Belegte Aussage — Oliver Kirchner (AfD)
„Parallelwelten und Gegengesellschaften“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffSprachkritische Analyse
Die Formulierung verschärft den bereits etablierten Begriff »Parallelgesellschaft« zu »Gegengesellschaft« und wechselt damit vom Bild des bloßen Nebeneinanders zu dem einer aktiven Gegnerschaft. Migrantisch geprägte Nachbarschaften werden so nicht mehr als abgesondert, sondern als dem Staat und der Gesellschaft feindlich gegenüberstehend dargestellt.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich reiche mit »Parallelgesellschaft« nicht mehr aus — parallel klingt nach Nebeneinander, nach Nachbarschaft, die sich nicht einmischt. Ich brauche ein Wort, das nach Konflikt klingt, also sage ich »Gegengesellschaft«: nicht neben uns, sondern gegen uns. Damit verwandle ich ein Viertel, in dem Menschen unter sich bleiben, in eine Front, gegen die man sich wehren muss.
Sprachkritische Analyse
Die Formulierung beschreibt Stadtviertel mit hohem Migrantenanteil als »Parallelwelten« und suggeriert damit eine vollständige Trennung von zwei unvereinbaren Sphären statt eines realen, wenn auch ungleichen Zusammenlebens. Das Bild der Welt statt des Viertels oder Milieus überhöht die Trennung zu etwas kategorial Getrenntem.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich nenne ein Viertel keine Nachbarschaft, sondern eine »Welt« — damit klingt es, als gäbe es zwischen uns und ihnen keine gemeinsame Straße, keinen gemeinsamen Alltag mehr, sondern zwei Planeten. Von Zusammenleben, und sei es ein schwieriges, will ich gar nicht erst sprechen. Die Wortwahl allein erledigt die Trennung, die ich politisch will.