Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Sie subsumieren linke Möchtegernkünstler unter Kleinunternehmen und Soloselbstständige und hoffen so, Ihren Hofnarren etwas Gutes zu tun.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2020-05-08
Quelle
Stenografischer Bericht 7/101 — a) Aktuelle Debatte Antrag Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/6031
Fundort
Plenarprotokoll 7/101, TOP 3
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/101stzg.pdf
Beleg-ID
fs-gsnd-0200

Kodierte sprachliche Mittel

PauschalisierenKampfbegriff

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Pauschalisieren: Das ›die‹ auflösen (wer konkret?), die Stichprobe prüfen und Gegenbeispiele benennen — der Schluss vom Einzelnen auf das Wesen einer Gruppe ist der klassische Fehlschluss der voreiligen Verallgemeinerung. · Auf wie vielen Fällen beruht das — und gilt es für alle oder für Einzelne, die man benennen kann? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung ordnet linke Künstler pauschal einer Gruppe (»Möchtegernkünstler«) zu und deutet ihre Förderung im Rahmen von Wirtschaftshilfen als verdeckte Bevorzugung. Die Bezeichnung »Hofnarren« unterstellt der Regierung ein höfisch-abhängiges Verhältnis zu diesen Künstlern und degradiert deren Arbeit zur bloßen Unterhaltungsfunktion für die Mächtigen, statt sie als eigenständige wirtschaftliche oder kulturelle Leistung anzuerkennen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nenne sie nicht Künstler, ich nenne sie Möchtegernkünstler — damit ist die Qualität ihrer Arbeit schon erledigt, bevor ich ein Wort über Förderpolitik verliere. Dann drehe ich die Rollen um: Nicht die Regierung fördert Kultur, sie hält sich Hofnarren, die sie belustigen und die im Gegenzug alimentiert werden. Aus einer wirtschaftspolitischen Maßnahme für Kleinunternehmen wird so ein höfisches Abhängigkeitsverhältnis, das lächerlich wirkt. Wer die Förderung verteidigt, verteidigt in meinem Bild nicht Kultur, sondern eine Hofhaltung auf Steuerzahlerkosten.

Begriffe in dieser Aussage

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