Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — AfD-Fraktion

„und unser Land vor einem Missbrauch des Asylrechtes schützt. Fehlanreize als Ursache der Flucht in unsere Sozialsysteme sind zu beseitigen.“

Quelle

Sprecher
AfD-Fraktion
Datum
2017-01-25
Quelle
Drucksache 7/889 — Antrag Fraktion AfD Asylkrise bewältigen – Maßnahmen zum Schutz vor Terror, Kriminalität und Kostenexplosion Der Landtag
Fundort
Drucksache 7/889
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp7/drs/d0889aan.pdf
Beleg-ID
fs-migr-0046 · Absatz aus fs-migr-abs-0027

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffPauschalisierenVerschweigen / HalbwahrheitMissbrauch (Argumentationsmuster)Belastung (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Pauschalisieren: Das ›die‹ auflösen (wer konkret?), die Stichprobe prüfen und Gegenbeispiele benennen — der Schluss vom Einzelnen auf das Wesen einer Gruppe ist der klassische Fehlschluss der voreiligen Verallgemeinerung. · Auf wie vielen Fällen beruht das — und gilt es für alle oder für Einzelne, die man benennen kann? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Verschweigen / Halbwahrheit: Den fehlenden Kontext liefern: Bezugsgröße, Basisrate, Vergleichswert, Zeitreihe. Die wahre Zahl bleibt wahr — erst ihr Rahmen macht aus ihr eine Irreführung oder eine Information. · Die Zahl stimmt — aber verglichen womit? Welcher Kontext fehlt, damit sie etwas bedeutet? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Belastung (Argumentationsmuster): Wer diesem Argumentationsstrang vorbeugend die Wirkung nehmen will, hat ein anderes Ziel als jemand, der ihn im Moment eines Wortwechsels widerlegt: Es geht nicht darum, eine Person vorzuführen, die die Belastungs-Erzählung übernommen hat, sondern darum, dass sie die Konstruktion durchschaut, bevor die nächste Zahl sie wieder überzeugt – deshalb bleibt der Ton erklärend und fragend, nicht widerlegend. Der wirksamste Hebel ist deshalb nicht die Gegenzahl, sondern das Nachfragen: Wer erklärt, »Wir sind an den Kapazitätsgrenzen«, sollte gefragt werden, welche Kapazitätsgrenze genau gemeint ist – die Zahl der Lehrer, die Zahl der Klassenräume, das Budget? – und seit wann diese Grenze existiert. Dieselbe Frage passt auf schärfere Behauptungen: Wer vorrechnet, »70 % der Leute, die hier sind«, kämen nur wegen des Sozialsystems, sollte gefragt werden, woher diese Zahl stammt – nicht um zu widerlegen, sondern um sie dorthin zurückzuholen, wo sie geprüft werden kann. Zugleich lohnt der Blick auf die eigene Erfahrung: Wer erzählt, die Schwimmbad-Öffnungszeiten seien gekürzt worden oder der Kita-Platz fehle, hat oft recht mit dem Befund, nur die Ursachenzuschreibung ist verkürzt. Genau hier hilft ein Anknüpfen an gemeinsame Werte statt an Abgrenzung: eine Gesellschaft, die in ihre Infrastruktur investiert, kümmert sich auch um die eigenen Kinder und Alten – das eint mehr, als es trennt. Wer die fragende Person mit der AfD-Parole gleichsetzt, erreicht das Gegenteil: Sie fühlt sich abgestempelt statt gehört und verhärtet sich in der Erzählung, die man entkräften wollte. Die Frage »Was genau ist hier knapp – Geld oder politischer Wille, es bereitzustellen?« öffnet einen Raum, in dem die Antwort nicht mehr feststeht. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das vorbeugende Immunisieren: Die Behauptung steht bereits im Raum, vor Publikum, und muss live als das kenntlich gemacht werden, was sie ist – deshalb beginnt dieser Text nicht mit Verständnis, sondern mit der Benennung der Technik. Wenn behauptet wird, es »wandert ein Großteil der Zugewanderten direkt in die Sozialkassen ein und belastet diese, anstatt Entlastung zu bringen«, oder wenn eine Zahl wie »Fast jeder dritte Bürgergeld-Euro geht an Ausländer« fällt, lohnt zuerst die Faktenkorrektur: Was verschweigt diese Zahl – den Anteil der Erwerbstätigen unter denselben Menschen, den Bedarf einer alternden Gesellschaft an Arbeitskräften, die Kosten, die sie ohnehin trüge? Wirksamer als jede Einzelzahl zu kontern ist es, das Muster zu entlarven: »Sie zeigen mir eine Ausgabe und nennen sie das ganze Bild – wo bleibt die andere Seite der Bilanz?