Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Hagen Kohl (AfD)

„Mich würde einmal interessieren, ob das alle in der Lehrerschaft so sehen und auch so wollen, oder ob Sie nur Ihren GEW-Fanklub bei Laune halten wollen?“

Quelle

Sprecher
Hagen Kohl (AfD)
Datum
2018-06-20
Quelle
Stenografischer Bericht 7/50 — Beratung Personalentwicklung im öffentlichen Dienst des Landes Sachsen-Anhalt Große Anfrage Fraktion DIE LINKE Drs. 7/2009 Antwort Landesregierung - Drs. 7/2308 Frage 7 Zuweisung des Beförderungsbudgets 2018 (Zu Protokoll gegeben) Frage 8 Tierarzneirechtliche Verstöße in der Schweinezuchtanlage der JSR Hybrid Deutschland GmbH in Maasdorf
Fundort
Plenarprotokoll 7/50, TOP 12
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/050stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-1594 · Absatz aus fs-bild-abs-0297

Kodierte sprachliche Mittel

Pseudo-Frage (»nur fragen«)Selbst-Etikettierung

Gegenstrategie gegen Pseudo-Frage (»nur fragen«): Die in der Frage versteckte Behauptung explizit machen und Verantwortung dafür einfordern — wer ›nur fragt‹, behauptet, ohne geradezustehen. Erst wenn die Behauptung offen ist, lässt sie sich prüfen. · Welche Behauptung steckt in deiner Frage — stehst du zu ihr, damit wir sie prüfen können? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Selbst-Etikettierung: Das Selbst-Etikett gegen das belegte Handeln halten und es nicht übernehmen — die Akteure präzise beim dokumentierten Verhalten benennen statt bei ihrer Pose. · Passt der schmeichelnde Name zum belegten Tun — was genau ist daran harmlos? · praxiswissen

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung ersetzt den Gewerkschaftsnamen »GEW« durch die Verballhornung »Fanklub« und verpackt die Abwertung zugleich als bloße Frage. So wird gewerkschaftliche Interessenvertretung auf eine Klientel- und Anhängerschaft eines Vereins verkleinert, während die Frageform es erlaubt, die Unterstellung nie als Behauptung verantworten zu müssen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nenne die Gewerkschaft nicht bei ihrem Namen, sondern erfinde ihr einen neuen: »Fanklub«. Damit ist sie nicht mehr die legitime Vertretung von Lehrerinnen und Lehrern, sondern eine Schar von Anhängern, die man bei Laune hält wie ein Fußballverein seine Kurve. Wer für die GEW spricht, spricht damit plötzlich nur noch für eine Fangemeinde, nicht für ein Interesse, das ernst zu nehmen wäre. Ich verpacke das Ganze als Frage — »ob Sie nur Ihren GEW-Fanklub bei Laune halten wollen« — denn eine Frage kann ich später als bloße Neugier ausgeben. Aber jeder im Saal hört die Unterstellung: die Landesregierung mache Politik nicht für die Lehrerschaft, sondern für eine Klientel. Ich muss das nicht beweisen, ich muss es nur fragen.

Begriffe in dieser Aussage

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