Belegte Aussage — Robert Farle (AfD)
„dass die meisten sich diesen sogenannten Flüchtlingsstatus nur ergaunert haben und sich die Humanität und die Unterstützung der Menschen erschlichen haben.“
Quelle
- Sprecher
- Robert Farle (AfD)
- Datum
- 2018-06-21
- Quelle
- Stenografischer Bericht 7/51
- Fundort
- Plenarprotokoll 7/51
- Original
- https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/051stzg.pdf
- Beleg-ID
- fs-migr-1739 · Absatz aus fs-migr-abs-0218
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffPauschalisierenDelegitimierenMissbrauch (Argumentationsmuster)Zahlen (Argumentationsmuster)Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt
Gegenstrategie gegen Pauschalisieren: Das ›die‹ auflösen (wer konkret?), die Stichprobe prüfen und Gegenbeispiele benennen — der Schluss vom Einzelnen auf das Wesen einer Gruppe ist der klassische Fehlschluss der voreiligen Verallgemeinerung. · Auf wie vielen Fällen beruht das — und gilt es für alle oder für Einzelne, die man benennen kann? · argumentationstheoretisch
Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch
Gegenstrategie gegen Zahlen (Argumentationsmuster): Wer diesen Argumentationsstrang vorbeugend entkräften will, muss vorher klären, wofür er das tut: Immunisieren erreicht Menschen, bevor sie einer Zahlenbehauptung ausgesetzt sind oder kurz danach — es erklärt, ohne jemanden bloßzustellen, der sich von einer Zahl beeindrucken ließ. Das unterscheidet es vom Kontern, das im Moment der Konfrontation die Behauptung selbst widerlegt; hier geht es darum, ein Werkzeug an die Hand zu geben, das beim nächsten Zahlensatz von selbst anspringt. Der Kern dieses Werkzeugs ist eine einzige Nachfrage: Bezogen auf was? Wenn Siegmund »55 % im Bürgergeld« sagt, folgt die Anschlussfrage von selbst — 55 Prozent von welcher Grundgesamtheit, verglichen mit welcher anderen Gruppe, seit wann? Dieselbe Nachfrage trägt bei Umfragezahlen genauso: Führt die AfD-Fraktion an, es teilten »77 Prozent der Deutschen die Ansicht, es brauche eine grundsätzlich andere Asyl- und Flüchtlingspolitik«, bleibt offen, was mit dieser Politik gemeint war — Zustimmung zu einer vagen Formel ist etwas anderes als Zustimmung zu einem konkreten Programm. Der Bildungsauftrag des Immunisierens: nicht AfD-Politiker als Lügner hinstellen, sondern zeigen, dass eine nackte Zahl grundsätzlich unterbestimmt ist — mit derselben Wachsamkeit sollte man jeder isolierten Zahl begegnen, egal von wem sie kommt. Wer diese Nachfrage verinnerlicht hat, lässt sich von »Realität«-Behauptungen wie bei Tillschneiders Köln-Zahl nicht mehr blenden. Ein Wertebezug hilft zusätzlich: Politik sollte auf vollständigen, nicht auf zurechtgeschnittenen Zahlen beruhen — darüber lässt sich Einigkeit finden, auch ohne Streit über exakte Prozentpunkte. Wichtig ist, die Person nicht mit der Partei gleichzusetzen, die eine solche Zahl zitiert hat — oft hat sie die fehlende Einordnung selbst nicht bemerkt, weil sie ihr so plausibel vorgeführt wurde. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das Immunisieren: Es geht nicht um vorbeugende Aufklärung eines noch unentschlossenen Publikums, sondern darum, eine konkret vorgetragene Zahlenbehauptung vor den Anwesenden live zu entkräften — deshalb ist der Ton direkter und die Argumentation angriffslustiger, ohne die Person persönlich anzugreifen. Die wirksamste Bewegung ist, die Technik selbst zu benennen, statt über den Inhalt der Zahl zu streiten: »Sie sagen, die Zahl spricht für sich — aber jede Zahl braucht eine Bezugsgröße, sonst ist sie eine Behauptung im leeren Raum.« Das entlarvt den rhetorischen Trick, ohne die Ausgangszahl selbst anzuerkennen oder zu bestreiten, und vermeidet die Falle, sich in einen Zahlenstreit auf dem Boden des Sprechers ziehen zu lassen. Konkret lässt sich das an der Bürgergeld-Zahl vorführen: Kirchner zitiert an anderer Stelle »62,8 Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten … Migrationshintergrund« — eine Zahl, die durch Daten der Bundesagentur für Arbeit gedeckt ist, deren Kategorie »Migrationshintergrund« aber auch in Deutschland geborene Kinder und Enkel einschließt. Nicht die Zahl ist falsch, sondern das Schweigen über das, was sie eigentlich misst. Dieselbe Lücke lässt sich bei Tillschneiders Köln-Zahl vorführen: Wer aus dem Anteil straffällig gewordener Personen unter »allen in Köln registrierten Marokkanern, Algeriern und Tunesiern« auf »Realität« schließt, verschweigt die Vergleichsgruppe — dazu lässt sich knapp sagen: »Verglichen womit? Ohne Vergleichsgruppe ist das keine Realität, sondern eine Momentaufnahme.