Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Alexander Raue (AfD)

„Innovative Unternehmen und Schlüsseltechnologien lassen Sie von chinesischen Einkaufsstrategen und angloamerikanischen Heuschrecken übernehmen.“

Quelle

Sprecher
Alexander Raue (AfD)
Datum
2018-08-31
Quelle
Stenografischer Bericht 7/54 — Aktuelle Debatte Das Ende des Billiglohnlands: qualifizierte Arbeit stärken und gut bezahlen, Einkommensgefälle abbauen Antrag Fraktion SPD - Drs. 7/3280
Fundort
Plenarprotokoll 7/54, TOP 7
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/054stzg.pdf
Beleg-ID
fs-wirt-1076 · Absatz aus fs-wirt-abs-0119

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffWohlstand / Standort (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Wohlstand / Standort (Argumentationsmuster): Vorbeugend zu wappnen heißt hier: einem Publikum den Blick für die fehlende Rechnung schärfen, bevor die nächste Standort-Warnung fällt — erklärend, ohne die Sorge der Zuhörer um Arbeit und Auskommen kleinzureden, denn diese Sorge ist echt und verdient es, ernst genommen zu werden; geprüft gehört nur ihr politischer Gebrauch. Der Schlüssel ist die Unterscheidung zwischen Rechnung und Drohung. Eine Rechnung nennt Zahlen, Annahmen, Gegenposten und lässt sich nachprüfen; eine Drohung nennt nur das Ergebnis. Wo aus einer Detailfrage der Justiz ein »handfester Standortnachteil« wird, lohnt die ruhige Nachfrage: Welches Unternehmen hat wegen der Vollstreckungsquote einen Standort verworfen — gibt es dafür einen einzigen Fall? Ebenso wichtig ist die zweite Spalte der Abwägung: Was kostet das Unterlassen, was der Schaden am Ruf, was die Unsicherheit, die man sich mit vermeintlicher Sparsamkeit einkauft? Ein gemeinsamer Wert lässt sich dabei ausdrücklich anerkennen: Niemand will Wohlstand verspielen — strittig ist nur, ob er wirklich auf dem Spiel steht und ob es sonst nichts gibt, das zählt. Hilfreich ist schließlich der Generalschlüssel-Test: Wenn dasselbe Argument gegen jede beliebige Maßnahme funktioniert — gegen eine Justizreform wie gegen Außenpolitik —, dann prüft es nicht mehr, sondern blockiert nur. Immunisieren heißt, dem Publikum diese einfache Probe mitzugeben: Wer vom Standort redet, soll die Rechnung zeigen. Wo keine ist, war es keine Warnung, sondern ein Schlagwort. · Der Konter verfolgt ein anderes Ziel als das vorbeugende Erklären: Im Moment der Konfrontation steht eine konkrete Wohlstands-Drohung im Raum, und das Publikum soll in Echtzeit sehen, dass sie ohne Substanz auftritt — direkter, zugespitzter, an der Aussage statt am Muster. Erste Wahl ist die Nachfrage nach der Rechnung: »Sie sagen, das gefährdet den Standort — um wie viel? Welche Studie, welcher Fall, welche Zahl?« Bleibt die Antwort aus, ist der Konter schon gelungen — das Publikum hat gesehen, dass hinter der Warnung keine Kalkulation steht. Die zweite Bewegung öffnet die Einbahn-Abwägung: Wer nur aufzählt, was eine Maßnahme kostet, dem lässt sich die Gegenspalte hinstellen — was kostet das Unterlassen? Werden Waffenlieferungen allein »angesichts des drohenden Wohlstandsverlustes« verworfen, liegt die Rückfrage nahe, was in dieser Rechnung aus Sicherheit und Verlässlichkeit geworden ist. Entscheidend bleibt, sich nicht in Detailrechnungen ziehen zu lassen, die der andere selbst nie aufgemacht hat — wer Standortfaktoren aufzurechnen beginnt, hat die Prämisse übernommen, alles andere zähle nicht. Stärker ist, die Prämisse zu benennen: »Sie behandeln Wohlstand als das einzige Argument. Es gibt Dinge, die sich eine Demokratie etwas kosten lässt — welche wären das bei Ihnen?