Belegte Aussage — Tobias Rausch (AfD)
„Die Menschenrechte in Katar, von denen wir 15 Jahre lang Gas beziehen wollen, interessieren uns nicht mehr. Da interessiert uns unser linkes Gewissen nicht mehr.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffSprachkritische Analyse
Die Formulierung markiert moralische Bedenken gegenüber Menschenrechtsverletzungen als parteipolitisch codiertes Sonderinteresse ("linkes Gewissen") statt als allgemeinen Maßstab, der für jeden gelten müsste. Durch die Ironisierung — das Gewissen wird selbst zum Gegenstand des Nicht-mehr-Interessierens erklärt — wird Prinzipientreue lächerlich gemacht, während die eigene Bereitschaft, Menschenrechtsverletzungen für Wirtschaftsinteressen zu übergehen, als pragmatischer Realismus erscheint. Zugleich verschiebt der Satz die Verantwortung: Nicht die eigene Position zu Katar steht zur Debatte, sondern die vermeintliche Doppelmoral der Gegenseite.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich sage nicht offen, dass mir Menschenrechte in Katar egal sind — das würde schlecht klingen. Stattdessen erkläre ich das Gewissen, das daran noch Anstoß nehmen könnte, zu einer politischen Marke: "links". Wer jetzt widerspricht, verteidigt nicht mehr Menschenrechte, sondern nur noch eine Parteirichtung, und das lässt sich leichter abtun. Den Widerspruch, dass ich selbst gerade die Menschenrechte für Gas beiseiteschiebe, verstecke ich hinter der Ironie im Satzbau — ich klinge, als würde ich über die Heuchler reden, nicht über mich. So wird aus meiner eigenen Bereitschaft zum Wegsehen ein Angriff auf die moralische Empfindlichkeit der anderen.