« Wer das öffentlich vorführt, entzieht der Zahl ihre Behauptungskraft, ohne selbst eine Gegenzahl ins Rennen zu schicken. Am Ende steht die pointierte Feststellung: Eine Zahl ohne Bezugsgröße ist keine Information, sondern eine Stimmung mit Prozentzeichen. · Wer diesem Argument vorbeugend die Wirkung nehmen will, muss vorher klären: Wofür genau? Vorbeugen erreicht Menschen, bevor sie einer Zahlenbehauptung begegnen — oder kurz danach. Es erklärt, ohne jemanden vorzuführen, der sich von einer Zahl beeindrucken ließ. Das unterscheidet Vorbeugen vom Kontern: Kontern widerlegt eine Behauptung live, im Moment der Konfrontation. Vorbeugen gibt ein Werkzeug mit, das beim nächsten Zahlensatz von selbst anspringt. Der Kern dieses Werkzeugs ist eine einzige Nachfrage: Bezogen auf was? Sagt Siegmund »55 % im Bürgergeld«, folgt die Frage von selbst: 55 Prozent wovon genau? Verglichen mit welcher Gruppe? Seit wann? Dieselbe Frage passt auch bei Umfragezahlen. Sagt die AfD-Fraktion, es teilten »77 Prozent der Deutschen die Ansicht, es brauche eine grundsätzlich andere Asyl- und Flüchtlingspolitik«, bleibt offen: Was ist mit dieser Politik gemeint? Zustimmung zu einer vagen Formel ist etwas anderes als Zustimmung zu einem klaren Programm. Wichtig dabei: Es geht nicht darum, AfD-Politiker als Lügner hinzustellen. Es geht darum zu zeigen, dass eine nackte Zahl grundsätzlich unvollständig ist — mit derselben Wachsamkeit sollte man jeder isolierten Zahl begegnen, egal von wem sie kommt. Wer diese Nachfrage verinnerlicht hat, lässt sich auch von »Realität«-Behauptungen wie Tillschneiders Köln-Zahl nicht mehr blenden. Ein gemeinsamer Wert hilft zusätzlich: Politik sollte auf vollständigen Zahlen beruhen, nicht auf zurechtgeschnittenen — darüber lässt sich Einigkeit finden, auch ohne Streit über einzelne Prozentpunkte. Und: Die Person nicht mit der Partei gleichsetzen, die eine solche Zahl zitiert hat — oft hat sie die fehlende Erklärung selbst nicht bemerkt, weil die Zahl ihr so plausibel vorgeführt wurde. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das Vorbeugen: Die Behauptung steht schon im Raum, vor Publikum — und muss sofort als das erkennbar werden, was sie ist. Deshalb ist der Ton hier direkter, ohne die Person persönlich anzugreifen. Am wirksamsten ist es, den Trick selbst zu benennen, statt über die Zahl zu streiten: »Sie sagen, die Zahl spricht für sich — aber jede Zahl braucht eine Bezugsgröße, sonst ist sie eine Behauptung im leeren Raum.« Das entlarvt den Trick, ohne die Ausgangszahl anzuerkennen oder zu bestreiten — und vermeidet die Falle, sich auf einen Zahlenstreit einzulassen, den man auf fremdem Boden führt. Konkret zeigt sich das an der Bürgergeld-Zahl: Kirchner zitiert an anderer Stelle »62,8 Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten … Migrationshintergrund« — eine Zahl, die durch Daten der Bundesagentur für Arbeit gedeckt ist. Nur: Die Kategorie »Migrationshintergrund« schließt auch in Deutschland geborene Kinder und Enkel ein. Nicht die Zahl ist falsch — verschwiegen wird, was sie eigentlich misst. Dieselbe Lücke zeigt sich bei Tillschneiders Köln-Zahl. Wer aus dem Anteil straffällig gewordener Personen unter »allen in Köln registrierten Marokkanern, Algeriern und Tunesiern« auf »Realität« schließt, verschweigt die Vergleichsgruppe. Dazu reicht ein Satz: »Verglichen womit? Ohne Vergleichsgruppe ist das keine Realität, sondern eine Momentaufnahme.« Wer das öffentlich vorführt, nimmt der Zahl ihre Kraft — ganz ohne eigene Gegenzahl. Am Ende steht der Satz, der alles zusammenfasst: Eine Zahl ohne Bezugsgröße ist keine Information, sondern eine Stimmung mit Prozentzeichen.