« Und eine Falle gilt es zu meiden: die Sorge ums Auskommen zu belächeln — wer die Angst um den Arbeitsplatz verspottet, verliert genau die Zuhörer, um die es geht. Der Konter steht, wenn sichtbar wurde: Hier wurde nicht gerechnet, hier wurde gedroht. · Vorbeugen heißt hier: den Blick für die fehlende Rechnung schärfen, bevor die nächste Standort-Warnung fällt. Erklärend — und ohne die Sorgen der Zuhörer kleinzureden. Die Sorge um Arbeit und Auskommen ist echt und verdient Ernst. Geprüft werden muss nur ihr politischer Gebrauch. Der Schlüssel ist ein einfacher Unterschied: Rechnung oder Drohung? Eine Rechnung nennt Zahlen, Annahmen, Gegenposten. Man kann sie nachprüfen. Eine Drohung nennt nur das Ergebnis. Wo aus einer Detailfrage der Justiz ein »handfester Standortnachteil« wird, hilft die ruhige Nachfrage: Welche Firma hat deshalb einen Standort abgelehnt? Gibt es einen einzigen Fall? Genauso wichtig ist die zweite Spalte der Rechnung: Was kostet das Nichtstun? Was kostet der Schaden am Ruf? Was die Unsicherheit, die man sich mit vermeintlicher Sparsamkeit einkauft? Einen gemeinsamen Wert darf man dabei ruhig aussprechen: Niemand will Wohlstand verspielen. Strittig ist nur, ob er wirklich auf dem Spiel steht — und ob sonst nichts zählt. Zum Schluss der Generalschlüssel-Test: Wirkt dasselbe Argument gegen jede beliebige Maßnahme? Gegen eine Justizreform genauso wie gegen Außenpolitik? Dann prüft es nichts mehr. Dann blockiert es nur. Diese Probe kann jeder mitnehmen: Wer vom Standort redet, soll die Rechnung zeigen. Wo keine ist, war es keine Warnung — nur ein Schlagwort. · Im direkten Streit ist das Ziel: Das Publikum soll sofort sehen, dass die Wohlstands-Drohung ohne Substanz auftritt. Direkter als beim Vorbeugen, aber immer an der Aussage — nie an der Person. Erste Wahl ist die Frage nach der Rechnung: »Sie sagen, das gefährdet den Standort — um wie viel? Welche Studie, welcher Fall, welche Zahl?« Bleibt die Antwort aus, ist der Konter schon gelungen. Alle haben gesehen: Hinter der Warnung steht keine Kalkulation. Der zweite Zug öffnet die einseitige Rechnung. Wer nur aufzählt, was eine Maßnahme kostet, bekommt die Gegenspalte hingestellt: Was kostet das Unterlassen? Werden etwa Waffenlieferungen allein »angesichts des drohenden Wohlstandsverlustes« verworfen, liegt die Rückfrage nahe: Und was wird in dieser Rechnung aus Sicherheit und Verlässlichkeit? Wichtig: sich nicht in Detail-Rechnungen ziehen lassen, die der andere selbst nie aufgemacht hat. Wer anfängt, Standortfaktoren aufzurechnen, akzeptiert die stille Annahme, sonst zähle nichts. Stärker ist, genau diese Annahme zu benennen: »Sie behandeln Wohlstand als das einzige Argument. Es gibt Dinge, die sich eine Demokratie etwas kosten lässt — welche wären das bei Ihnen?« Eine Falle zum Schluss: Sorgen ums Geld nie belächeln. Wer die Angst um den Arbeitsplatz verspottet, verliert genau die Zuhörer, um die es geht. Der Konter steht, wenn klar wurde: Hier wurde nicht gerechnet. Hier wurde gedroht.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung greift das seit 2005 politisch etablierte Bild der »Heuschrecke« auf und koppelt es an eine nationale Herkunftszuschreibung — »angloamerikanisch« neben »chinesisch«. Das Tierbild entzieht ausländischen Investoren jede unternehmerische Rationalität und ersetzt sie durch ein Bild blinder, gefräßiger Zerstörung; wirtschaftliche Übernahmen erscheinen so nicht als Marktvorgang, sondern als Plage, die über deutsche Schlüsseltechnologien »hereinbricht«. Eine Differenzierung nach Investitionsform, Zweck oder Regulierungsmöglichkeit findet nicht statt.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich brauche kein Argument, ich brauche ein Bild, das schon urteilt, bevor irgendjemand nachfragt. »Heuschrecke« kennt jeder — eine Plage, die über ein Feld herfällt und nichts als kahlen Boden zurücklässt. Sage ich das über Investoren, muss ich nicht mehr erklären, was an ihrem Kapital falsch sein soll; das Wort erledigt die Anklage für mich. Und weil ein Tierbild allein noch zu abstrakt bleibt, hänge ich ihm eine Herkunft an — »angloamerikanisch«, neben den »chinesischen Einkaufsstrategen« –, damit klar wird: das Fremde bedroht, was uns gehört. Ob diese Investitionen Arbeitsplätze schaffen, Wandel finanzieren oder tatsächlich nur kurzfristig Kasse machen, spielt keine Rolle mehr, sobald das Bild sitzt. Wer meinem Bild folgt, sieht keine Unternehmen mehr, nur noch eine Plage, die abgewehrt werden muss — und diese Abwehr klingt plötzlich nach gesundem Menschenverstand, nicht nach Wirtschaftspolitik.

Begriffe in dieser Aussage

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