Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„Wir sind schuld. Ich halte das für den Ausdruck eines wirklich perversen Schuldkultes.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffDelegitimierenSprachkritische Analyse
»Schuldkult« verschiebt die Auseinandersetzung mit deutscher Verantwortung von einer historisch-politischen Frage zu einer pathologisierten Glaubenspraxis, die durch die Zusätze »Kult« und »pervers« per Definition irrational und schädlich erscheint. Damit wird jede Erinnerungs- oder Verantwortungskultur delegitimiert, ohne dass ihr konkreter Inhalt widerlegt werden müsste.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich nehme das Wort »Kult« und hänge »Schuld« davor, und schon ist aus einer historischen Debatte ein Ritual für Fanatiker geworden. »Pervers« setze ich noch obendrauf, damit niemand denkt, hier ginge es um eine ernsthafte moralische Position. Ich muss kein einziges Argument gegen Erinnerungskultur vorbringen, ich muss sie nur wie eine Krankheit klingen lassen. Wer sie trotzdem verteidigt, gehört dann eben selbst zur Kultgemeinde.