Gegenstrategie gegen Missbrauch (Argumentationsmuster): Wer hier vorbeugend wappnen will, erklärt zuerst den Unterschied zur Konfrontation: Es geht nicht darum, jemandem die Legitimität zu entziehen, sondern einem noch unentschlossenen Publikum zu zeigen, wie die Engführung funktioniert, bevor sie greift — deshalb erklärend, nicht bloßstellend, mit ruhigem Nachfragen statt Widerlegung im Moment. Konkret heißt das: die stillschweigende Generalisierung offenlegen, ohne die Person, die sie wiederholt, mit ihr gleichzusetzen — wer das tut (Person = Parole), verhärtet die Unentschlossenen, die man erreichen will. Eine Formulierung, die trägt: »Woran machen Sie fest, dass das die Regel ist und nicht die Ausnahme — gibt es dazu Zahlen, oder ist es ein Eindruck?« Diese Nachfrage öffnet die Lücke zwischen Behauptung und Beleg. Der Blick auf die Fundstellen selbst lohnt: Wenn aus »13 unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern« bei einer Stichprobe sieben Fälle hochgerechnet werden, ist das keine Beobachtung, sondern eine Rechenoperation. Auch eine Zahl, die stimmt, kann zur Engführung werden: Die Aussage, »mehr als die Hälfte der Asylantragsteller« hätten dem BAMF keine Identitätspapiere vorgelegt, ist für sich richtig — was fehlt, ist die zweite Zahl, wie viele davon aus Staaten ohne Passwesen stammen. Diese Lücke lässt sich benennen, ohne Lüge vorzuwerfen: »Der Satz stimmt — aber er sagt noch nichts über Betrug, nur über fehlende Papiere.« Wer so immunisiert, appelliert an einen Wert, den kaum jemand bestreitet: Missbrauch soll verhindert werden, aber Verfahren, die ihn prüfen, sind etwas anderes als ein Generalverdacht, der die Prüfung überflüssig macht. Am Ende steht kein Sieg im Wortgefecht, sondern eine Person, die selbst weiterfragen kann, wenn ihr das nächste Mal ein Einzelfall als System verkauft wird. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, klärt zuerst, warum hier anders vorgegangen wird als beim Immunisieren: Es gibt kein Publikum mehr zu gewinnen, das noch offen ist, sondern eine Behauptung, die im Raum steht und live entlarvt werden muss — deshalb direkt benennen statt behutsam nachfragen, die Technik selbst zum Thema machen statt über den einzelnen Fall weiterzustreiten. Konkret: Wer mit der »Missbrauchsmöglichkeit des Asyl- und Sozialsystems« argumentiert, verwechselt eine Möglichkeit mit einer Wirklichkeit: »Sie sprechen von einer Möglichkeit, nicht von einem belegten Ausmaß; daraus einen pauschalen Anreiz zur Migration zu machen, ist ein Sprung, den Sie nicht belegt haben.« Ebenso entlarvend ist der Blick auf die Rechnung selbst: eine Stichprobe von 13 Fällen auf »weit mehr als 500 bis 600« hochzurechnen, ist keine Statistik, sondern eine Übertreibung mit statistischem Anstrich. Wichtig ist, dabei nicht auf dem Boden der Prämisse weiterzustreiten: Wer über die richtige Missbrauchsquote debattiert, hat die Engführung schon akzeptiert, dass Missbrauch die entscheidende Kategorie ist. Genau hier setzt die Entlarvung an: Wenn aus »kein legitimer Aufenthaltsgrund« oder »kein Kriegsflüchtling mehr« abgeleitet wird, dass Kategorien enger gefasst werden müssten, wird eine Verwaltungsfrage in eine Ausschlussfrage umgemünzt, ohne dass diese Verschiebung je begründet wurde. Die Zuspitzung zeigt sich, wo der Verdacht die Rollen tauscht: Wird behauptet, ein Kirchenasylant suche »nicht Zuflucht vor Verfolgung und Mord«, sondern »er flieht vor dem Rechtsstaat«, wird aus dem Schutzsuchenden ein Täter am eigenen Schutzsystem — diese Umkehrung lässt sich beim Namen nennen. Wer das offenlegt, gewinnt nicht die Empörung, sondern den Boden zurück, auf dem