« Diese Entlarvung trifft härter als jede Gegenstatistik, weil sie die Konstruktion offenlegt statt sich auf ihrem Boden zu bewegen. Genau das ist die Falle: Wer mit eigenen Zahlen gegen dramatisierte Kollaps-Rhetorik anrennt, übernimmt bereits die Prämisse, dass hier eine reine Zahlenfrage verhandelt wird. Ebenso wenig hilft Empörung ohne Benennung – sie liefert nur die Kränkung, aus der sich die nächste Opferklage speist. Der Widerspruch liegt offen zutage, wo ein Redner selbst einräumt, Deutschland habe mehr Asylanträge angenommen »als die ganze Menschheit auf diesem Planeten zusammen«, während er im selben Atemzug von Konsequenzlosigkeit spricht – zwei Behauptungen, die sich widerlegen. Wer solche Sätze öffentlich nebeneinanderstellt, muss nicht empört sein, um zu gewinnen: Die Lücke selbst überzeugt. · Vorbeugen heißt: Menschen stark machen, bevor das Argument sie erreicht — oder kurz danach. Es geht nicht darum, jemanden zu widerlegen oder vorzuführen. Es geht darum, dass jemand die Masche selbst durchschaut, bevor ihn die nächste Zahl wieder überzeugt. Deshalb bleibt der Ton ruhig und fragend. Das beste Werkzeug ist die Nachfrage. Wer sagt: »Wir sind an den Kapazitätsgrenzen«, den kann man fragen: Welche Grenze genau? Zu wenig Lehrer? Zu wenig Räume? Zu wenig Geld? Und seit wann gibt es diese Grenze? Solche Fragen sind kein Angriff. Sie zwingen nur zur Genauigkeit — dort, wo vorher nur ein Gefühl von Überforderung war. Dieselbe Frage passt bei härteren Behauptungen: Wer vorrechnet, »70 % der Leute, die hier sind«, kämen nur wegen des Sozialsystems, den kann man fragen, woher diese Zahl stammt. Nicht um zu widerlegen — sondern damit die Zahl dorthin zurückmuss, wo man sie prüfen kann. Wichtig: die Erfahrung des Gegenübers ernst nehmen. Wer erzählt, dass das Schwimmbad kürzer öffnet oder der Kita-Platz fehlt, hat oft recht. Die Engpässe sind echt. Nur die Erklärung dafür ist zu kurz gedacht. Hier hilft ein gemeinsamer Wert: Ein Land, das in Schulen und Kitas investiert, kümmert sich auch um die eigenen Kinder und Alten. Das verbindet mehr, als es trennt. Ein Fehler wäre, das Gegenüber mit der AfD gleichzusetzen — wer sich abgestempelt fühlt, hört nicht mehr zu und glaubt der Erzählung erst recht. Am Ende hilft eine einfache Frage: »Was genau ist hier knapp – Geld oder politischer Wille, es bereitzustellen?« · Kontern heißt: Die Behauptung steht schon im Raum, andere hören zu — jetzt muss sie sofort als das erkennbar werden, was sie ist. Deshalb beginnt man nicht mit Verständnis, sondern benennt den Trick. Wenn jemand behauptet, es »wandert ein Großteil der Zugewanderten direkt in die Sozialkassen ein und belastet diese, anstatt Entlastung zu bringen«, oder eine Zahl fällt wie »Fast jeder dritte Bürgergeld-Euro geht an Ausländer« — dann lohnt zuerst die Frage: Was verschweigt diese Zahl? Wie viele dieser Menschen arbeiten? Wie dringend braucht ein alterndes Land Arbeitskräfte? Welche Kosten hätte es auch ohne Zuwanderung? Noch stärker als jede Gegenzahl wirkt es, das Muster selbst zu benennen: »Sie zeigen mir eine Ausgabe und nennen sie das ganze Bild – wo bleibt die andere Seite der Bilanz?« Dieser Satz trifft härter als jede Statistik, denn er legt den Bau des Arguments offen, statt sich auf dessen Spielfeld zu stellen. Genau das ist die Falle: Wer mit eigenen Zahlen gegen die Untergangs-Rhetorik anrennt, hat schon akzeptiert, dass es nur um Zahlen geht. Auch Empörung hilft nicht — sie liefert der Gegenseite nur die Kränkung für die nächste Opfer-Erzählung. Manchmal widerlegt sich das Argument sogar selbst: Ein Redner räumt ein, Deutschland habe mehr Asylanträge angenommen »als die ganze Menschheit auf diesem Planeten zusammen« — und beklagt im selben Atemzug, es geschehe nichts. Beides zusammen geht nicht. Wer solche Sätze nebeneinanderstellt, braucht keine Empörung. Die Lücke überzeugt von selbst.

