Belegte Aussage — Oliver Kirchner (AfD)
„Keinen Fußbreit den Rechtsstaatsabschaffern“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
Täter-Opfer-UmkehrKampfbegriffSprachkritische Analyse
Die Formulierung übernimmt die Form der antifaschistischen Parole „Keinen Fußbreit den Faschisten“ und kehrt sie inhaltlich um, indem sie den politischen Gegner – nicht die eigene Seite – als Bedrohung des Rechtsstaats markiert. Der Kampfbegriff „Rechtsstaatsabschaffer“ unterstellt dem Gegner ein Ziel, dessen konkreter Beleg im Zitat selbst fehlt. Durch die Übernahme der bekannten Parolenform wird die eigene Position zusätzlich in der historischen Tradition antifaschistischen Widerstands verortet.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich nehme eine Parole, die jeder kennt und die eindeutig einer Seite gehört – dem antifaschistischen Widerstand – und drehe sie einfach um: nicht ich stehe im Verdacht, den Rechtsstaat abzuschaffen, sondern die anderen. Die Form bleibt vertraut, der Rhythmus, die Entschlossenheit, nur das Ziel tausche ich aus, und wer die Parole kennt, übernimmt unbewusst auch ihre moralische Wucht. Ich muss nicht belegen, wer hier tatsächlich welche Institution abschaffen will, das Wort »Rechtsstaatsabschaffer« liefert das Urteil schon mit, bevor eine einzige Tatsache genannt ist. So stehle ich mir die Empörungskraft einer fremden Tradition und richte sie gegen die, die eigentlich in dieser Tradition stehen.