Belegte Aussage — Oliver Kirchner (AfD)
„nun wollen Sie auch noch die Kinder umerziehen und zu frühzeitigen Wählern machen.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffSprachkritische Analyse
Die Formulierung überträgt den historisch belasteten Begriff 'umerziehen' – assoziiert mit der Politik der Alliierten nach 1945 sowie mit autoritärer Indoktrination in Diktaturen – auf eine Debatte über eine Herabsetzung des Wahlalters. Damit wird eine demokratiepolitische Reformdebatte in die Nähe totalitärer Bevormundung von Kindern gerückt, ohne dass ein inhaltliches Argument gegen ein niedrigeres Wahlalter vorgebracht wird. Die Wortwahl ersetzt die Auseinandersetzung mit der Sache durch eine historische Assoziation.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich greife zu einem Wort, das seit 1945 einen bitteren Beigeschmack hat – 'umerziehen' – und lege es auf eine Debatte, in der es eigentlich nur um das Wahlalter geht. So klingt es, als wollte man Kindern ihre eigene Meinung austreiben und sie auf Linie bringen, wie es Diktaturen tun, nicht als würde man ihnen früher ein Recht einräumen. Ich muss dafür kein einziges Argument gegen ein niedrigeres Wahlalter liefern – das Wort erledigt die Ablehnung für mich, weil niemand für 'Umerziehung' sein will. So verschiebe ich eine Debatte über politische Teilhabe in ein Bild von Zwang und Indoktrination, bloß durch die Wahl eines einzigen Wortes.