Gegenstrategie gegen Missbrauch (Argumentationsmuster): Wer hier vorbeugend wappnen will, erklärt zuerst den Unterschied zur Konfrontation: Es geht nicht darum, jemandem die Legitimität zu entziehen, sondern einem noch unentschlossenen Publikum zu zeigen, wie die Engführung funktioniert, bevor sie greift — deshalb erklärend, nicht bloßstellend, mit ruhigem Nachfragen statt Widerlegung im Moment. Konkret heißt das: die stillschweigende Generalisierung offenlegen, ohne die Person, die sie wiederholt, mit ihr gleichzusetzen — wer das tut (Person = Parole), verhärtet die Unentschlossenen, die man erreichen will. Eine Formulierung, die trägt: »Woran machen Sie fest, dass das die Regel ist und nicht die Ausnahme — gibt es dazu Zahlen, oder ist es ein Eindruck?« Diese Nachfrage öffnet die Lücke zwischen Behauptung und Beleg. Der Blick auf die Fundstellen selbst lohnt: Wenn aus »13 unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern« bei einer Stichprobe sieben Fälle hochgerechnet werden, ist das keine Beobachtung, sondern eine Rechenoperation. Auch eine Zahl, die stimmt, kann zur Engführung werden: Die Aussage, »mehr als die Hälfte der Asylantragsteller« hätten dem BAMF keine Identitätspapiere vorgelegt, ist für sich richtig — was fehlt, ist die zweite Zahl, wie viele davon aus Staaten ohne Passwesen stammen. Diese Lücke lässt sich benennen, ohne Lüge vorzuwerfen: »Der Satz stimmt — aber er sagt noch nichts über Betrug, nur über fehlende Papiere.« Wer so immunisiert, appelliert an einen Wert, den kaum jemand bestreitet: Missbrauch soll verhindert werden, aber Verfahren, die ihn prüfen, sind etwas anderes als ein Generalverdacht, der die Prüfung überflüssig macht. Am Ende steht kein Sieg im Wortgefecht, sondern eine Person, die selbst weiterfragen kann, wenn ihr das nächste Mal ein Einzelfall als System verkauft wird. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, klärt zuerst, warum hier anders vorgegangen wird als beim Immunisieren: Es gibt kein Publikum mehr zu gewinnen, das noch offen ist, sondern eine Behauptung, die im Raum steht und live entlarvt werden muss — deshalb direkt benennen statt behutsam nachfragen, die Technik selbst zum Thema machen statt über den einzelnen Fall weiterzustreiten. Konkret: Wer mit der »Missbrauchsmöglichkeit des Asyl- und Sozialsystems« argumentiert, verwechselt eine Möglichkeit mit einer Wirklichkeit: »Sie sprechen von einer Möglichkeit, nicht von einem belegten Ausmaß; daraus einen pauschalen Anreiz zur Migration zu machen, ist ein Sprung, den Sie nicht belegt haben.« Ebenso entlarvend ist der Blick auf die Rechnung selbst: eine Stichprobe von 13 Fällen auf »weit mehr als 500 bis 600« hochzurechnen, ist keine Statistik, sondern eine Übertreibung mit statistischem Anstrich. Wichtig ist, dabei nicht auf dem Boden der Prämisse weiterzustreiten: Wer über die richtige Missbrauchsquote debattiert, hat die Engführung schon akzeptiert, dass Missbrauch die entscheidende Kategorie ist. Genau hier setzt die Entlarvung an: Wenn aus »kein legitimer Aufenthaltsgrund« oder »kein Kriegsflüchtling mehr« abgeleitet wird, dass Kategorien enger gefasst werden müssten, wird eine Verwaltungsfrage in eine Ausschlussfrage umgemünzt, ohne dass diese Verschiebung je begründet wurde. Die Zuspitzung zeigt sich, wo der Verdacht die Rollen tauscht: Wird behauptet, ein Kirchenasylant suche »nicht Zuflucht vor Verfolgung und Mord«, sondern »er flieht vor dem Rechtsstaat«, wird aus dem Schutzsuchenden ein Täter am eigenen Schutzsystem — diese Umkehrung lässt sich beim Namen nennen. Wer das offenlegt, gewinnt nicht die Empörung, sondern den Boden zurück, auf dem tatsächlich verhandelt wird: das Verfahren, nicht der Verdacht. · Vorbeugen ist etwas anderes als Widersprechen im Streitgespräch. Es geht nicht darum, jemandem seine Glaubwürdigkeit abzusprechen. Es geht darum, einem noch unentschlossenen Publikum zu zeigen, wie der Trick funktioniert — bevor er wirkt. Deshalb bleibt der Ton erklärend, nicht bloßstellend: ruhig nachfragen statt im Moment widerlegen. Konkret heißt das: die stille Verallgemeinerung offenlegen, ohne die Person, die sie wiederholt, mit ihr gleichzusetzen. Wer Person und Parole gleichsetzt, verhärtet genau die Unentschlossenen, die man eigentlich erreichen will. Eine Frage, die trägt: »Woran machen Sie fest, dass das die Regel ist und nicht die Ausnahme — gibt es dazu Zahlen, oder ist es ein Eindruck?