Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Oliver Kirchner (AfD)

„Die Deutschlandfeinde sind absolut im Soll. Deshalb ist es notwendig, dass die Deutschlandfreunde, also wir, die Beschützer unserer Heimat, dagegen halten und diesen Asylblödsinn beenden.“

Quelle

Sprecher
Oliver Kirchner (AfD)
Datum
2022-12-14
Quelle
Stenografischer Bericht 8/32 — Aktuelle Debatte Migration in Deutschland - aktuelle Herausforderungen für Sachsen-Anhalt
Fundort
Plenarprotokoll 8/32, TOP 8
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/032stzg.pdf
Beleg-ID
fs-migr-1608 · Absatz aus fs-migr-abs-0247

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffSelbst-EtikettierungDelegitimieren

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Selbst-Etikettierung: Das Selbst-Etikett gegen das belegte Handeln halten und es nicht übernehmen — die Akteure präzise beim dokumentierten Verhalten benennen statt bei ihrer Pose. · Passt der schmeichelnde Name zum belegten Tun — was genau ist daran harmlos? · praxiswissen

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung ersetzt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit geltendem Asylrecht durch ein pauschales Verdikt der Absurdität. Sie etikettiert den Gegenstand vorab als »Blödsinn« und macht damit jede sachliche Prüfung überflüssig, noch bevor ein Argument fällt. Zugleich rahmt sie die eigene Fraktion als »Deutschlandfreunde«, die dagegenhalten, und den politischen Gegner spiegelbildlich als »Deutschlandfeinde«.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nenne das geltende Recht »Blödsinn«, weil ich es nicht widerlegen muss, sobald ich es lächerlich gemacht habe. Ein Gesetz, über das man diskutiert, hat Gewicht — ein »Blödsinn«, den man »beendet«, nicht mehr. Gleichzeitig ziehe ich die Linie klar: Wer dagegenhält, ist Deutschlandfreund, wer die geltende Politik verteidigt, steht auf der anderen Seite. So spare ich mir jedes Argument und biete stattdessen eine Zugehörigkeit an.

Sprachkritische Analyse

Die Selbstbezeichnung koppelt Zustimmung zur eigenen Position direkt an Landesliebe und lässt jede andere Position implizit als illoyal erscheinen. Sie ersetzt eine politische Auseinandersetzung durch eine moralische Sortierung in Freund und Feind. Die Formulierung braucht dafür kein einziges Sachargument — die Etikettierung trägt die Botschaft allein.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nenne uns Deutschlandfreunde, nicht weil ich das beweisen müsste, sondern weil das Wort die Antwort schon mitliefert: Wer nicht bei uns ist, liebt dieses Land offenbar weniger. Ich muss nicht sagen, dass die anderen Deutschland schaden wollen — das Etikett »Freunde« für uns erzeugt den Gegenbegriff von selbst. So wird Zustimmung zu meiner Politik zu einer Frage der Gesinnung, nicht der Sachlage.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung ersetzt eine benennbare politische Gegnerschaft in der Migrationspolitik durch eine pauschale Feindzuschreibung gegenüber dem Land selbst. Sie entzieht dem Gegenüber damit jede Legitimität, noch bevor dessen Position inhaltlich benannt wird. Wer so bezeichnet wird, muss sich gegen einen Vorwurf verteidigen, den die eigene Position gar nicht formuliert hat.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nenne meine politischen Gegner Deutschlandfeinde, weil ich ihre Position nicht widerlegen will, sondern sie aus dem Kreis der legitimen Debatte hinausdrängen möchte. Wer angeblich dem eigenen Land feind ist, braucht kein Gehör mehr, mit dem man sich sachlich auseinandersetzt. So verwandle ich einen Streit über Asylpolitik in einen Loyalitätstest, den ich vorab entschieden habe.

Begriffe in dieser Aussage

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