkungslosigkeit anführt, sollte gefragt werden, woran die Umsetzung konkret gescheitert ist – an fehlendem Personal, an Rechtsmitteln der Betroffenen, an der Kooperation anderer Staaten? Diese Frage entlarvt sich nicht als Angriff, sondern verlangt Präzisierung, wo vorher nur pauschales Achselzucken stand. Der Fall der 10 402 zugestimmten Übernahmeersuchen, denen nur drei tatsächliche Rückführungen gegenüberstehen, eignet sich gut dafür: Die Lücke ist real, aber sie ist eine Frage der Durchführung, keine, die zeigt, dass Rückführung als solche unmöglich wäre. Selbst der eigene Vorschlag der Gegenseite bestätigt das: Wenn Scharfenort anregt, »finanzielle Anreize zu geben, um die Abschiebequoten in den Landkreisen zu verbessern«, behandelt er die Lücke, sobald er konkret vorschlägt statt rhetorisch zu fragen, selbst als Steuerungsproblem – Resignation ist eben kein Wirksamkeitsnachweis, sie ist sein Ausbleiben. Wer die fragende Person mit der Forderung nach einem Systemausstieg gleichsetzt, erreicht das Gegenteil: Sie fühlt sich vorschnell einsortiert und übernimmt die Enttäuschungserzählung, die man entkräften wollte. Die Frage »Woran genau ist das gescheitert – und wäre es mit mehr Personal oder klareren Fristen anders gelaufen?« hält die Tür zur Reform offen, wo die Resignation sie zuschlägt. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das vorbeugende Immunisieren: Die Behauptung steht bereits im Raum, vor Publikum, oft als rhetorische Frage getarnt – wie wenn Scharfenort nach der Drei-von-10.402-Zahl fragt: »Wie kann das sein? Ich habe einfach nur ein großes Fragezeichen.« Deshalb beginnt dieser Text mit der Benennung der Technik, nicht mit Verständnis: Aus einer schlecht funktionierenden Verwaltungspraxis wird ein Beweis gegen die Möglichkeit von Politik überhaupt gemacht. Am deutlichsten zeigt sich das bei Scharfenort selbst: »Aber das zeigt doch nur, dass es nicht funktioniert. Die Konsequenz kann für Deutschland doch nur sein: Es ist an der Zeit, aus diesem System auszusteigen« – als folge aus einer unbefriedigenden Bilanz zwingend der Totalausstieg, während jede Zwischenlösung als »kosmetische Maßnahme« oder »Wahlkampfblendgranate« abgewertet wird. Wirksamer als eine Gegenzahl ist es, das Muster selbst zu benennen: »Sie zeigen mir eine gescheiterte Umsetzung und erklären das Ziel selbst für gescheitert – das ist kein Beleg, das ist ein Sprung.« Diese Entlarvung trifft härter als jede Verwaltungsstatistik, weil sie die Konstruktion offenlegt, statt sich auf ihrem Boden zu bewegen – wer mit eigenen Erfolgszahlen dagegenhält, verliert bereits das eigentliche Argument. Der Widerspruch liegt zudem offen zutage: Wer, wie Mario Lehmann, eine Panne zum Beleg für »Ihr ganzes Politikversagen in der Breite« erklärt und andernorts von einer Regierung spricht, die »seit Monaten, seit September, notregiert«, wendet denselben Maßstab nur auf die Gegenseite an – die eigene Regierungsbeteiligung müsste daran ebenso scheitern. Wer das benennt, muss nicht eskalieren, um zu gewinnen – die Doppelmoral entlarvt sich selbst, sobald man sie ausspricht. · Vorbeugen hat ein anderes Ziel als live widerlegen: Es geht nicht darum, jemanden vorzuführen, der eine Verwaltungspanne für einen Beweis gegen das ganze System hält. Es geht darum, dass er den Sprung von der Einzelbilanz zur grundsätzlichen