« Diese Frage öffnet die Lücke zwischen Behauptung und Beleg. Ein Blick auf die Fundstellen selbst lohnt sich. Wenn aus »13 unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern« bei einer Stichprobe sieben Fälle hochgerechnet werden, ist das keine Beobachtung — das ist Rechnen mit Wunschzahlen. Auch eine Zahl, die stimmt, kann zum Trick werden: Der Satz, »mehr als die Hälfte der Asylantragsteller« hätten dem BAMF keine Identitätspapiere vorgelegt, ist für sich genommen richtig. Was fehlt, ist die zweite Zahl — wie viele davon aus Ländern ohne Passwesen kommen. Diese Lücke lässt sich benennen, ohne jemandem eine Lüge vorzuwerfen: »Der Satz stimmt — aber er sagt noch nichts über Betrug, nur über fehlende Papiere.« Wer so vorbeugt, beruft sich auf einen Wert, den kaum jemand bestreitet: Missbrauch soll verhindert werden. Aber ein Verfahren, das ihn prüft, ist etwas anderes als ein Generalverdacht, der die Prüfung überflüssig macht. Am Ende steht kein Sieg im Streitgespräch — sondern eine Person, die selbst weiterfragen kann, wenn ihr das nächste Mal ein Einzelfall als System verkauft wird. · Im Streitgespräch gilt eine andere Regel als beim Vorbeugen: Es gibt kein offenes Publikum mehr zu gewinnen. Eine Behauptung steht im Raum und muss sofort als das entlarvt werden, was sie ist. Deshalb direkt benennen statt vorsichtig nachfragen — die Technik selbst zum Thema machen, statt über den Einzelfall weiterzustreiten. Konkret: Wer mit der »Missbrauchsmöglichkeit des Asyl- und Sozialsystems« argumentiert, verwechselt eine Möglichkeit mit einer Tatsache: »Sie sprechen von einer Möglichkeit, nicht von einem belegten Ausmaß; daraus einen pauschalen Anreiz zur Migration zu machen, ist ein Sprung, den Sie nicht belegt haben.« Genauso entlarvend ist der Blick auf die Rechnung selbst: Eine Stichprobe von 13 Fällen auf »weit mehr als 500 bis 600« hochzurechnen, ist keine Statistik — das ist eine Übertreibung mit Zahlen-Anstrich. Wichtig dabei: nicht auf dem Boden der Behauptung weiterstreiten. Wer über die richtige Missbrauchsquote debattiert, hat schon akzeptiert, dass Missbrauch die entscheidende Frage ist. Genau hier setzt die Entlarvung an. Wenn aus »kein legitimer Aufenthaltsgrund« oder »kein Kriegsflüchtling mehr« gefolgert wird, Kategorien müssten enger gefasst werden, wird eine Verwaltungsfrage zur Ausschlussfrage umgebaut — ohne dass dieser Schritt je begründet wurde. Am schärfsten zeigt sich das, wo der Verdacht die Rollen tauscht: Wird behauptet, ein Kirchenasylant suche »nicht Zuflucht vor Verfolgung und Mord«, sondern »er flieht vor dem Rechtsstaat«, wird aus dem Schutzsuchenden ein Täter am eigenen Schutzsystem gemacht. Diese Umkehrung lässt sich beim Namen nennen. Wer sie offenlegt, gewinnt nicht die Empörung — sondern den Boden zurück, auf dem tatsächlich verhandelt wird: das Verfahren, nicht der Verdacht.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung kehrt die eigentliche Bedeutung von »Flucht« — vor Gefahr — in ihr Gegenteil und unterstellt stattdessen ein flächendeckendes ökonomisches Kalkül als Migrationsmotiv. Damit wird Schutzsuche pauschal delegitimiert, ohne zwischen individuellen Fluchtgründen zu unterscheiden oder die Behauptung empirisch zu stützen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nehme das Wort »Flucht«, das eigentlich für das Weglaufen vor Gefahr steht, und drehe die Richtung um — bei mir flieht man nicht vor etwas, sondern in etwas hinein, nämlich in unsere Sozialsysteme. Damit unterstelle ich allen, die kommen, dasselbe ökonomische Kalkül, ohne einen einzigen Einzelfall zu prüfen. Wer wirklich vor Krieg oder Verfolgung geflohen ist, wird von meiner Formulierung stillschweigend mitgemeint und mitverdächtigt. So brauche ich keine Statistik über Fluchtgründe — das Wortspiel liefert die Pauschalunterstellung gleich mit.

