Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Hagen Kohl (AfD)

„Wir brauchen kein weiteres Willkommens-, sondern ein Verabschiedungszentrum, eine Art Rückführungszentrale mit integrierter Abschiebehafteinrichtung.“

Quelle

Sprecher
Hagen Kohl (AfD)
Datum
2018-03-09
Quelle
Stenografischer Bericht 7/45 — Beratung Abschiebehaft statt neuer Zentraler Aufnahmestelle (ZASt) Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/2526
Fundort
Plenarprotokoll 7/45, TOP 27
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/045stzg.pdf
Beleg-ID
fs-migr-1014

Kodierte sprachliche Mittel

Selbst-EtikettierungKampfbegriff

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Selbst-Etikettierung: Das Selbst-Etikett gegen das belegte Handeln halten und es nicht übernehmen — die Akteure präzise beim dokumentierten Verhalten benennen statt bei ihrer Pose. · Passt der schmeichelnde Name zum belegten Tun — was genau ist daran harmlos? · praxiswissen

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung prägt als sprachliches Gegenstück zu 'Willkommenszentrum' den beschönigenden Begriff 'Verabschiedungszentrum' und tarnt damit eine Zwangsmaßnahme als neutralen, fast höflichen Vorgang. Der direkt danebengestellte Begriff 'integrierte Abschiebehafteinrichtung' entlarvt zwar die tatsächliche Funktion, wird aber durch die vorangestellte beschönigende Wortwahl abgemildert.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich stelle mein Wort absichtlich neben 'Willkommenszentrum', damit die Parallele sofort auffällt — nur dass ich das Gegenteil meine. 'Verabschiedung' klingt nach einem freundlichen Abschied am Bahnsteig, nicht nach Zwang, nicht nach Haft. Erst danach, fast beiläufig, nenne ich die 'integrierte Abschiebehafteinrichtung' — aber da hat mein erstes Wort die Stimmung schon gesetzt. So verpacke ich eine Freiheitsentziehung in eine Sprache der Höflichkeit, damit sie sich leichter aussprechen und leichter zustimmen lässt.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung ersetzt den Verwaltungsbegriff »Aufnahmestelle« durch einen erfundenen Gegenbegriff mit dem Bestandteil »Zentrale«, der organisatorische Nüchternheit suggeriert. Verschwiegen wird, dass mit dieser scheinbar neutralen Einrichtung eine Haftanstalt gemeint ist — die Formulierung tarnt einen Freiheitsentzug als Verwaltungsvorgang.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich will nicht »Abschiebehaft« sagen, denn das klingt nach Gefängnis, nach Zwang, nach einem Grundrechtseingriff, über den man diskutieren müsste. Also baue ich mir ein Wort, das klingt wie eine Behörde: »Zentrale«, das kennt jeder aus dem Alltag, das ist neutral, effizient, fast freundlich. Die Abschiebehaft schiebe ich als »integriert« hintan, als bloßes technisches Detail einer Verwaltungseinheit. Wer meinen Begriff übernimmt, redet schon über Logistik, nicht mehr über Freiheitsentzug.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

Begriffe in dieser Aussage

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