tatsächlich verhandelt wird: das Verfahren, nicht der Verdacht. · Vorbeugen ist etwas anderes als Widersprechen im Streitgespräch. Es geht nicht darum, jemandem seine Glaubwürdigkeit abzusprechen. Es geht darum, einem noch unentschlossenen Publikum zu zeigen, wie der Trick funktioniert — bevor er wirkt. Deshalb bleibt der Ton erklärend, nicht bloßstellend: ruhig nachfragen statt im Moment widerlegen. Konkret heißt das: die stille Verallgemeinerung offenlegen, ohne die Person, die sie wiederholt, mit ihr gleichzusetzen. Wer Person und Parole gleichsetzt, verhärtet genau die Unentschlossenen, die man eigentlich erreichen will. Eine Frage, die trägt: »Woran machen Sie fest, dass das die Regel ist und nicht die Ausnahme — gibt es dazu Zahlen, oder ist es ein Eindruck?« Diese Frage öffnet die Lücke zwischen Behauptung und Beleg. Ein Blick auf die Fundstellen selbst lohnt sich. Wenn aus »13 unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern« bei einer Stichprobe sieben Fälle hochgerechnet werden, ist das keine Beobachtung — das ist Rechnen mit Wunschzahlen. Auch eine Zahl, die stimmt, kann zum Trick werden: Der Satz, »mehr als die Hälfte der Asylantragsteller« hätten dem BAMF keine Identitätspapiere vorgelegt, ist für sich genommen richtig. Was fehlt, ist die zweite Zahl — wie viele davon aus Ländern ohne Passwesen kommen. Diese Lücke lässt sich benennen, ohne jemandem eine Lüge vorzuwerfen: »Der Satz stimmt — aber er sagt noch nichts über Betrug, nur über fehlende Papiere.« Wer so vorbeugt, beruft sich auf einen Wert, den kaum jemand bestreitet: Missbrauch soll verhindert werden. Aber ein Verfahren, das ihn prüft, ist etwas anderes als ein Generalverdacht, der die Prüfung überflüssig macht. Am Ende steht kein Sieg im Streitgespräch — sondern eine Person, die selbst weiterfragen kann, wenn ihr das nächste Mal ein Einzelfall als System verkauft wird. · Im Streitgespräch gilt eine andere Regel als beim Vorbeugen: Es gibt kein offenes Publikum mehr zu gewinnen. Eine Behauptung steht im Raum und muss sofort als das entlarvt werden, was sie ist. Deshalb direkt benennen statt vorsichtig nachfragen — die Technik selbst zum Thema machen, statt über den Einzelfall weiterzustreiten. Konkret: Wer mit der »Missbrauchsmöglichkeit des Asyl- und Sozialsystems« argumentiert, verwechselt eine Möglichkeit mit einer Tatsache: »Sie sprechen von einer Möglichkeit, nicht von einem belegten Ausmaß; daraus einen pauschalen Anreiz zur Migration zu machen, ist ein Sprung, den Sie nicht belegt haben.« Genauso entlarvend ist der Blick auf die Rechnung selbst: Eine Stichprobe von 13 Fällen auf »weit mehr als 500 bis 600« hochzurechnen, ist keine Statistik — das ist eine Übertreibung mit Zahlen-Anstrich. Wichtig dabei: nicht auf dem Boden der Behauptung weiterstreiten. Wer über die richtige Missbrauchsquote debattiert, hat schon akzeptiert, dass Missbrauch die entscheidende Frage ist. Genau hier setzt die Entlarvung an. Wenn aus »kein legitimer Aufenthaltsgrund« oder »kein Kriegsflüchtling mehr« gefolgert wird, Kategorien müssten enger gefasst werden, wird eine Verwaltungsfrage zur Ausschlussfrage umgebaut — ohne dass dieser Schritt je begründet wurde. Am schärfsten zeigt sich das, wo der Verdacht die Rollen tauscht: Wird behauptet, ein Kirchenasylant suche »nicht Zuflucht vor Verfolgung und Mord«, sondern »er flieht vor dem Rechtsstaat«, wird aus dem Schutzsuchenden ein Täter am eigenen Schutzsystem gemacht. Diese Umkehrung lässt sich beim Namen nennen. Wer sie offenlegt, gewinnt nicht die Empörung — sondern den Boden zurück, auf dem tatsächlich verhandelt wird: das Verfahren, nicht der Verdacht.
Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.
Sprachkritische Analyse
Die Verben »ergaunern« und »sich erschleichen« entstammen dem Wortfeld von Betrug und Diebstahl und übertragen es auf ein rechtsstaatlich geprüftes Anerkennungsverfahren. Damit wird die Zuerkennung von Schutzstatus kollektiv als kriminelle Erschleichung dargestellt — ohne Einzelfallnachweis wird »die meisten« pauschal unter Generalverdacht gestellt.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich sage nicht »anerkannt«, ich sage »ergaunert« — als hätte kein Amt geprüft, sondern als hätten sie sich etwas erschlichen, das ihnen nicht zusteht. Das Verfahren, die Prüfung, die Akten blende ich aus; übrig bleibt nur das Bild vom Trickbetrüger. Und weil ich »die meisten« sage, brauche ich keinen einzigen Namen, keinen einzigen Fall zu nennen — der Verdacht trifft alle, die den Status je bekommen haben.
Was diese Aussage leistet
Für den, der ihn hört: Der Wunsch nach einem sauberen Verfahren bekommt ein Urteil geliefert — ›erschlichen‹ macht aus einer offenen Frage bereits eine feststehende Tat, ohne dass geprüft werden müsste.
Für den, der ihn sagt: Das Wort aus dem Strafrecht ersetzt die Prüfung, die eigentlich ein Amt oder Gericht leisten müsste — Zustimmung kommt für die Anklage, nicht für einen einzigen belegten Fall.
Die Bilanz: Ob im Einzelfall wirklich getäuscht wurde, bleibt ungeklärt — der Satz liefert ein Pauschalurteil über ›die meisten‹ und nimmt damit die Möglichkeit, echten Missbrauch von echtem Verfahren zu unterscheiden.
Ausgearbeitete Gegenrede
Der Satz nennt keinen einzigen Fall, keinen Namen, keine Akte. Trotzdem behauptet er, ›die meisten‹ hätten ihren Status ›erschlichen‹. »Erschleichen« ist ein Wort aus dem Strafrecht — es unterstellt eine Tat, die eigentlich erst ein Amt oder ein Gericht feststellen müsste. Hier ersetzt der bloße Verdacht die Prüfung.
Dass Verfahren sauber laufen müssen — klar, das ist wichtig. Aber schauen Sie sich das Wort ›erschlichen‹ mal genau an. Das ist ein Wort für Betrug, für eine Straftat. Wer sagt denn hier, wer betrogen hat? Kein Name, keine Akte, kein Urteil steht dahinter — nur der Verdacht gegen ›die meisten‹. Jeder Antrag wird einzeln geprüft, von echten Behörden. Ein Verdacht ist noch kein Beweis.
Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.
Hier üben
Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):
- Übungsfall: Zeitungskiosk an der Ecke
Analyse-Übungsfall (fiktive Szene): die Technik und das Denkmuster dieser Aussage erkennen und die Gegenrede Schritt für Schritt aufbauen. - Beispiel-Gegenrede: Migration
Ausformulierte Gegenrede zu genau dieser Aussage — zum Lesen und Abschauen.