Belegte Aussage — AfD-Fraktion
„Damit leitet die nordrhein-westfälische Landesregierung das Ende des deutschen Sonderweges in der Energiepolitik ein.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
Chiffre / Dog WhistleKampfbegriffSprachkritische Analyse
Die Formulierung entlehnt den historiografischen Begriff »deutscher Sonderweg« — belastet durch seine Verwendung zur Erklärung der deutschen Abweichung vom westlichen Normalweg bis hin zum Nationalsozialismus — und überträgt dessen negative Konnotation auf die aktuelle Energiewende-Politik. So wird die Energiepolitik nicht als eine unter mehreren legitimen Optionen dargestellt, sondern als gefährliche, unrühmliche Abweichung von einer internationalen Norm, die es zu beenden gilt.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich brauche kein einziges Argument gegen die Energiewende, wenn ich nur das richtige Wort dafür finde. »Sonderweg« ist so ein Wort — jeder, der Geschichte gelernt hat, hört darin sofort die Warnung vor der deutschen Abweichung, die ins Unheil führte. Ich muss den Nationalsozialismus nicht erwähnen, das Wort trägt die Erinnerung schon in sich. Also hänge ich es der Energiepolitik um: nicht »unsere Politik ist anders«, sondern »wir sind wieder auf diesem gefährlichen Weg, der nirgendwo hinführt außer ins Abseits«. Wer die Energiewende verteidigt, verteidigt damit scheinbar eine deutsche Anomalie, während der Rest der Welt angeblich vernünftig weitermacht. Dass es für Energiepolitik gar keine verbindliche »internationale Norm« gibt, von der man abweichen könnte, sage ich nicht — das Wort erledigt die Überzeugungsarbeit, bevor eine einzige Zahl genannt ist.