Belegte Aussage — Ulrich Siegmund (AfD)
„Worüber wir uns lustig machen, ist diese wirkliche Sprachvergewaltigung von Frau Anger.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffSprachkritische Analyse
Der Begriff überträgt das Vokabular sexualisierter Gewalt auf eine sprachliche oder stilistische Äußerung einer Person und verharmlost damit implizit tatsächliche Vergewaltigung, während er zugleich die kritisierte Äußerung maximal dramatisiert. Er ersetzt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Äußerung durch eine plakative Verurteilung. Die Adressierung »von Frau Anger« personalisiert den Vorwurf zusätzlich.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich greife zum stärksten Wort, das die deutsche Sprache für eine Grenzverletzung kennt, und wende es auf einen sprachlichen Stilbruch an. »Sprachvergewaltigung« klingt nach Übergriff, nach Gewalt – dabei geht es nur um eine Formulierung, die mir missfällt. Dass ich damit das Wort für ein echtes, schweres Verbrechen entwerte, kümmert mich nicht, solange der Effekt stimmt: maximale Empörung, minimaler Begründungsaufwand. Ich muss nicht erklären, was an der Äußerung falsch war – das Wort »Vergewaltigung« liefert die Empörung von selbst mit.