Belegte Aussage — AfD-Fraktion
„die Schüler unseres Landes zur körperlichen Ertüchtigung anzuregen“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
Chiffre / Dog WhistleSprachkritische Analyse
Die Formulierung wählt für einen sachpolitischen Antrag zur Schulsportförderung einen Begriff, der im NS-Leibeserziehungsdiskurs als Kernwort der Hitlerjugend- und Schulsportideologie geprägt wurde, und tarnt ihn als neutrales Verwaltungsdeutsch. Während die bundesrepublikanische Tradition seit Jahrzehnten von »Bewegungserziehung« oder »Sport« spricht, signalisiert »Ertüchtigung« für Kundige ein völkisch-biologistisches Körperbild, ohne dass der harmlose Wortlaut des Antrags dies offenlegen müsste.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich schreibe einen Antrag über Schulsport, also greife ich zu einem Wort, das niemand im Ausschuss beanstanden wird — es klingt nach Aktenordner, nicht nach Ideologie. Dass »Ertüchtigung« aus einer Zeit stammt, in der man Jugendkörper für Kampf und Härte formen wollte, sage ich nicht; ich muss es auch nicht sagen, das Wort trägt seine Geschichte lautlos mit sich. Wer die Spur kennt, hört sofort: Volkskörper, Wehrfähigkeit, ein Körperbild, das nicht dem einzelnen Kind dient, sondern der Gemeinschaft, die es formen soll. Alle anderen lesen nur eine Forderung nach mehr Bewegungsangeboten. Genau diese doppelte Lesbarkeit ist der Sinn der Wahl: Ich sage »Sport« und meine doch etwas, das älter und schwerer ist als Sport.