Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Politisch-ideologische Indoktrination, die falsche Gleichheit der Inklusion und der ganztägige Zugriff des Staates auf die Kinder, das sind die Abgötter dieser sogenannten Bildungspolitik.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2021-02-04
Quelle
Stenografischer Bericht 7/117 — Zweite Beratung Modernen Arbeitsschutz gewährleisten, psychische Erkrankungen stärker in den Fokus nehmen Antrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 7/5243
Fundort
Plenarprotokoll 7/117, TOP 20
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/117stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-1734 · Absatz aus fs-bild-abs-0442

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffDelegitimieren

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung reiht „falsche Gleichheit der Inklusion" in eine Trias mit „Indoktrination" und staatlichem „Zugriff auf die Kinder" und nennt alle drei „Abgötter" — ein religiös aufgeladener Kampfbegriff, der Nachteilsausgleich für benachteiligte Schüler als ideologische Verfälschung diskreditiert, ohne den pädagogischen Zweck der Inklusion zu benennen. Das Wort „falsch" suggeriert eine natürliche, unhinterfragbare Ungleichheit, gegen die Inklusion angeblich verstößt, und stützt so einen Meritokratie-Topos, der Förderbedarfe als Etikettenschwindel erscheinen lässt.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich stelle „falsche Gleichheit" neben „Indoktrination" und nenne beides in einem Atemzug „Abgötter" — ein Wort aus dem Katechismus, das sofort moralische Empörung weckt, ganz ohne dass ich einen einzigen Fakt über Inklusion nennen muss. Wer die Gleichheit „falsch" nennt, unterstellt, es gäbe eine richtige, natürliche Ungleichheit, die der Staat mit Nachteilsausgleich künstlich verwischt. Dass Inklusion Kindern mit Behinderung oder Lernschwierigkeiten überhaupt erst eine faire Chance verschafft, sage ich nicht — das würde meinen Vorwurf sofort entkräften. Stattdessen packe ich sie in dieselbe Reihe wie den „ganztägigen Zugriff des Staates auf die Kinder", damit sie wie ein Teil eines größeren ideologischen Übergriffs wirkt, nicht wie eine pädagogische Fördermaßnahme. So wird aus einer Ausgleichspolitik ein Symbol für staatliche Anmaßung, und wer sie verteidigt, verteidigt in meiner Erzählung gleich mit die „Indoktrination".

Begriffe in dieser Aussage

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