Sprachkritische Analyse

Der ökonomische Fachbegriff rahmt Sozialleistungen für Schutzsuchende als Steuerungsinstrument, das unerwünschtes Verhalten belohnt, statt als humanitäre Grundversorgung. Diese Umdeutung verschiebt die Debatte von der Frage nach Schutzbedürftigkeit zu einer Frage nach ökonomischer Anreizsteuerung, ohne dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Leistungshöhe und Migrationsentscheidung belegt wird.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich hole mir einen Begriff aus der Ökonomie — »Fehlanreize« — und lege ihn über die Grundversorgung von Menschen, die Schutz suchen. Damit klingt es, als hätte der Staat ein Steuerungssystem falsch kalibriert, nicht als ginge es um Nahrung, Unterkunft, ein Bett. Ich muss keinen einzigen Beleg liefern, dass Leistungshöhe Migrationsentscheidungen beeinflusst — das Wort »Anreiz« unterstellt das Kalkül schon. Und weil ich es »Fehler« nenne, klingt die Lösung logisch: einfach beseitigen, dann verschwindet auch die Bewegung, so meine Behauptung ohne Beleg.

Sprachkritische Analyse

Der juristisch enge Begriff »Missbrauch« wird von tatsächlichen Einzelfällen auf sämtliche Asylsuchende ohne Genfer-Flüchtlingskonvention-Status ausgeweitet und unterstellt damit pauschal betrügerische Absicht, wo rechtlich lediglich ein anderer Schutzstatus oder eine Ablehnung vorliegt. Die Formulierung verschweigt, dass ein negativer GFK-Bescheid keine Aussage über Betrugsabsicht trifft.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nehme »Missbrauch«, ein Wort mit klarer juristischer Bedeutung für tatsächlich nachgewiesenen Betrug, und wende es auf alle an, die am Ende keinen Flüchtlingsstatus nach Genfer Konvention bekommen. Dass ein negativer Bescheid oft schlicht bedeutet, ein anderer Schutzgrund lag vor oder das Verfahren kam zu einem anderen Ergebnis, sage ich nicht. Stattdessen klingt jeder abgelehnte Antrag nun wie ein aufgedeckter Betrugsversuch. So verwandle ich Verwaltungsstatistik in einen Generalverdacht gegen alle Antragsteller, ohne einen einzigen tatsächlichen Missbrauchsfall benennen zu müssen.

Begriffe in dieser Aussage

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