Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Wir sind schuld. Ich halte das für den Ausdruck eines wirklich perversen Schuldkultes.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2020-06-11
Quelle
Stenografischer Bericht 7/102 — Befragung der Landesregierung gemäß § 45a GO.LT
Fundort
Plenarprotokoll 7/102, TOP 1
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/102stzg.pdf
Beleg-ID
fs-kult-0240 · Absatz aus fs-kult-abs-0024

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffDelegitimieren

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

»Schuldkult« verschiebt die Auseinandersetzung mit deutscher Verantwortung von einer historisch-politischen Frage zu einer pathologisierten Glaubenspraxis, die durch die Zusätze »Kult« und »pervers« per Definition irrational und schädlich erscheint. Damit wird jede Erinnerungs- oder Verantwortungskultur delegitimiert, ohne dass ihr konkreter Inhalt widerlegt werden müsste.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nehme das Wort »Kult« und hänge »Schuld« davor, und schon ist aus einer historischen Debatte ein Ritual für Fanatiker geworden. »Pervers« setze ich noch obendrauf, damit niemand denkt, hier ginge es um eine ernsthafte moralische Position. Ich muss kein einziges Argument gegen Erinnerungskultur vorbringen, ich muss sie nur wie eine Krankheit klingen lassen. Wer sie trotzdem verteidigt, gehört dann eben selbst zur Kultgemeinde.

Begriffe in dieser Aussage

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