Unmöglichkeit selbst bemerkt. Deshalb bleibt der Ton fragend, nicht widerlegend. Das beste Werkzeug ist wieder die Nachfrage. Wer eine niedrige Abschiebequote als Beweis für Wirkungslosigkeit anführt, den kann man fragen: Woran genau ist die Umsetzung gescheitert? An fehlendem Personal? An Rechtsmitteln der Betroffenen? An fehlender Zusammenarbeit anderer Staaten? Diese Frage ist kein Angriff. Sie verlangt nur Genauigkeit, wo vorher nur ein pauschales Achselzucken stand. Der Fall der 10 402 zugestimmten Übernahmen, denen nur drei echte Rückführungen gegenüberstehen, eignet sich dafür gut: Die Lücke ist real. Aber sie zeigt ein Problem der Durchführung — nicht, dass Rückführung an sich unmöglich wäre. Sogar der eigene Vorschlag der Gegenseite bestätigt das: Wenn Scharfenort anregt, »finanzielle Anreize zu geben, um die Abschiebequoten in den Landkreisen zu verbessern«, behandelt er die Lücke selbst als Steuerungsproblem — sobald er konkret wird, statt nur rhetorisch zu fragen. Resignation ist eben kein Beweis für Wirkungslosigkeit. Sie ist nur ihr Ausbleiben. Wer die fragende Person mit der Forderung nach einem Systemausstieg gleichsetzt, erreicht das Gegenteil: Sie fühlt sich vorschnell einsortiert und übernimmt genau die Enttäuschungs-Erzählung, die man entkräften wollte. Die Frage »Woran genau ist das gescheitert – und wäre es mit mehr Personal oder klareren Fristen anders gelaufen?« hält die Tür zur Reform offen, wo die Resignation sie zuschlägt. · Kontern hat ein anderes Ziel als vorbeugendes Immunisieren: Die Behauptung steht schon im Raum, vor Publikum — oft als rhetorische Frage getarnt, wie wenn Scharfenort nach der Drei-von-10.402-Zahl fragt: »Wie kann das sein? Ich habe einfach nur ein großes Fragezeichen.« Deshalb beginnt man hier nicht mit Verständnis, sondern benennt sofort den Trick: Aus einer schlecht funktionierenden Verwaltungspraxis wird ein Beweis gegen Politik überhaupt gemacht. Am deutlichsten zeigt das Scharfenort selbst: »Aber das zeigt doch nur, dass es nicht funktioniert. Die Konsequenz kann für Deutschland doch nur sein: Es ist an der Zeit, aus diesem System auszusteigen« — als folge aus einer unbefriedigenden Bilanz zwingend der Totalausstieg. Jede Zwischenlösung wird dabei als »kosmetische Maßnahme« abgewertet, als »Wahlkampfblendgranate«. Stärker als jede Gegenzahl wirkt es, das Muster selbst zu benennen: »Sie zeigen mir eine gescheiterte Umsetzung und erklären das Ziel selbst für gescheitert – das ist kein Beleg, das ist ein Sprung.« Dieser Satz trifft härter als jede Verwaltungsstatistik, weil er die Konstruktion offenlegt, statt sich auf ihr Spielfeld zu stellen. Wer mit eigenen Erfolgszahlen dagegenhält, hat das eigentliche Argument schon verloren. Auch ein Widerspruch liegt offen zutage: Mario Lehmann erklärt eine Panne zum Beleg für »Ihr ganzes Politikversagen in der Breite« — und spricht andernorts von einer Regierung, die »seit Monaten, seit September, notregiert«. Er wendet also denselben strengen Maßstab nur auf die Gegenseite an: Die eigene Regierungsbeteiligung müsste daran genauso scheitern. Wer das ausspricht, muss nicht eskalieren, um zu gewinnen — die doppelte Messlatte entlarvt sich selbst, sobald man sie benennt.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Begriffe in dieser Aussage

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